Statement

Gewalt und Konflikte im Nahen Osten und Nordafrika: 2026 bringt keine Entlastung für Kinder

Statement von Edouard Beigbeder, UNICEF-Regionaldirektor für den Nahen Osten und Nordafrika

Amman/Köln

„Das neue Jahr hat gerade erst begonnen – und bereits jetzt sind die Folgen von Konflikten und Gewalt für Kinder in der Region verheerend.

Kinder wurden getötet und verletzt, zur Flucht gezwungen, verhaftet und inhaftiert. Vielen weiteren wird der Zugang zu Bildung und anderen grundlegenden Leistungen verwehrt. Die Konflikte und Krisen im Nahen Osten und in Nordafrika sind von anhaltender Instabilität geprägt – mit häufig dauerhaften, manchmal irreparablen Folgen.

In Syrien haben erneute Gewaltausbrüche und Kämpfe im Nordosten des Landes fast 200.000 Menschen in die Flucht getrieben – etwa die Hälfte von ihnen sind Kinder. Die Grundversorgung ist vielerorts unterbrochen. In Ain al-Arab/Kobani sind Berichten zufolge mindestens fünf Kinder gestorben – infolge fehlender Gesundheitsversorgung und unzureichender Winterhilfe.

Im Sudan wurden im Januar 2026 mindestens 20 Kinder getötet, die meisten in den Bundesstaaten Kordofan und Darfur. Millionen Kinder im Sudan benötigen lebensrettende Hilfe und Schutz. Die Grundversorgung muss wieder hergestellt werden. In Al Fasher (Nord-Darfur) und Kadugli (Kordofan) wurde bereits eine Hungersnot bestätigt. Fast 20 weitere Gebiete sind gefährdet, weil der Konflikt die Lieferung lebenswichtiger humanitärer Hilfsgüter erschwert.

Im Iran haben die jüngsten Ereignisse verheerende Folgen für Kinder und Jugendliche. Berichten zufolge wurden mindestens 144 Kinder getötet; viele weitere wurden verletzt oder inhaftiert. UNICEF setzt sich gegenüber den iranischen Behörden nachdrücklich dafür ein, Kinder vor Gewalt zu schützen – und jegliche Festnahmen und Inhaftierungen von Kindern zu beenden. Auch die Angst vor einer weiteren Eskalation belastet Kinder und ihre Eltern schwer. Wir rufen alle Akteure eindringlich dazu auf, zur Beruhigung der Situation beizutragen und Frieden an erste Stelle zu setzen.

Im Gazastreifen hat die fragile Waffenruhe die Lage zwar etwas verbessert, doch für viele Kinder bleibt sie äußerst prekär und lebensgefährlich. Kinder leiden weiterhin unter Luftangriffen und unter den Folgen eines zerstörten Gesundheits-, Wasser- und Bildungssystems. Seit Jahresbeginn wurden laut Berichten 37 Kinder getötet. Die Waffenruhe muss anhalten und ihr Versprechen einlösen: die Not der Kinder in Gaza zu beenden.

Im Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem, beeinträchtigen zunehmende Gewalt und Auseinandersetzungen weiterhin die Sicherheit von Kindern und versetzen Familien in einen Zustand ständiger Angst und Unsicherheit. Im Januar wurden im Westjordanland zwei Kinder getötet und 25 verletzt.

Auch in anderen Teilen des Nahen Ostens und Nordafrikas steigen die humanitären Bedarfe weiter. Anhaltende Konflikte und fragile Krisen verschärfen die Situation vieler Familien. Im Jemen sind Kinder gleich mehreren Krisen ausgesetzt – anhaltenden Kämpfen, wirtschaftlicher Unsicherheit und weit verbreiteter Mangelernährung. Im Libanon versuchen Familien, sich von den jüngsten Kriegshandlungen zu erholen, während die Sorge vor erneuten Angriffen bleibt.

Gewalt – einschließlich schwerer Kinderrechtsverletzungen wie Tötung und Verstümmelung – ist nicht hinnehmbar. Kinder müssen jederzeit geschützt werden. Doch schon der erste Monat des neuen Jahres hat im Nahen Osten und in Nordafrika einen verheerenden Preis gefordert: das Leben junger Menschen.

UNICEF fordert alle Regierungen und Konfliktparteien eindringlich auf, ihren Verpflichtungen nach dem humanitären Völkerrecht und den Menschenrechten nachzukommen und unverzüglich zu handeln. Gewalt gegen Kinder muss enden – ebenso Tötungen und Verletzungen, Verhaftungen und Inhaftierungen sowie die Traumatisierung von Kindern. Was Kinder am dringendsten brauchen, ist Frieden.“

Christine Kahmann

Christine KahmannSprecherin (Berlin) - Nothilfe & Internationale Themen

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