© UNICEF/UN0422683/COVAX/Miléquêm Diarassouba

Menschen für UNICEF

Transport von Corona-Impfstoffen: „Es ist mein Job, die Lieferung sicherzustellen.“

Gemeinsam mit Partnern bringt UNICEF die Corona-Impfstoffe in jeden Winkel der Erde. Logistik-Experte Mounir Bouazar spricht im Interview über große Herausforderungen und besondere Momente bei der einzigartigen Lieferaktion.

Freitag, 16.04.2021, 15:42 Uhr

von Klas Libuda  •  0 Kommentare

Im Auftrag der internationalen Initiative COVAX organisiert UNICEF die Beschaffung und Lieferung von Corona-Impfstoffen, unter anderem für die 92 ärmsten Länder. Zwei Milliarden Impfdosen sollen in diesem Jahr ausgeliefert werden. UNICEF-Logistiker Mounir Bouazar ist dafür verantwortlich, dass die Impfstoffe dorthin gelangen, wo sie gebraucht werden.

Wie lange arbeiten Sie schon für UNICEF und was sind Ihre Aufgaben?

Bouazar: Ich arbeite seit sieben Jahren in der Logistik-Abteilung von UNICEF. Zurzeit ist es mein Job, die Lieferung von Corona-Impfstoffen und wichtiger Impfausrüstung sicherzustellen – von den Herstellern oder unseren Warenlagern in Kopenhagen, Dubai, Panama City und Shanghai bis in die Zielländer, ganz gleich ob zu Wasser, zu Lande oder in der Luft. 

Corona-Impfstoff: UNICEF-Logistiker Mounir Bouazar organisiert Impfstoff-Lieferungen

Es ist vermutlich die komplexeste logistische Herausforderung aller Zeiten.

Mounir Bouazar, Logistik-Experte bei UNICEF

Ich hatte auch die Ehre, die Lieferung von Corona-Impfstoffen und Spritzen nach Ghana zu organisieren. Ghana war das erste Land, das im Rahmen der COVAX-Initiative Corona-Impfstoffe erhalten hat. Die Koordination der Lieferung war eine große Herausforderung: Die Impfdosen lagen in Mumbai bereit, die Spritzen in unserem Lager in Dubai. Beides sollte innerhalb von zwei bis drei Tagen nach Ghana gelangen…

… und das in einer Zeit, in der viele Flugzeuge wegen der Pandemie am Boden bleiben.

Bouazar: Am Ende haben wir einen Flieger organisiert, der aus Shanghai kommend zunächst nach Mumbai und weiter nach Dubai geflogen ist. Impfstoff und Spritzen wurden anschließend gemeinsam nach Ghana gebracht.

Was sind die größten Herausforderungen, um den Auftrag der COVAX-Initiative zu erfüllen?

Bouazar: Zum einen sind wir zurzeit noch mit großen Lieferengpässen konfrontiert. Zum anderen beschafft UNICEF Impfstoffe, Spritzen und andere Ausrüstung für mehr als 100 Länder – das ist eine große Aufgabe. Zumal sich aufgrund der Pandemie die Kapazitäten für Luftfracht verringert haben. Hinzukommt, dass die Kühlkette während des Transports der Impfdosen niemals unterbrochen werden darf. Es gibt strenge Vorschriften dafür, in welcher Zeit und bei welchen Temperaturen die Impfdosen transportiert werden müssen.

Corona-Impfallianz: UNICEF hilft und organisiert den Transport von Impfstoffen. Jetzt spenden!

Ein UNICEF-Mitarbeiter nimmt am Flughafen von Accra in Ghana Corona-Impfstoffe entgegen. Mit 600.000 Impfdosen, die Ende Februar 2021 in Ghana eintrafen, begann die globale Lieferungsaktion.

© UNICEF/UN0421459/Kokoroko/COVAX

Was unterscheidet COVAX von anderen Aufgaben, vor die Sie bei UNICEF gestellt wurden?

Bouazar: Obwohl wir viel Erfahrung damit haben, bei Konflikten oder Naturkatastrophen Nothilfe zu leisten, ist der Umfang dieser Aufgabe einmalig. Wir haben es mit einer globalen Lieferkette zu tun, die abgestimmt werden muss, mit Herstellern aus Indien, Europa und sicher bald schon aus vielen weiteren Weltregionen. Gemessen an den Anforderungen an die Kühlkette, an den vielen Einschränkungen in der Coronakrise und vor allem an der Tragweite, ist es vermutlich die komplexeste logistische Herausforderung aller Zeiten. 

Stellen wir uns die Zukunft vor: Wie würden Sie Kindern in 20 Jahren von COVAX erzählen?

Bouazar: Wir haben erlebt, dass Unternehmen und Organisationen wie nie zuvor Hand in Hand gearbeitet und ihre Hilfe angeboten haben, sei es in Form von Spenden, Dienstleistungen oder durch ihre Mitarbeiter, die uns unterstützen. Als wir zum Beispiel die „Humanitarian Airfreight Initiative“ ins Leben gerufen haben, ein Bündnis, um den Transport von Impfstoffen und anderen Hilfsgütern sicherzustellen, boten sofort mehr als 20 Fluggesellschaften ihre Unterstützung an. Wir sehen den großen Eifer vieler Partner, die bereit sind, auf dasselbe große Ziel hinzuarbeiten: Covid-19-Impfstoffe für die Welt verfügbar zu machen. Es ist wunderbar und ein echtes Privileg, Teil dieses historischen Moments zu sein.

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Dieser Blogbeitrag erschien zuerst auf der internationalen UNICEF-Website. Wir haben ihn für Sie übersetzt.

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