MEIN ERSTER BESUCH IN PROJEKTEN
Donnerstag, 12. September 2013, 16:33 Uhr
von Kristina Müller | 0 Kommentare

Nur wenige Tage nach meiner Ankunft in Bujumbura hatte ich die Gelegenheit, die UNICEF-Gesundheitsexpertin Sophie ins Landesinnere zu begleiten. Sie ist häufig unterwegs, erzählt sie, um die Projekte vor Ort zu unterstützen.

Diesmal hat sie Besuche in den Provinzen Gitega und Muyinga an der Grenze zu Tansania geplant. Dort hilft UNICEF, die medizinische Versorgung für Kinder und schwangere Frauen nachhaltig zu verbessern.

Burundi Gesundheit freiwillige Helferin (© UNICEF/Kristina Müller)

Anastasie (links) gibt anderen Müttern Tipps zu Hygiene und Gesundheit ihrer Kinder.
© UNICEF/Kristina Müller

Die Gesundheitsversorgung in Burundi ist schlecht. Zwar gibt es landesweit eine Vielzahl an Gesundheitszentren für die insgesamt rund 8 Millionen Einwohner des Landes. Aber dennoch sterben rund 70 Prozent der Kinder, noch bevor sie medizinische Hilfe erhalten. Wie kann das sein?

Zu spät ins Gesundheitszentrum

Außerhalb der Städte sieht man kaum motorisierte Fortbewegungsmittel. Die Menschen sind zu Fuß unterwegs: Frauen mit einem Kind auf dem Rücken, mit großen Bündeln auf dem Kopf – Bananen, Holz, Gemüse –, Männer, die bedrohlich beladene, klappernde Fahrräder die unzähligen Kurven die grünen Hügel hinaufschieben. Für viele Mütter ist der Weg zu einem Gesundheitszentrum mit zu hohen Kosten für den Transport oder mit stundenlangen, beschwerlichen Fußmärschen verbunden. Gleichzeitig ist vielen Müttern nicht bewusst, wie wichtig das Stillen und eine angemessene Ernährung für ihr Kind sind und mit welchen einfachen Regeln wie zum Beispiel dem Händewaschen sich Krankheiten vorbeugen lassen.

Aufklärungsarbeit in den Dörfern

Wir treffen Anastasie. Sie ist 30 Jahre und Mutter von vier Kindern. Die zierliche Frau in den bunten Tüchern wirkt viel jünger und ich bin berührt, als sie mir erzählt, dass sie eigentlich noch ein fünftes Kind hat. Aber das kleine Mädchen ist mit 8 Monaten an den Folgen einer schweren Durchfallerkrankung gestorben. Damals wusste Anastasie noch nicht, dass diese Erkrankung zu einer der häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren zählt.

Burundi Gesundheit Engagement (© UNICEF/Kristina Müller)

Anastasie lernt, Kinderkrankheiten rechtzeitig zu erkennen und vorzubeugen.
© UNICEF/Kristina Müller

Anastasie ist Mitglied einer sogenannten „Care Group“, einer Gruppe von Müttern, die in ihren Dörfern wichtige Aufklärungsarbeit leisten. Zweimal im Monat kommen sie zusammen, um hier – auf einer kleinen Lichtung zwischen Bananenstauden etwas abseits des holprigen Wegs – über Fragen zu Hygiene und Gesundheit zu diskutieren. Sie erfahren, welche einfachen Maßnahmen helfen, um Kinder vor Krankheiten zu schützen. Schon einfache Dinge helfen dabei, erzählt eine andere Mutter, und zählt einige auf: ein Gestell für das Kochgeschirr, damit es nicht auf dem Boden trocknet oder ein „trip-trap“. Das ist eine einfache Vorrichtung für den Wasserkanister, damit man ihn mit dem Fuß kippen kann und nicht festhalten muss.

Risiken rechtzeitig erkennen

Die freiwilligen Helferinnen werden auch geschult, Krankheiten bei Kindern zu erkennen. Jede der Frauen besucht regelmäßig zehn Familien in ihrem Dorf, um ihr Wissen weiterzugeben und bei Problemen zu helfen. Die Mütter sind auch in Kontakt mit Gesundheitshelfern, die einfache Krankheiten direkt vor Ort behandeln können.

Dieses Netzwerk an freiwilligen Helferinnen soll weiter ausgebaut werden, erfahre ich von einem Mitarbeiter der Partnerorganisation, die bei der Umsetzung des Projektes beteiligt ist. Mehr als 2.700 freiwillige Mütter werden in Zukunft in der Region dazu beitragen, dass die Kinder in ihren Dörfern besser vor Krankheiten geschützt werden und kranke Kinder rechtzeitig Hilfe bekommen.

Burundi Gesundheit Frauengruppe (© UNICEF/Kristina Müller)

Die Frauengruppe verabschiedet uns mit einem Lied. Neugierig haben sich viele Kinder dazugesellt.
© UNICEF/Kristina Müller

Das Treffen mit der „Care Group“ und dem Mitarbeiter der Partnerorganisation war ein spannender Einblick in die Arbeit auf lokaler Ebene. Wir wollen uns aber auch noch ein Bild von der Situation des „offiziellen Gesundheitssystems“ machen. In meinem nächsten Beitrag berichte ich von unserem Besuch im Krankenhaus und einem Gesundheitszentrum.

Sie interessieren sich für Burundi und die UNICEF-Arbeit in einem der ärmsten Länder der Welt? Lesen Sie hier alle Berichte von meinem Aufenthalt in Burundi.

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