Pressemitteilung

NEUER UNICEF-BILDUNGSBERICHT ZUM WELTWIRTSCHAFTSFORUM VERÖFFENTLICHT

Davos, Köln, 22. Januar 2015

WELTWEIT 58 MILLIONEN MÄDCHEN UND JUNGEN GEHEN NOCH IMMER NICHT ZUR SCHULE

UNICEF fordert gezielte Investitionen für die ärmsten Kinder – sie erhalten deutlich weniger öffentliche Bildungsressourcen als wohlhabende Familien

Weltweit gehen 58 Millionen Mädchen und Jungen im Grundschulalter nicht zur Schule. Vor allem Kinder aus den ärmsten Gesellschaftsgruppen vieler Entwicklungsländer haben schlechte Chancen auf Bildung. Für sie steht oft gerade einmal ein Achtzehntel der öffentlichen Bildungsressourcen zur Verfügung, die ihre wohlhabenden Altersgenossen erhalten. Dies zeigt der neue UNICEF-Bericht „The Investment Case for Education and Equity“. UNICEF ruft dringend dazu auf, öffentliche Bildungsausgaben gerechter zu verteilen und gezielt in Bildung für die ärmsten Kinder zu investieren.

„Weltweit gibt es derzeit rund eine Milliarde Kinder im schulpflichtigen Alter. Das sind eine Milliarde Gründe, um in Bildung zu investieren“, sagte die stellvertretende UNICEF-Direktorin Yoka Brandt bei der Vorstellung des Berichts beim Weltwirtschaftsforum in Davos. “Zu viele dieser Kinder erhalten keine gute Schulbildung, weil Armut, bewaffnete Konflikte oder Diskriminierung ihnen das Lernen erschweren. Wir müssen radikal umdenken, mehr Ressourcen bereitstellen und diese gerechter verteilen.“

Der UNICEF-Bericht macht deutlich, dass in Ländern mit niedrigen Einkommen im Schnitt fast die Hälfte der Ressourcen für Bildung genau den zehn Prozent der Schüler zugutekommt, die bereits am besten ausgebildet sind. In Ländern mit mittleren Einkommen liegt dieser Anteil bei 26 Prozent. Dieses Ungleichgewicht begünstigt Kinder aus den wohlhabenden Haushalten überproportional.

Ausweitung der Bildungskrise befürchtet

Zudem warnt der UNICEF-Bericht vor einer weiteren ernsten Bildungskrise in Entwicklungsländern. Der weltweite Fortschritt beim Zugang zu Schulbildung ist zum Stillstand gekommen. Mit derzeit 58 Millionen nicht eingeschulten Kindern im Grundschulalter verfehlt die internationale Gemeinschaft das zweite Millenniumsentwicklungsziel: Grundbildung für alle Kinder bis 2015. Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren gehen sogar noch deutlich seltener zur Schule. 63 Millionen Jugendliche haben die Schule vorzeitig abgebrochen oder nie begonnen. Hinzu kommt die mangelhafte Qualität der Schulen. Selbst wenn Kinder regelmäßig zum Unterricht kommen, lernen sie dort oft nichts. Der UNICEF-Bericht macht deutlich, dass weltweit 130 Millionen Kinder auch nach Abschluss der vierten Klasse nicht einmal über Grundkenntnisse im Lesen und Rechnen verfügen.

UNICEF befürchtet, dass sich die Situation mit dem Bevölkerungswachstum weiter verschlechtern wird. Um allen Mädchen und Jungen eine Grundbildung zu ermöglichen, müssten weltweit bis zum Jahr 2030 zusätzlich 619 Millionen Kinder eingeschult werden – über die Hälfte mehr als heute. Jedes Jahr Bildung zusätzlich bedeutet für ein Land ein bis zu 18 Prozent höheres Pro-Kopf-Einkommen. 

Mehr und besser investieren!

Doch die öffentlichen Ressourcen für Bildung sinken. Die staatliche Entwicklungshilfe für diesen Bereich hat seit 2009 um zehn Prozent abgenommen. Die Finanzierungslücke für Grundbildung in 46 armen Ländern beträgt derzeit jährlich 22,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Nur fünf Prozent des jährlichen Gewinns der 15 bestverdienenden Firmen der Welt würden ausreichen, um diese Lücke zu füllen.

UNICEF drängt Regierungen und Geberländer, mehr in Grundbildung zu investieren und auf die effiziente und gerechte Verteilung der Mittel zu achten. Auch private Geber sollten mehr Mittel für Bildung bereitstellen. „Wir wissen seit langem, dass Bildung den Teufelskreis von dauernder Armut und Benachteiligung für Kinder, Familien und Länder durchbrechen kann. Aber Regierungen und private Geldgeber müssen nicht nur mehr, sondern auch besser investieren“, sagte Yoka Brandt. UNICEF fordert die Regierungen auf, besonders benachteiligte Kinder stärker zu fördern: arme Kinder, Mädchen, ethnische und sprachliche Minderheiten, behinderte Mädchen und Jungen sowie Kinder, die in Kriegsgebieten aufwachsen.

Bildungsinitiative „Schulen für Afrika“

UNICEF arbeitet in 190 Ländern der Erde und setzt sich vor allem dafür ein, die am meisten benachteiligten Kinder zu erreichen. Die Bildungsprogramme von UNICEF werden auch von der IKEA Foundation unterstützt. Allein durch die jüngste Aktion im November und Dezember 2014 kamen rund fünf Millionen Euro UNICEF-Programmen wie der Initiative „Schulen für Afrika“ zugute. „Schulen für Afrika“ wurde 2004 von dem jetzigen Vorstandsmitglied von UNICEF Deutschland, Peter Krämer, gemeinsam mit der Nelson-Mandela Stiftung und UNICEF ins Leben gerufen. Inzwischen profitieren mehr als 28 Millionen Kinder in 13 afrikanischen Ländern von neu gebauten oder renovierten Klassenräumen, Schulmaterial und ausgebildeten Lehrern.

Der Bericht zum Download

„The Investment Case for Education and Equity“ ist Teil einer Veröffentlichungsreihe, die von der Bill und Melinda Gates Stiftung unterstützt wird.

TV- und Bildmaterial können Redaktionen kostenfrei unter weshare herunterladen oder bei der UNICEF-Pressestelle anfragen. 

Helga Kuhn

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Helga Kuhn
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E-Mail: presse(at)unicef.de


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