REISEBERICHT MOSAMBIK: "WIR KÖNNEN VIEL BEWEGEN"
Freitag, 6. Dezember 2019, 10:01 Uhr
von Hardy Krüger Jr. | 0 Kommentare

UNICEF-PATE HARDY KRÜGER JR. UNTERWEGS FÜR UNICEF

Schon seit dem Jahr 2000 engagiert sich der Schauspieler Hardy Krüger Jr. mit sehr viel Herzblut ehrenamtlich für UNICEF. Mehrfach reiste er in Projektländer um sich vor Ort anzusehen, wie es den Kindern dort geht und wie UNICEF ihnen hilft. Im November besuchte er gemeinsam mit seiner Frau Alice UNICEF-Projekte in Mosambik. Nachdem im Frühjahr gleich zwei Zyklone das Land verwüstet hatten, wollte er sich anschauen, wie die Situation jetzt im Land ist: Was ist schon erreicht worden?  Und was ist noch zu tun?

Wir veröffentlichen hier einige Auszüge aus Hardy Krüger jr.'s privatem Blog, in dem er erzählt, was er in Mosambik erlebt und gesehen hat.

Tagebuch einer Reise

12. November 

Die Koffer sind gepackt. Wir machen uns auf den Weg nach Afrika. In den letzten Tagen ist Alice und mir viel durch den Kopf gegangen. Als UNICEF-Pate habe ich schon viele Länder bereist und Dinge gesehen, die sich viele von uns gar nicht vorstellen können und wollen. Ich wünschte mir, dass jeder diese Bilder, Erlebnisse und Begegnungen mit mir teilen würde, um zu begreifen, wie gut wir es haben und dass unsere Probleme selbstgemacht sind.

Die Reise wird noch viele Stunden dauern, bis wir in Mosambik ankommen. Unser Team ist schon vor Ort. Die Zahlen und Berichte von anderen UNICEF-Kollegen vor Ort sind beunruhigend. Mir ist bewusst, dass uns das emotional sehr mitnehmen wird, doch wir können viel bewegen.

Mosambik: Hardy Krüger mit seinem Team

Hardy Krüger jr. (vorne links) und das Team um UNICEF-Mitarbeiter Daniel Timme (vorne Mitte) zu Beginn der Reise nach Mosambik. 
© UNICEF/UNI234946/Krüger

13. November: Ankunft in Beira

Unsere Ankunft in der Hauptstadt Beira ist pünktlich. Der kleine Flughafen kommt mir eher vor wie eine Bushaltestation. Wir verlassen das Flugzeug und gehen die paar Meter zum Terminal zu Fuß. Bevor es zur Pass-/Visumkontrolle geht, wird anhand eines Fiebermessgerätes gecheckt, ob wir irgendwelche Ebola-Symptome aufweisen – ein übliches Prozedere in Anbetracht des aktuellen Ebola-Ausbruchs im Kongo. Mit unseren Koffern und dem Kameramaterial verlassen wir den Flughafen. Daniel Timme erwartet uns schon – einer der UNICEF-Mitarbeiter, der seit dem Zyklon in Beira den Einsatz in Mosambik koordiniert.

Mosambik ist eines der ärmsten Länder der Welt, erlebte vor den Zyklonen „Idai“ und „Kenneth“ zuletzt aber einen leichten Aufschwung. Sie haben Krankenhäuser, Schulen, Wasser, und die Landwirtschaft funktionierte auch. Auf dem Weg vom Flughafen nach Beira fahren wir auf einer zweispurigen Autobahn. Vorbei an vielen Blechhütten und zerstörten Häusern. Immer wieder sehen wir unfertige Bauprojekte. Daniel erklärt mir, dass Mosambik vor der Naturkatastrophe im Begriff war, sich wirtschaftlich zu entwickeln. Viele Länder haben in das Land investiert. Es sah so aus, als hätte das Land eine bessere Zukunft vor sich. Rohstoffe hat das Land genug. Doch Idai und Kenneth haben das Land wieder zurückgeworfen. 

