LERNEN IM SUDAN: FRISCH GESCHRIEBEN - MIT KREIDE AN DIE HAUSWAND!
Dienstag, 16. Juni 2020, 09:38 Uhr
von Verena Linde | 0 Kommentare

Das Kindermagazin GEOlino stellt in jeder Ausgabe ein UNICEF-Projekt vor. In Heft 6/2020 erschien ein Bericht über Sana aus dem Sudan, die aufgrund eines Konflikts im eigenen Land in einem Flüchtlingslager leben muss.

Sana lebt in einem Flüchtlingslager im Westen des Sudan. Weil ihre Eltern selten zu Hause sind, muss sich die Neunjährige um vieles allein kümmern. Dabei vergisst sie eines nie: ihre Hausaufgaben.

Flüchtlingslager Sudan: Mädchen schreibt mit Kreide an Wand.

Schreiben und Rechnen, das übt Sana mit Kreide an der Aussenwand ihrer Hütte - sooft sie kann. Deshalb gehört sie zu den besten der 83 Mädchen in ihrer Klasse. 
© UNICEF/UNI235408/Noorani

Mit flinken Fingern und einem kleinen Stück Kreide schreibt Sana arabische Schriftzeichen und Rechenaufgaben auf die Außenwand der Hütte. Die Wörter und Zahlen bedecken fast die gesamte raue Fläche. „Das sind meine Hausaufgaben. Hier kann ich arbeiten wie an einer Tafel, das macht mir großen Spaß“, sagt die Neunjährige und lächelt stolz.

Die Schule, findet Sana, ist das Beste in ihrem Leben. Ähnlich viel Freude bereitet ihr ansonsten nur ihr Neffe Mohazab, der kleine Sohn ihrer Schwester Amina. Manchmal passt sie auf den Kleinen auf.

Flüchtlingslager Sudan: Mädchen hält ein Baby in den Armen.

Familienbesuch: Sana genießt die Zeit mit ihrer erwachsenen Schwester Amina und Baby Mohazab. Ihre Eltern sieht sie wenig. Die beiden arbeiten etwa zehn Kilometer entfernt und kommen nur alle ein, zwei Wochen nach Hause.
© UNICEF/UNI235427/Noorani

Sana lebt in einem Flüchtlingslager, wie schätzungsweise 1,6 Millionen andere Sudanesen, die Flüchtlinge im eigenen Land sind. Sie alle flohen vor einem Konflikt, der im Jahr 2003 hier in der Region Darfur im Westen des Sudan ausbrach. Rebellen forderten damals mehr Rechte für die schwarze Bevöl­ke­rung. Die Regierung aber schlug mit voller Härte zurück und schickte Soldaten. Diese überfielen die Dörfer, töteten ganze Familien, brannten alles nieder. Niemand war mehr sicher. Sanas Familie floh damals vom Land in die Stadt, oder genauer: in das Flüchtlingslager Abu Shouk am Rand der Großstadt El-Fasher. 

Sana kann sich an keinen an­­deren Wohnort mehr erinnern. Ihre El­­tern sieht sie nur alle ein, zwei Wochen für ein paar Tage, denn für spärlichen Lohn ackern sie etwa zehn Kilometer entfernt auf den Feldern. 

Zum Glück aber hat Sana ihre älteren Geschwister: Amina kommt oft mit ihrem Baby vorbei. Abends besucht sie gern ihren Bruder Adam und guckt dort mit seiner Familie fern. 

Sudan: Mädchen holt sich Trinkwasser mit Schubkarre.

Mit einer Schubkarre schafft Sana Kanister mit Trinkwasser heran. Die füllt sie zu Hause in eine Plastiktonne. Fließendes Wasser gibt es nicht. 
© UNICEF/UNI235402/Noorani

Die übrige Zeit des Tages füllen zahlreiche Pflichten: Sana muss um sechs Uhr aufstehen. „Ich trinke morgens etwas Tee und esse ein paar Erdnüsse“, erzählt sie. Dann putzt sie ihre Zähne, wäscht sich und betet noch, bevor sie zur Schule aufbricht. Fünf Minuten läuft Sana dorthin. Ihren Rucksack hat sie da mit Büchern, Stiften, Anspitzer und Radiergummi längst gepackt. Alles, was sie für den Unterricht benötigt, bekommt sie von UNICEF. Ihre Familie könnte sich die Schulmaterialien niemals leisten.

Wenn der Lehrer spricht, muss Sana sich sehr konzentrieren, um auch alles mitzubekommen: Sie sitzt mit 83 Mitschülerinnen in der Klasse! Aber Sana strengt sich an und wurde gerade wieder mit einem guten Zeugnis belohnt.

Nach der Schule kocht Sana auf einer kleinen Feuerstelle in dem Raum, in dem sie auch schläft. „Wenn keine Erwachsenen da sind, muss ich auch Wasser holen“, sagt Sana. Da­­für schiebt sie eine mit Plastikkanistern beladene Schubkarre zur Wasserstelle. Zu Hause füllt sie das Wasser dann in eine große Vorratstonne. Wenn sie alles erledigt hat, übt sie noch ein wenig Schreiben und Rechnen an der Wand vor ihrem Haus. Dabei treibt ein Gedanke sie besonders an: Wenn sie fleißig lernt, kann sie eines Tages ihren Traumberuf ergreifen – und Ärztin werden.

Flüchtlingslager Sudan: Mädchen hockt vor einer Feuerstelle.

Sana kocht über eine Feuerstelle in ihrer Hütte. Oft bereitet sie Linsen zu. Manchmal gibt es auch nur Trockenfleisch oder Brot. 
© UNICEF/UNI235418/Noorani

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