Interview mit Johannes Schorling von INKOTA-netzwerk zur Kinderarbeit in der Schokoladenbranche © UNICEF Berlin

INTERVIEW MIT JOHANNES SCHORLING VON INKOTA-NETZWERK ÜBER KINDERARBEIT IN DER SCHOKOLADENBRANCHE

Berlin, den 12. Juni - Heute ist der Welttag gegen Kinderarbeit. Dies haben wir zum Anlass genommen, um mit Johannes Schorling von INKOTA-netzwerk über ausbeuterische Kinderarbeit in der Kakaoindustrie in Westafrika zu sprechen. Was versteht man unter Kinderarbeit und wie viele Kinder arbeiten für unsere Schokolade? Warum setzen Kakaobauer*innen Kinder auf Kakaoplantagen ein? Was kann und sollte die Politik zur Achtung von Menschenrechten in Lieferketten tun – und wie können wir als Verbraucher*innen unseren Beitrag dazu leisten?

Über diese und andere wichtige Fragen haben wir uns im folgenden Interview unterhalten – schauen Sie mal rein! 

Erstmal seit zwei Jahrzehnten steigt die Zahl ausgebeuteter Kinder auf 160 Millionen weltweit, das ist ein Zuwachs von neun Millionen im Vergleich zum Vorjahr. Die besorgniserregende Erkenntnis der neuen Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und UNICEF lässt sich auf COVID-19 und dessen wirtschaftliche und soziale Folgen für unzählige Familien zurückführen. Vor allem in Subsahara-Afrika, Asien, der Pazifik-Region, Lateinamerika und der Karibik ist Kinderarbeit deutlich angestiegen.  

70% aller Kinder, die betroffen sind, arbeitet im Agrarsektor, 20% im Dienstleistungssektor und 10% in der Industrie. Mehr als die Hälfte sind zwischen 5 und 11 Jahren alt.

Arbeitende Kinder sind dem Risiko körperlicher und psychischer Schäden ausgesetzt. Kinderarbeit beeinträchtigt die Bildung der Kinder, schränkt ihre Rechte ein, begrenzt ihre Zukunftschancen. Sie führt zu einem generationenübergreifenden Teufelskreis von Armut und Kinderarbeit.

Um diese herbe Kinderrechtsverletzungen zu stoppen ist ein robustes Lieferkettengesetz notwendig, das Menschen- und Kinderrechte in Lieferketten an die erste Stelle stellt. Das gestern beschlossene Gesetz ist ein wichtiger erster Schritt, reicht aber bei Weitem nicht aus, um dies zu gewährleisten. Weiterhin ist die Bekämpfung von Armut mit einem gerechten und existenzsichernden Preis für Produkte notwendig genauso wie die Investition in Bildung und der Zugang zu kostenfreien und sicheren Schulen für Kinder. 

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt sich UNICEF für verbesserte Gesetze ebenso ein wie für einen Wandel von Traditionen und Verhaltensweisen und unterstützen gezielt Programme, unter anderem für Bildung, Gesundheit und soziale Sicherheit.