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TAG GEGEN KINDERARBEIT 2020

Ein Essay von unserem HSG-Mitglied Hanan

Was ist Kinderarbeit?

Ich hatte in der Oberstufe eine Zeit lang einen Job als Aushilfe. Ich habe in einem Hotel beim Frühstück am Wochenende von 8 Uhr bis ca. 11 Uhr ausgeholfen. Dafür wurde ich auch bezahlt und habe oft eine Menge Trinkgeld erhalten.
Ein Kind, das Arbeitet also. Aber ich weiß, dass ich noch ganz weit weg war von Kinderarbeit. Während ich Gästen ihren Kaffee brachte war ich zu keinem Zeitpunkt wirklich in Gefahr. Dass ich meinen Samstagvormittag damit verbrachte, etwas Geld zu verdienen hat auch meinen Besuch in der Schule und meine Leistungen nicht gestört. Ich hatte den Genuss eine Arbeit aufzunehmen und das als lebensbereichernde Erfahrung und aufbessern meines Taschengeldes zu werten.

Wenn wir von Kinderarbeit sprechen, dann reden wir darüber, dass Kindern diese Wahl nicht gelassen wird. Die Arbeit von Kindern wird dann als Kinderarbeit bezeichnet, wenn sie

  • entweder zu jung sind, um diese Arbeit zu verrichten,
  • wenn die Arbeit gefährlich ist, 
  • wenn die Arbeit die psychische, physische oder soziale Entwicklung gefährdet oder wenn die Arbeit die Bildungsmöglichkeiten beeinträchtigt.

Dabei ist es vollkommen egal, ob und wie viel dem Kind für seine Arbeit gezahlt wird.

Wie viele Kinder müssen weltweit für Ihr Überleben arbeiten gehen? Wo und als was Arbeiten Kinder?

Laut der ILO (international Labor Organisation) haben 2016 insgesamt 218 Millionen Kinder gearbeitet. Davon waren 152 Millionen Kinder gezwungen Kinderarbeit zu verrichten.
Das bedeutet jedes 10. Kind auf dieser Welt!
Die meisten von ihnen arbeiten im Landwirtschaftlichen Bereich und/oder arbeiten daheim.

Wo genau ist da das Problem?

Es gibt mehrere Probleme, wenn es um Kinderarbeit geht. Zunächst sind viele der Arbeiten sehr gefährlich und können die Gesundheit und das Leben der Kinder stark gefährden.
Viele der Kinder die arbeiten, gehen entweder gar nicht, oder nur sehr unregelmäßig zur Schule. Dadurch bleiben ihnen zukünftige Chancen auf eine gute Arbeit und ein sicheres Einkommen verwehrt. Sie können dann für ihre eigenen Kinder nicht sorgen und diese müssen wieder schwere Arbeiten verrichten, anstatt zur Schule zu gehen.
Zuletzt ist der Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung ein Grundrecht jedes Kindes.

Wie wirkt sich Covid-19 auf Kinderarbeit aus?

Ob ein Kind die Schule besucht, ist für viele Familien eine Frage der aktuellen Lage. Dadurch, dass viele Eltern ihre Arbeit verloren haben, oder zurzeit nicht ausführen können, ist man auf die Mitarbeit der Kinder angewiesen, um die Familie zu versorgen. Dies birgt derzeit ein besonderes Risiko, da zusätzlich zu den Gefahren der täglichen Arbeit das Infektionsrisiko steigt.

Lernen und Hungern oder Arbeiten und Essen.

Durch die Maßnahmen zur Bewältigung von Covid-19 ist es vielen Kindern nicht möglich in die Schule zu gehen. Viele dieser Kinder, die ihre Schulzeit unterbrechen, werden nicht in den Unterricht zurückkehren. Oft bedarf es unter normalen Umständen bereits großer Überzeugungsarbeit Kinder einschulen zu lassen. Selbst dann ist es Kindern oft nicht möglich ihre schulische Ausbildung abschließen. Durch die aktuelle Lage ist damit zu rechnen, dass immer mehr Kinder frühzeitig die Schule verlassen, oder gar nicht erst eingeschult werden.

Was will man eigentlich erreichen und bis wann?

In den UN SDG’s ist das Ziel gesetzt, dass bis zum Jahr 2025 alle Formen von Kinderarbeit unterbunden und abgeschafft sein müssen. In den Jahren seit 2000 hat sich ein guter Trend abgezeichnet. Die Anzahl der Kinder, die Kinderarbeit verrichten, ist von 246Mio Kindern im Jahr 2000 auf 152Mio Kinder im Jahr 2016 gesunken. Doch reicht das bei Weitem nicht aus. Wenn der Trend so weiter geht, wird das Ziel bis 2025 nicht erreicht werden können.

