"DER KRIEG HAT MIR ALLES GENOMMEN"
Donnerstag, 7. August 2014, 14:41 Uhr
von Chris Schüpp | 0 Kommentare

VIDEO-WORKSHOP MIT KINDERN IN DER UKRAINE

Kinder aus dem Osten der Ukraine beschreiben in OneMinutesJr-Filmen, was der Konflikt für sie verändert hat.

Sie kommen aus Donetsk, Luhansk und von der Krim, aber im Moment leben sie alle in Lviv in der Westukraine. Der Konflikt im Osten der Ukraine hat sie und ihre Familien zu Flüchtlingen im eigenen Land gemacht. Yuriy (13), Vlad (13) und Selim (6) sowie elf andere Kinder und Jugendliche konnten bei einem von UNICEF Ukraine organisierten OneMinutesJr-Workshop unter Anleitung von Videokünstlern ihre Eindrücke aus dem Krisengebiet dokumentieren. Was dabei herausgekommen ist, geht wirklich unter die Haut.

Ukraine: OneMinutesJr-Workshop

Selim, seine zwei Brüder und ein weiterer Freund vom Workshop haben Spaß beim Anschauen des gedrehten Materials.
© UNICEF/Schüpp

Yuriys Kindheit - zerplatzt wie eine Seifenblase

Yuriy (13) kommt aus Donetsk, einer der am meisten umkämpften Städte in der Ostukraine. Er hat einen Bruder und eine Schwester, spielt Saxophon und Schlagzeug und ist eigentlich ein sehr lebenslustiger Junge. Wenn man ihn aber in seinem Video "Der Krieg hat mir alles genommen" sieht, dann sind Saxophon und Schlagzeug weit weg. Yuriys Kindheit ist zerplatzt wie eine Seifenblase, so lässt sich zusammefassen, was der 13 Jahre alte Junge uns beim Workshop so erzählt. Und damit ist auch schon klar, wie der Film auszusehen hat - einfach, plakativ, eindrucksvoll.

Vlads Film: "TV"

Vlad ist ebenfalls 13 Jahre alt und kommt auch aus der Gegend um Donetsk, wo er einiges gesehen, gehört und erlebt hat, dass er sich gerne erspart hätte. Und dazu kommt noch das, was man nicht selbst erlebt, sondern was im Fernsehen so gesendet wird. Es regt ihn auf, dass er weder aus dem Fenster noch in den Fernseher schauen kann, ohne Krieg und Tod sehen zu müssen. "Manchmal will ich den Fernseher einfach aus dem Fenster schmeißen", sagt er am ersten Tag des Workshops. Gesagt, getan! Zu einem gelungenen Kurzfilm fehlt manchmal nur ein kaputter Fernsehapparat. Aber den kann man sich ja organisieren. Bitte unbedingt bis zum Ende gucken, da ist ein wichtiger Hinweis versteckt!

Selim erzählt gern von Zuhause

Und dann ist da noch Selim, der jüngste OneMinutesJr-Teilnehmer aller Zeiten. Sechs Jahre alt und in erster Linie dabei, weil seine älteren Brüder Tair und Alim beim Workshop teilnehmen sollten. Aber wenn er schon mal da ist, dann kann er auch gleich mitmachen. Und Selim ist kaum zu stoppen. Er erzählt von Zuhause, von Feodosia auf der Krim, wo er bis vor ein paar Monaten noch gewohnt hat. Er fährt gerne mit dem Fahrrad, ißt immer noch gerne Brei und schläft und spielt viel. Aber am liebsten erzählt er von Zuhause, also von dem Haus, wo er gewohnt hat. Wir schlagen vor, er soll es doch einfach mal aufmalen und beschreiben. Und schon hat Selim seinen Film fertig - er beschreibt das Wichtigste, was Selim hatte: Familie und ein Zuhause. Im Moment hat er davon nur noch seine Familie.

Der Film "Nest" von Ivan

Auch Ivan sagt in seinem Film "Nest": "Ich will ein Zuhause haben." Sein Kurzfilm geht ganz besonders unter die Haut.

Alle Videos des Workshops in der Ukraine findet ihr (auf Ukrainisch mit englischen Untertitlen) hier in dieser youtube-Playlist.

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