Mosambik muss wieder auf die Beine kommen. Das Land kann das aber nicht aus eigenen Mitteln tun. Dafür ist Mosambik zu sehr geschwächt. Die Versorgung von Wasser, Strom und vor allem die medizinische Versorgung war nach dem Zyklon komplett zusammengebrochen. Ohne die Hilfsorganisationen wie UNICEF wäre es unmöglich gewesen, die Kinder im Land vor Cholera und anderen Infektionskrankheiten und vor dem Hunger zu schützen.

Mosambik: Hardy Krüger vor dem UNICEF-Teamauto.

UNICEF-Pate Hardy Krüger jr. ist schon mehrfach mit UNICEF gereist, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. Dieses Mal ging es nach Mosambik.
© UNICEF/UNI234945/Krüger

Ich habe noch die Bilder im Kopf, die kurz nach der Katastrophe durch die Medien gegangen sind. Die Menschen, die sich vor den Fluten auf Häuser und Bäumen gerettet hatten. Tagelang haben sie auf Hilfe gewartet. Während ich an diese Bilder denke, stelle ich mir die Frage, warum es eigentlich so oft die Ärmsten der Armen treffen muss. Philippinen, Afrika oder Thailand. Erdbeben, Tsunamis, Zyklone, Dürren, Hungersnöte und Krankheiten. Mir fällt das schwer zu verstehen.

Nach einem kurzen „Check in“ im Hotel geht es schon wieder los. Ich möchte keine Zeit verlieren und so viel sehen, wie es die kurze Zeit zulässt. Unsere erste Fahrt führt uns durch Beira. Einige Häuser sind stark beschädigt, stehen leer. Wir fahren an der „Strandpromenade“ entlang. Die meisten Bars und Strandhäuser sind zerstört.  Die Wucht der Zyklone ist sogar nach sieben Monaten noch gut zu erkennen. Daniel erklärt mir, dass Zyklone in dieser Gegend nicht ungewöhnlich sind. Allerdings hat es noch nie zwei Zyklone hintereinander gegeben. Auch die zerstörerische Kraft hat es in dieser Form hier noch nie gegeben.

Zurück im Hotel gibt es ein Meeting mit dem Team. Ich bin sehr glücklich über das Team. Eine tolle Truppe, die alle sehr motiviert sind. Ich freue mich auf den morgigen Tag.

14. November

Früh geht es für uns schon los. Schnell noch alle Kameras gecheckt und den Rest des Equipments verstaut. Unser Plan für heute ist, zunächst ein Krankenhaus am Rande von Beira zu besuchen. Danach geht es in ein Camp ins Landesinnere. Hier wurden viele Familien umgesiedelt. Man hat ihnen Land zur Verfügung gestellt und brachte sie aus dem Krisengebiet in Sicherheit. Ist das ein neuer Anfang für die Menschen, die alles verloren haben?

Wir fahren durch das Landesinnere. Das Bild ist unverändert: Trockenes Land, zerstörte Häuser und Bretterbuden. Ein Land, das sich wieder auf die Beine stellt – mit wenig Mitteln und viel Kreativität. Doch ohne die Hilfsorganisationen wäre das nicht möglich.

Mosambik-Reise mit Hardy Krüger jr.: Müll in Beira

Auch Monate nach dem Zyklon Idai ist in der Stadt Beira mancherorts noch Chaos. 
© UNICEF/UNI234950/Krüger

Ankunft  im Krankenhaus

Eine kleine Halle, überfüllt mit Menschen. Mütter und ihre Kinder. Wer weiß, wie lange sie hier warten müssen. Es ist am Morgen schon sehr heiß. Das Gebäude hat keine Klimaanlage. Unter den vielen Müttern und schreienden Kindern ein paar wenige Krankenschwestern. Sie untersuchen die Kinder auf Infektionen und Unterernährung. Die Kinder werden gemessen und gewogen.