Was muss getan werden, damit dieses Ziel erreich wird?

Es gibt verschiedene Aspekte bei denen man ansetzen kann. Ich möchte mich hier auf den Bezug zwischen Bildung und Kinderarbeit konzentrieren.

“We will not end child labour until every child is in school, and we will not succeed in ensuring every child is in school until we eradicate child labour”. - Nobel Peace Laureate Kailash Satyarthi,

  • Zugang zu öffentlicher Bildung:

Kinder müssen einen einfachen und sicheren Zugang zu schulischer Bildung erhalten. Familien müssen die Möglichkeit haben Kinder in Schulen in ihrer Nähe einzuschulen. Nur wenn der Zugang und die Qualität der Bildung gesichert sind, können Familien davon überzeugt werden, dass sich schulische Bildung auszahlt. Dazu zählt nicht nur der Zugang zu Grundschulen, sondern auch die Mittel- und Oberstufen sind hier relevant. Kinder werden eher dann eingeschult, wenn der Zugang zu weiterführenden Schulen einfach ist, da der reine Abschluss der Grundschule oft alleine als nicht hochwertig genug angesehen wird. Kinder, die in Regionen leben, in denen keine weiterführenden Schulen vorhanden sind werden oft gar nicht erst eingeschult. Jedoch kann nur durch eine schulische Ausbildung die Vererbung von Armut nachhaltig aufgehalten werden.

  • Frühkindliche Bildung:

Frühkindliche Bildung ist ein wichtiges Standbein in der Diskussion. Der Zugang zu Kindergärten, die Schulung von Fachpersonal und Etablierung frühkindlicher Bildungsprogramme sind zentral. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder die Schule besuchen ist wesentlich höher, wenn Eltern ihre Kinder bereits zuvor pädagogisch betreuen ließen. Eltern können so frühzeitig über die Wichtigkeit schulischer Bildung aufgeklärt werden.

  • Schulkosten senken und abschaffen:

Die Einrichtung eines flächendeckenden öffentlichen Schulnetzes ist wichtig. Oft sind die einzigen Schulen in der Nähe private Schulen für die ein regelmäßiger Beitrag gezahlt werden muss. Die Einrichtung öffentlicher Schulen kann dem entgegenwirken. Doch selbst wenn für die Schule kein Beitrag gezahlt werden muss, können sich viele Familien die Schulmaterialien nicht leisten. Hefte, Stifte, Bücher und Uniformen sind meist zu teuer. Auch hier müssen Strukturen geschaffen werden, die den so schon finanziell belasteten Familien nicht noch mehr aufbürden.

  • Aufmerksamkeit schenken:

Das Jahr 2021 wird zum Jahr der Eliminierung von Kinderarbeit ausgerufen. Also haltet Ausschau! Vielleicht ist dazu auch eine Aktion in eurer Nähe.

Kinderarbeit ist ein komplexes Thema und neben Bildung gibt es noch viele weitere Faktoren, die sich darauf auswirken, ob Kinder Arbeiten gehen oder nicht. Wenn ihr hierzu mehr erfahren möchtet, schaut auf folgenden Seiten vorbei:

Quellen:
UN-Webseite zum Tag gegen Kinderarbeit:
https://www.un.org/en/observances/world-day-against-child-labour

2021 International Year for the Elimination of Child Labour
https://www.ilo.org/global/about-the-ilo/newsroom/news/WCMS_713925/lang--en/index.htm

UNICEF Deutschland Themenseite zu Kinderarbeit:
https://www.unicef.de/informieren/projekte/einsatzbereiche-110796/kinderarbeit-111212

UNICEF International Themenseite zu Kinderarbeit
https://www.unicef.org/protection/57929_child_labour.html

Ending child labour by 2025: A review of policies and programmes International Labour Office (ILO), Geneva, Second edition 2018 ISBN: 978-92-2-132368-6 (print) ISBN: 978-92-2-132369-3 (web pdf)
https://www.ilo.org/ipec/Informationresources/WCMS_653987/lang--en/index.htm

COVID-19 impact on child labour and forced labour: The response of the IPEC+ Flagship Programme, Broschüre 20 May 2020
https://www.ilo.org/global/about-the-ilo/how-the-ilo-works/flagships/ipec-plus/WCMS_745287/lang--en/index.htm

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© UNICEF/INDIA2010-00056/Crouch

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© UNICEF/NYHQ2006-0355/Giacomo Pirozzi

Anzahl Kinder in Kinderarbeit

Aus dem Bericht: Ending child labour by 2025

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© UNICEF Palästina/2017/El Baba