Bildung: UNICEF bringt Mädchen in Afghanistan in die Schule | © UNICEF/Froutan

UNICEF-BOTSCHAFTERIN SABINE CHRISTIANSEN IN AFGHANISTAN

Kabul: Mädchen träumen von der Zukunft

Juni 2011 - Kabul unter der Nervosität der Anschläge der letzten Tage. Unsere Wagenkolonne ist schwer gesichert und gepanzert. Soldaten sollen schützen so gut es geht, selbst auf dem Weg zu den Kindern einer Schule.

Soria High School Kabul - 65 Klassen, davon 63 Mädchenklassen. Mädchen in die Schule zu bringen, noch vor wenigen Jahren ein schwieriges Unterfangen. Frauen unter der Burka brauchen keine Bildung, so die Meinung der Taliban. Das sieht heute anders aus in Afghanistan. „Bildung ist eine echte Erfolgsgeschichte in diesem Land – UNICEF konnte viel dazu beitragen.“ Noch vor wenigen Jahren gingen rund eine Million Kinder zur Schule, heute sind es sieben. Die Mädchen erweisen sich als die lerneifrigeren.

In einer Klasse frage ich nach dem späteren Berufswunsch: Pilotin, Wirtschaftswissenschaftlerin, Ärztin – das wollen die Mädchen werden. Auf der Straße vor der Schule laufen die Frauen in Burkas vorbei. Ich frage: „Glaubst Du, das ein Mädchen Pilotin werden kann hier in Afghanistan?“ „Natürlich!“ kommt die Antwort – ein neues Selbstbewusstsein. Hoffentlich wird es nicht einmal enttäuscht.

Sport lieben alle Mädchen sehr: vor allem Fußball, Basket- und Handball. Minister Niebel hat Fußbälle mitgebracht. „Bitte bringe uns doch einmal ein Gymnasium mit, wenn Du wieder kommst“, sagt eine Klassensprecherin beim Abschied zu mir. Als wenn das so einfach wäre ...

Im Flüchtlingslager

Kabul – das ist das moderne Afghanistan. Auf dem Land leben 80% der Bevölkerung, die meist weder schreiben noch lesen können. Und Mädchen, die nichts anderes kennen, als früh verheiratet zu werden und ein Leben in Armut meistern müssen.

Wir fahren weiter zu einer dieser ärmlichen Siedlungen am Rande der Stadt. Sie entstehen wild aus umeinandergebauten Hütten, in denen meist Flüchtlinge leben. Wir fragen die Ältesten der Siedlung, ob wir eintreten und mit Ihnen reden dürfen. UNICEF hat ein kleines Feldlazarett bei ihnen errichtet, viele der Kinder sind krank, die Mütter benötigen Medikamente und Behandlungen für sie. Auch zwei Zeltschulen sind aufgebaut mit deutscher Hilfe. Es fehlt an frischem Trinkwasser, Essen, allem. Hier leben ca. 800 Flüchtlinge aus den Gebieten im Süden, in denen immer wieder Kämpfe stattfinden.

„Wir haben es für unsere Familie dort als nichts mehr sicher empfunden, sind vor den Taliban geflohen, hier nach Kabul“ erzählen die Männer. Eine der Jungen erzählt, dass sie auch die zwei  Schulen in seinem Tal geschlossen hätten. Immer werde geschossen. Hier müssen wir uns jetzt Tagelohn verdienen, aber besser als anderswo, sagen alle. „Wir müssen uns mehr um die Kinder kümmern und um eine vernünftige Familienplanung“, sagen mir die afghanischen Frauenrechtlerinnen, mit denen wir uns in der deutschen Botschaft treffen.

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