FLÜCHTLINGSKRISE IN DEUTSCHLAND: JEDER KANN WAS TUN!
Donnerstag, 23. Juni 2016, 10:00 Uhr
von Talha Evran | 2 Kommentare

Über die Flüchtlingsthematik wird schon seit vielen Monaten in Deutschland diskutiert. Es gibt noch viele Fragen zu klären, aber mich beschäftigte vor allem eine: Was können wir jungen Menschen zur Lösung der Flüchtlingskrise beitragen?

Genau hier setzt der Workshop an, den ich gemeinsam mit Schülern und Studenten entwickelt habe.

Talha vor einem Plakat bei einem Workshop

Talha in einem der Workshops. Mit Plakaten versuchen er und sein Team die Situation der Menschen auf der Flucht verständlich zu machen.
© Talha Evran

Wir sind verpflichtet, zu helfen

Wir – ein Team aus Engagierten zwischen 18 und 22 Jahren – haben es uns zum Ziel gesetzt, Schülerinnen und Schüler in Köln und Umgebung über die Hintergründe und Umstände der Flüchtlingskrise zu informieren. Deshalb haben wir einen Workshop für sie entwickelt. Gemeinsam mit ihnen wollen wir darüber nachdenken, was jeder Einzelne ganz konkret tun kann, um Flüchtlingen zu helfen.

Viele Schülerinnen und Schüler wissen lediglich, dass es blutige Konflikte in Syrien und anderen Krisengebieten gibt und dass Menschen aus diesem Grund nach Deutschland fliehen. Dabei ist in meinen Augen jeder von uns dazu verpflichtet, sich zu informieren und zu helfen.

Südsudan: Mit ihrem letzten Hab und Gut flieht diese Familie

Jedes neunte Kind weltweit wächst in einem Konfliktgebiet auf, wie zum Beispiel in Syrien, Südsudan und Nigeria. Viele Familien fliehen vor Gewalt und Hoffnungslosigkeit.
© Kate Holt

Workshop: Wissensflu(ch)t

Der erste Schritt ist das Verstehen: Was hat die Krise in den Bürgerkriegsländern ausgelöst? Wie sah das Leben der Menschen aus, bevor sie ihren Alltag, Freunde, ihr Zuhause zurücklassen mussten? Über welche Wege kommen die Flüchtlinge zu uns nach Deutschland? Was erhoffen sich Familien, die nahezu besitzlos und ohne Sprachkenntnisse Zuflucht in einem völlig fremden Land suchen?

Diese und viele weitere Fragen versuchen wir anhand eines Vortrags und im Gespräch mit den Kindern und Jugendlichen so gut wie möglich zu beantworten. Wir erklären den Schülerinnen und Schülern anhand einer Route, die vom Entschluss zur Flucht bis zum Leben in Deutschland führt, was Flüchtlinge auf ihrem Weg erleben. Wir zeigen verschiedene Stationen der Flucht. Danach diskutieren die Schülerinnen und Schüler in Gruppen über das, was sie gehört haben. Im gemeinsamen Gespräch werden Fragen gestellt und Meinungen ausgetauscht.

Flüchtlingskinder im Libanon

Diese Kinder sind vor dem syrischen Bürgerkrieg in den Libanon geflohen. Sie haben Schreckliches gesehen und mussten ihr Zuhause und ihre Freunde zurücklassen.
© UNICEF/DT2015-41669/Ramzi Haidar

Treffen mit Flüchtlingen in Deutschland

Die Vortragsreihe soll vor allem Mitgefühl bei unseren jungen Zuhörern wecken, denn ein Großteil der Gesellschaft sieht den Zustrom an Flüchtlingen lediglich als reines Nachrichtenthema. Dabei sind Flüchtlinge viel mehr als das: Es sind Menschen, die unglaublich viel gesehen, erlebt, erlitten und gemeistert haben. Tausende Kilometer haben sie hinter sich gelassen, um ein neues Leben in Deutschland beginnen zu können. Darauf möchten wir aufmerksam machen – mit Reportagen, die wir während unserer persönlichen Flüchtlingsarbeit gesammelt haben.

Flüchtlingscamp im Libanon

Diese Kinderfüße haben schon einen langen Weg hinter sich. In seinem Workshop erklärt Talha Schülerinnen und Schülern, welche Route Flüchtlinge zurücklegen.
© UNICEF/UNI180714/ZAKIRA

Millionen Menschen mit individuellen Biografien

Während meines freiwilligen sozialen Jahres hatte ich vermehrten Kontakt zu Flüchtlingen. Dieser Austausch hat mir immer wieder gezeigt, dass nicht nur über eine Millionen Menschen, sondern auch über eine Millionen individuelle Biografien zu uns nach Deutschland gekommen sind. Vor allem in den Gesprächen mit ihnen wurde mir klar, dass ich selbst auch viel zu oft vergesse, was es heißt, sein Land von einem Tag auf den anderen zu verlassen. Dabei bedeutet die Flucht oft, Familie, Freunde und Alltag zurückzulassen. Deshalb ist es mir wichtig, immer wieder daran zu erinnern, dass eine Flucht viel mehr ist als eine Reise ins Ausland.

Viele Menschen sind bereits geflohen, einige werden es noch tun. Diejenigen Flüchtlinge, die den langen, steinigen Weg nach Deutschland geschafft haben, brauchen jetzt unsere Hilfe. Um sie müssen wir uns kümmern. Wir sollten uns für sie einsetzen und auf geeignete Art und Weise helfen: Mein Weg ist es, dass ich auf ihre Situation aufmerksam machen möchte.

KOMMENTARE

  • anonym
    23. Juni 2016 16:08 Uhr

    Zurzeit besuchen wir fast ausschließlich Schulklassen. In Zukunft wird es jedoch auch offene Runden geben zu denen wir sie herzlich willkommen heißen.

  • anonym
    23. Juni 2016 12:35 Uhr

    Kann man sich auch als Einzelperson zu so einem Workshop anmelden ?

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