Statement

Hoffnung wiederaufbauen: UNICEF startet „Back to Learning“-Programm für Kinder in Gaza

Genf/Köln

“Seit heute weitet UNICEF seine Lernangebote in Gaza im Rahmen einer der weltweit größten Lerninitiativen in Krisengebieten aus. Das Programm ‚Back to Learning‘ soll 336.000 Kinder erreichen.

Dies ist nicht etwas ‚Wünschenswertes‘ – es ist eine dringende Notwendigkeit.

Fast zweieinhalb Jahre anhaltende Angriffe auf das Schulwesen in Gaza haben eine ganze Generation in Gefahr gebracht. Aktuell haben 60 Prozent der Kinder im schulpflichtigen Alter keinen Zugang zu Präsenzunterricht. Mehr als 90 Prozent der Schulen wurden beschädigt oder zerstört. Und mehr als 335.000 Kindern unter fünf Jahren drohen schwere Entwicklungsverzögerungen, da die frühkindliche Betreuung zusammengebrochen ist.

Vor dem Krieg hatten die Menschen im Gazastreifen eine der weltweit höchsten Alphabetisierungsraten. Bildung war über Generationen hinweg eine Quelle des Stolzes, der Widerstandsfähigkeit und des Fortschritts. Heute ist dieses Erbe bedroht: Schulen, Universitäten und Bibliotheken wurden zerstört, und jahrelange Fortschritte zunichtegemacht.

Dabei geht es nicht nur um physische Zerstörung – es geht um einen Angriff auf die Zukunft selbst. Jedes Kind, dem das Lernen verwehrt wird, ist ein zukünftiger Ingenieur, eine Ärztin, ein Lehrer oder eine Denkerin weniger. Und ein Kind mehr, dem die Chance verwehrt wurde, seine Welt zu gestalten. Nach diesem brutalen Krieg muss der Wiederaufbau von Schulen, Bildungseinrichtungen und Universitäten in Gaza oberste Priorität haben. Bildung wiederherzustellen eröffnet neue Perspektiven.

Heute startet UNICEF gemeinsam mit Partnern und dem palästinensischen Bildungsministerium die Initiative „Back to Learning“, um Hunderttausenden Kindern wieder Zugang zu Lernangeboten zu ermöglichen. Unser Ansatz ist dabei klar:

  • Wir weiten unser Netzwerk von informellen Lernzentren aus.

  • Wir verbinden Bildung mit psychologischer Betreuung und psychosozialer Unterstützung.

  • Und wir verankern starke Governance und Sorgfaltspflicht in einer der komplexesten Krisenlagen der Welt.

Wir arbeiten eng mit dem Bildungsministerium der Palästinensischen Autonomiebehörde, UNRWA und weiteren Partnern zusammen, um sicherzustellen, dass alle Kinder so schnell wie möglich in ein sicheres Lernumfeld zurückkehren können. UNICEF unterstützt aktuell mehr als 100 Lernzentren im Gazastreifen. Dort lernen Kinder lesen, schreiben und rechnen – aber ebenso wichtig ist, dass sie dort spielen, durchatmen und wieder Kind sein können, dank vielfältiger Aktivitäten und psychologischer Betreuung.

Manche mögen fragen: Warum konzentrieren wir uns auf Bildung, während Familien noch immer um Nahrung, Wasser und um eine Unterkunft ringen? Die Antwort ist einfach: Es ist kein Entweder-Oder. UNICEF hat beispielsweise eine Million Thermodecken und Hunderttausende Winterkleidungssets bereitgestellt sowie mehr als 70 Ernährungseinrichtungen im gesamten Gazastreifen eröffnet. Zugleich bleibt die Wiederinbetriebnahme von Wasser- und Abwasseraufbereitungsanlagen eine unserer wichtigsten Maßnahmen.

Und zweitens: Lernen in Gaza ist lebensrettend. Die Zentren bieten sichere Orte in einem oft gefährlichen und schwer zugänglichen Gebiet. Sie vermitteln lebenswichtige Informationen, bringen Struktur in den Alltag der Kinder und vernetzen sie mit Gesundheits-, Ernährungs- und Schutzdiensten. Die UNICEF-Lernzentren verfügen zudem über angemessene Toiletten und Waschgelegenheiten – etwas, das vielen Kindern in Notunterkünften fehlt.

Eines ist sicher: Die Nachfrage ist enorm. Jedes bestehende Lernzentrum hat lange Wartelisten. Gemeinden richten provisorische Klassenzimmer in Zelten und beschädigten Gebäuden ein. Eltern bitten inständig um Plätze – und die Kinder kommen sowieso.

Während weltweit darüber diskutiert wird, wie Gaza wiederaufgebaut werden kann, betont UNICEF: Kinder müssen im Mittelpunkt eines jeden Plans stehen. Fast die Hälfte der Bevölkerung Gazas ist unter 18 Jahre alt. Die Aufnahme eines Kindes in ein UNICEF-Lernzentrum kostet rund 280 US-Dollar pro Jahr, einschließlich psychologischer Betreuung. Um bis Ende des Jahres 336.000 Kinder im schulpflichtigen Alter zu erreichen, benötigt UNICEF dringend 86 Millionen US-Dollar (etwa so viel, wie weltweit in ein bis zwei Stunden für Kaffee ausgegeben wird).

Gaza hat eine der stärksten Bildungstraditionen der Welt. Die Ingenieure, die die Wasserversorgung wieder aufbauen werden, die Ärztinnen, die Leben retten, die Lehrer, die die nächste Generation unterrichten – sie alle stammen aus einer stolzen Kultur des Lernens. Bei ‚Back to Learning‘ geht es also nicht nur ums Überleben. Es geht darum, den Motor für die Zukunft Gazas zu schützen. Das Programm ist eine Brücke – kein Ersatz – zum vollständigen Wiederaufbau der Schulen, damit jedes Kind wieder eine formale Bildung und eine echte Zukunft im Klassenzimmer erhält. Im Moment sorgt ‚Back to Learning‘ dafür, diese Flamme aufrecht zu halten – den Kindern Routine, Würde und Orientierung zurückzugeben. So wird Hoffnung lebendig. So wird eine Zukunft wiederaufgebaut.“

Service für die Redaktionen

Gerne stehen wir für Interviews zur Verfügung oder vermitteln Gespräche mit James Elder, der gerade von seinem siebten Besuch im Gazastreifen innerhalb der vergangenen zwei Jahre zurückgekehrt ist.

Bild- und Videomaterialien stehen hier für die Berichterstattung zur Verfügung.

UNICEF leistet humanitäre Hilfe in Gaza. Unterstützen Sie den Einsatz für Kinder mit Ihrer Spende für Gaza.

Christine Kahmann

Christine KahmannSprecherin (Berlin) - Nothilfe & Internationale Themen

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