Straßenkinder in Pakistan mit Sabine Christiansen
© UNICEF/UNI.DT2014-50365/Asad ZaidiStraßenkinder in Pakistan mit Sabine Christiansen

UNICEF-Botschafterin Sabine Christiansen in Pakistan

Faiserabad – Im Teufelskreis der Armut


Juni 2011 - Ich habe gerade im Nachbarland Pakistan gesehen, wie schlimm die Lage ohne Familienplanung werden kann. Kinder dienen den Armen als Lebensversicherung, wenn sie einmal krank oder alt werden. Doch immer mehr Kinder treiben die Familien in noch größere Armut. Fast 190 Millionen Einwohner hat das Land, die Hälfte der Bevölkerung ist unter 18! Fast jedes zehnte Kind erlebt seinen 5. Geburtstag nicht mehr. Unterernährung, extreme Armut, Krankheiten, vor allem Polio ist weit verbreitet.

Schon Kleinkinder müssen zum Überleben der Familie beitragen und schuften im Straßenbau, Bergwerken, auf den Baumwollfeldern, in den Lehmziegelfabriken oder als „Garage-Boys“.

Als wir die verdreckte, stinkende Autowerkstatt in Faiserabad betreten, kommt beißender Geruch entgegen: Öle, Benzin, Lackierung alles. Der kleine Junge mit dem ölverschmierten Gesicht und dem Werkzeug in der Hand ist vielleicht fünf oder sechs Jahre alt. „Ich arbeite schon länger hier“, erzählt er. „Meinen Eltern hat der Besitzer der Werkstatt versprochen, ich werde einmal Mechaniker“, sagt er. Ich denke, wenn er diesen Knochenjob und schlagenden Meister überlebt.

Die meisten Kinder arbeiten, weil die Eltern dem Fabrikbesitzer Geld schulden. Der leiht ihnen einmal im Leben etwas, wenn sie es für eine Beerdigung oder eine Hochzeit brauchen und dann müssen sie diese Schulden oft ein Leben lang abarbeiten. Oder ihre Kinder. Ein Teufelskreis.

UNICEF bietet den Eltern Hilfe, wenn diese dafür ihre Kinder in die Schule schicken. Ein erfolgreiches Programm, mit dem bereits einige hundert Kinder aus der Ausbeutung herausgeholt werden konnten.

Ghulam hat es geschafft. Er ist heute 14, hat seit seinem 6. Lebensjahr in einer Ziegelfabrik gearbeitet und nun zwei Jahre lang eine Schule besuchen können. Er erzählt uns eine Geschichte, schüchtern aber voller Stolz und verkündet: „Nun möchte ich es noch schaffen, Polizist zu werden“. Viel Kraft und Glück dabei wünsche ich ihm.

UNICEF-Kinderschutzzentrum in Pakistan

Bild 1 von 6 | In Lahore (Pakistan) besuchte Sabine Christiansen ein von UNICEF unterstütztes Kinderschutzzentrum.

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Gegen Kinderarbeit: UNICEF und Sabine Christiansen in Pakistan

Bild 2 von 6 | UNICEF-Botschafterin Sabine Christiansen erfährt von den Kindern, dass manche von ihnen schon als Kleinkinder mit ihrer Arbeit zum Überleben ihrer Familie beitragen mussten.

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Hygiene: UNICEF leistet Aufklärungsarbeit  in Pakistan

Bild 3 von 6 | Asmaa Farooq erklärt den Kindern im Kinderschutzzenrum etwas über Gesundheit und Hygiene – Themen, über die viele der Kinder kaum etwas wissen.

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Schutz für Straßenkinder: In einem UNICEF-Kinderschutzzentrum in Pakistan

Bild 4 von 6 | Kashif ist sechs Jahre alt. Auch er besucht das Kinderschutzzentrum in Lahore. Allein in Lahore leben 500.000 Kinder auf der Straße.

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Pakistan: Tanzaufführung in einem UNICEF-Kinderschutzzentrum in Lahore

Bild 5 von 6 | Die Kinder im Kinderschutzzentrum führen für ihren Besuch einen kleinen Tanz auf. Sabine Christiansen und die Kinder applaudieren begeistert.

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Straßenkinder in Pakistan mit Sabine Christiansen

Bild 6 von 6 | Sabine Christiansen im Gespräch mit einer Gruppe von Straßenkindern. Viele von ihnen schnüffeln Schuhleim und sind sexueller Ausbeutung schutzlos ausgeliefert. Das Kinderschutzzentrum von UNICEF bietet ihnen Ruheinseln in ihrem sonst so gefährlichen Alltag.

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Lahore - die Verzweiflung der Straßenkinder

Die Kinder, die wir zum Abschluss in Lahore (10 Millionen Einwohner) treffen, sind davon weit entfernt. Sie leben auf der Straße, schnüffeln Schuhleim (das lässt den Hunger vergessen ), sind sexueller Ausbeutung schutzlos ausgeliefert. Allein in Lahore leben 500.000 Kinder auf der Straße.

Die älteren unter ihnen versuchen zunächst, mir das Theater einer taffen Streetgang vorzuspielen. Später wollen sie dann aber noch einmal ohne viele andere Menschen sich mit mir treffen. Dort zeigen sie mir dann ihre Selbstverstümmelungen an Armen und Oberkörpern, die sich mit Rasierklingen zufügen. Sie tragen diese auch zur Selbstverteidigung als Waffe im Mund mit sich herum. „Warum gibt uns keiner einen Schlafplatz für die Nacht? Immer kommen Männer mit Messern, vergewaltigen oder schlagen uns!“ Die coolen Boys sind verzweifelt und den Tränen nahe. Als einer schließlich sagt: „Es gibt so viele Tage, da wünschte ich, ich wäre tot“, nicken die anderen im Kreis nur stumm.

Reisetagebuch Sabine Christiansen

» Teil 1: Reisetagebuch Afghanistan
» Teil 2: Reisetagebuch Pakistan

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