WARUM KEINE KINDERRECHTE INS GRUNDGESETZ, FRAU MERKEL?
Mittwoch, 26. Februar 2014, 14:15 Uhr
von Simone Morawitz | 0 Kommentare

Für zehn Mitglieder des UNICEF-JuniorTeams bleibt der 14. November 2012 sicherlich ein ganz besonderer Tag. Seit Wochen war er rot im Kalender markiert.

Bildtermin mit Bundeskanzlerin Merkel. ©UNICEF/Zimmermann

Bildtermin mit Bundeskanzlerin Merkel.
© UNICEF/Zimmermann

Wochenlang bereiten sich die UNICEF-Juniorbotschafter auf das Gespräch vor. Dann ist es soweit.Zuerst treffen die zehn UNICEF-JuniorTeamler Moderator und Reporter Willi Weitzel, der sie am Nachmittag ins Bundeskanzleramt begleiten soll. Der neue Schirmherr des JuniorBotschafter-Wettbewerbs setzt sich schon seit vielen Jahren für die Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland und weltweit ein. Mit verschiedenen Fragen fühlte er der Truppe auf den Zahn: Warum setzt ihr euch überhaupt für Kinderrechte ein? Und warum wollt ihr überhaupt, dass die Kinderrechte ins Grundgesetz aufgenommen werden – reicht euch das Familienrecht im Grundgesetz etwa nicht aus?

Mit vielen Tipps und Anregungen von Willi Weitzel machen sich die Jugendlichen dann auf den Weg Richtung Bundeskanzleramt.

Es ist kalt, als wir durch Berlin laufen. Gleichzeitig steigt die Nervosität aller Beteiligten. Vor dem Bundeskanzleramt treffen wir Markus Löning, den Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung mit Team und Dr. Jürgen Heraeus, den Vorsitzenden von UNICEF Deutschland. Gemeinsam gehen wir durch den Sicherheits-Check.

Und dann geht plötzlich alles ganz schnell: Angelina, Anne, Clara, Hannah, Kira, Lasse, Lisa, Madita, Paul und Sophie, Willi Weitzel, die UNICEF Vertreter und die Vertreter des Auswärtigen Amts werden in die Skylobby des Kanzleramts gebracht. Dort treffen sie die Kanzlerin. Nur wenige Minuten sind Zeit, um Fotos für die Presse zu machen und schon geht es weiter in die “Kleine Lage”, einem Besprechungsraum im Bundeskanzleramt.

Bundeskanzlerin Merkel empfängt JuniorBotschfter-Team. ©UNICEF/Zimmermann

Bundeskanzlerin Merkel empfängt JuniorBotschfter-Team.
© UNICEF/Zimmermann

Nach der Begrüßung diskutieren die Jugendlichen mit der Kanzlerin über den Politikunterricht in der Schule, Chancengleichheit und den Vorrang des Kindeswohls. Dann bringen sie das Thema zur Sprache, das ihnen so sehr auf der Seele brennt: „Kinderrechte ins Grundgesetz.” Durch das Familiengesetz seien Kinder nicht ausreichend geschützt, deshalb brauche es eine Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz, darunter zum Beispiel das Recht auf Mitbestimmung. Bundeskanzlerin Merkel macht den Kindern behutsam, aber doch unmissverständlich klar, dass die Kinderrechte nach ihrer Auffassung nicht ins Grundgesetz gehören.

Bundeskanzlerin Merkel im Gespräch mit JuniorBotschafter-Team. ©UNICEF/Zimmermann

Bundeskanzlerin Merkel im Gespräch mit JuniorBotschafter-Team.
© UNICEF/Zimmermann

Doch das JuniorTeam lässt nicht locker. Immerhin ist es eine einmalige Chance mit der Kanzlerin zu diskutieren. Die Bundeskanzlerin lässt alle zehn Kinder und Jugendlichen zu Wort kommen und überzieht sogar die für das Gespräch im Tagesablauf angegebene Zeit um das Doppelte. Letztendlich konnten die Jugendlichen die Kanzlerin nicht vollkommen davon überzeugen, sich dafür einzusetzen, die Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen. Das Grundgesetz sei momentan sehr edel durch seine Kürze und würde aufgeweicht werden, wenn die Interessen aller Bürger einfließen würden. Wenn die Kinderrechte noch im Grundgesetz aufgenommen würden, würde es sehr lang werden. Frau Merkel denke zudem, dass die Kinder schon im Familiengesetz ausreichend geschützt seien, erklärt JuniorBotschafterin Kira Zerwer nach dem Gespräch mit der Bundeskanzlerin. Aber die Kanzlerin hat ihnen versprochen: Sie werde das Thema in ihrem Herzen wägen.

Die Mitglieder des UNICEF-JuniorTeams waren zufrieden mit dem Gespräch. „Es ist klar, dass wir die Bundeskanzlerin nicht in einer halben Stunde überzeugen können. Aber sie meinte, dass sie sich unsere Argumente noch einmal durch den Kopf gehen lässt“, sagt die 16-jährige Hannah. „Ich finde schon, dass sie sehr auf unsere Meinung geachtet hat. Und dass sie sich mit uns trifft, zeigt ja auch, dass sie Interesse an unserer Meinung hat.“

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