Kinder, die schon in einem kritischen Bereich unterernährt sind, sind oft zu schwach, um Nahrung aufzunehmen.  Sie werden sofort eingewiesen und im Krankenhaus mit einer Aufbaumilch versorgt, bis sie wieder in der Lage sind, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Sobald sie wieder zu Kräften gekommen sind, bekommen sie eine Erdnusspaste. Eine Packung kostet 30 Cent. Drei Päckchen braucht ein Kind am Tag!

Wir haben die Möglichkeit, bei der Versorgung der akuten Fälle von Unterernährung dabei zu sein. Isabella, eine leitende Ärztin aus Brasilien, erklärt uns, dass viele Kinder immer noch an Unterernährung sterben. Jeden Tag. Viele emotionale Momente haben wir erlebt, Alice und ich. Momente die uns sehr nachdenklich stimmen.

Weiterfahrt ins Mandruzi-Camp

Das Auffanglager ist für viele hier ein neuer Anfang. Ein Hoffnungsschimmer nach den schrecklichen Erlebnissen der letzten Monate. Nach einer totalen Zerstörung durch die Zyklone haben viele dieser Menschen hier alles verloren. Nicht nur ihr Zuhause, sondern oft auch Brüder, Schwestern, Väter oder Mütter. Wie geht es jetzt weiter? 

UNICEF hat hier ein Camp aufgebaut: Es gibt eine Krankenstation, ärztliche Betreuung, eine Schule, einen Kindergarten. Die Menschen leben in Zelten und kleinen Hütten. Einige von ihnen verkaufen Gemüse und Früchte, die sie auf kleinen Feldern anbauen. Es reicht kaum für sie selbst.

Mosambik: Ein Kind steht an ein Banner gelehnt.

Ein Junge im Mandruzi-Camp. Hier leben Familien, die durch den Zyklon ihr Zuhause verloren haben.
© UNICEF/UNI234949/Krüger

Viele Kinder, die wir hier kennen lernen, sind alleine. Ihre Eltern und Verwandten sind tot. Diese Waisenkinder wachsen nun in einer Gemeinschaft auf, die ein tragisches Schicksal zusammengebracht hat. Jeder kümmert sich liebevoll um den anderen.

Alice und ich sind sehr beeindruckt von den Mitarbeitern und Helfern. Sie leisten Großartiges. Für die wenigen Mittel, die ihnen zur Verfügung stehen, retten sie Kinderleben und geben den Menschen hier wieder Hoffnung.

Besuch einer zerstörten Schule in Beira

Mitten in Beira wurde eine Schule vom Zyklon zerstört. Nur ein paar Wände stehen noch. Ich komme mir vor wie auf einem Filmset. Surreal! Auf dem Schulgelände, zwischen Ruinen, umgeben von hohen Mauern, stehen große weiße Zelte – provisorische Schulen von UNICEF. Hier werden die Kinder der Stadt unterrichtet. 

Mosambik: Hardy Krüger in einer Notschule in Beira.

Die Schulkinder freuen sich über den Besuch aus Deutschland.
© UNICEF/UNI234941/Krüger

Wir haben die Gelegenheit, die Schüler im Unterricht zu besuchen. Es ist erstaunlich, mit was für einer Freude und Begeisterung die Kinder in die Schule gehen. Sie haben Spaß und lachen viel über diesen komischen Fremden, der aus Deutschland kommt und als Schauspieler arbeitet.

Abschied aus Mosambik

Wir sind am Ende unserer UNICEF-Reise. Lange sprechen Alice und ich über unsere Eindrücke und Gedanken. Eine Reise, die Spuren hinterlassen wird. Eine Reise, die uns motiviert, noch stärker hinter unseren Überzeugungen zu stehen. Wir müssen mehr tun! Da sind wir uns beide einig.

Der vollständige Blogbeitrag zur Mosambik-Reise von Hardy Krüger Jr. erschien in seinem privaten Blog. Wir haben Ausschnitte daraus für den UNICEF-Blog verwendet.

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