KEVINE LEBT!
Mittwoch, 26. Februar 2014, 15:01 Uhr
von Christian Schneider | 0 Kommentare

Sicher hat keiner der Fotografen und Journalisten beim Frühstück heute Morgen erwartet, an diesem Tag ausgerechnet eine junge Frau aus einer besonders abgelegenen Region von, ja: Burundi kennenzulernen.

Zwischen all den sicher wichtigen Hauptstadtterminen – die Haushaltsdebatte im Deutschen Bundestag wogt nur wenige Meter weiter – haben sie sich „Zeit zu teilen“ genommen. So heißt unsere UNICEF-Weihnachtsaktion. Eine Pressekonferenz mit der neuen UNICEF-Schirmherrin Daniela Schadt und der engagierten UNICEF-Patin und Schauspielerin Katja Riemann – die Zeit nimmt man sich. Auch, wenn das für UNICEF so fundamentale Thema des Überlebens von Neugeborenen und ihren Müttern in den ärmsten Ländern der Welt für die meisten Journalisten wohl völlig quer liegt zur hektischen Agenda ihrer Redaktionen. Mitte November in Berlin, da ist vielleicht kaum etwas gedanklich so weit entfernt wie der Alltag in, ja: Burundi!

Aber dann betritt, in den ruhigen, einfühlsamen Beschreibungen meines UNICEF-Kollegen Johannes Wedenig, Pétronie den Raum der Pressekonferenz. 28 Jahre alt ist die junge Mutter. Sechs Jahre hat sie die Schule besucht und gewiss ihre Heimat bis heute nicht verlassen.

Was Johannes Wedenig aus dem Leben dieser Frau berichtet, ist ein Alptraum für jede Mutter. Für jeden, der diese Geschichte anhört: Zwei Kinder hat Pétronie durch Krankheiten verloren. Ganz jung waren sie, neun Monate das eine, eineinhalb Jahre das andere. Vor gut zwei Wochen dann macht Pétronie sich, hochschwanger und gestützt von ihrer eigenen Mutter, zu Fuß auf den Weg zur nächsten Gesundheitsstation, um ihr jüngstes Kind zur Welt zu bringen. Eine dreiviertel Stunde läuft sie, damit ihr bei der Geburt jemand beisteht. 45 Minuten, fünfundvierzig Minuten Fußweg, nachdem die Wehen bereits eingesetzt haben.

Als die Hebamme nach einer langen Geburt endlich die kleine Tochter im Arm hält, ist plötzlich wieder die Stille da, die Pétronie zu gut kennt. Das Neugeborene schreit nicht, nichts ist zu hören. Pétronie sieht ihre toten Kinder vor sich und denkt, dass auch dieses verloren ist. Doch dann, endlich, hört sie ihre Tochter weinen. Und dafür gibt es einen Grund: Weil die einfache Gesundheitsstation mit den grundlegendsten, aber lebensrettenden Dingen für eine sichere Geburt ausgestattet ist, konnte die kleine Kevine beatmet werden. Sie lebt.

Ein Kind lebt, das ist die gute Nachricht, die unser Kollege aus Burundi mitgebracht hat. Was Johannes Wedenig zu sagen hat, ist wie eine kleine Lehrstunde über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Es geht darum, dass auch in einem von Bürgerkrieg gezeichneten Land – einem der ärmsten der Welt – Kinder leben, überleben können. Dass es voran geht mit der Ausstattung der Gesundheitsstationen, Burundi aber mindestens 66 davon bräuchte anstatt fünf. Dass schon bald freiwillige Gesundheitshelfer mit Unterstützung durch UNICEF ihre einfachen Mobiltelefone nutzen können, um per SMS Hilfe bei Komplikationen anzufordern. Aber dass noch immer eine von 25 Frauen während einer ihrer Geburten stirbt. Es ist sehr still geworden im Raum der Pressekonferenz. Und wahrscheinlich ist niemandem gerade jetzt etwas so nah wie das Leben von Pétronie und Kevine. Aus Burundi.

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