Pressemitteilung

NEUER REPORT „HARROWING JOURNEYS“ VON UNICEF UND IOM

12. September 2017

Drei Viertel der jungen Flüchtlinge und Migranten auf den Mittelmeer-Routen werden Opfer von Menschenrechtsverletzungen

Jugendliche und junge Erwachsene aus Entwicklungs- und Krisenländern sind bei dem Versuch, nach Europa zu gelangen, schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Einem neuen Report von UNICEF und IOM zufolge berichten 77 Prozent der unter 25-Jährigen, dass sie auf der Zentralen Flucht- und Migrationsroute über das Mittelmeer misshandelt, ausgebeutet oder sogar Opfer von Menschenhandel wurden.

UNICEF-Report Harrowing Journeys: Drei Minderjährige Flüchtlinge lehnen an einer Mauer

© UNICEF/UN020016/Gilbertson VII Photo

Der Report „Harrowing Journeys“ („Qualvolle Wege“) dokumentiert, dass die sogenannte Zentrale Mittelmeer-Route über Libyen gefährlicher ist als die Östliche Mittelmeer-Route über die Türkei. Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren sind insgesamt in deutlich größerer Gefahr, Opfer von Ausbeutung und Menschenhandel zu werden, als ältere Erwachsene. Aimamo, ein 16-jähriger unbegleiteter Jugendlicher aus Gambia, wurde nach seiner Ankunft in Italien interviewt und berichtete von monatelanger Zwangsarbeit in Libyen: „Wenn du versuchst, wegzulaufen, erschießen sie dich. Wenn du nicht arbeitest, schlagen sie dich. Wir wurden behandelt wie Sklaven. Am Ende des Tages wurden wir immer eingesperrt.“

Für den Report „Harrowing Journeys“ wurden Interviews ausgewertet, die die Internationale Organisation für Migration (IOM) zwischen Januar 2016 und Mai 2017 geführt hat. Befragt wurden rund 22.000 Geflüchtete und Migranten, darunter rund 11.000 Jugendliche und junge Erwachsene von 14 bis 24 Jahren.

Cover UNICEF-Report "Harrowing Jouneys"

» Download: UNICEF-Report "Harrowing Journeys"

„Die harte Wahrheit ist, dass es inzwischen zur Normalität für junge Menschen auf der Mittelmeer-Route gehört, misshandelt, ausgebeutet, geschlagen oder diskriminiert zu werden“, sagte Afshan Khan, UNICEF-Regionaldirektorin für Europa. „Die Regierungschefs der EU sollten dauerhafte Lösungen etablieren – einschließlich sicherer und legaler Zuwanderungsmöglichkeiten, der Einrichtung von Schutzkorridoren und Alternativen zur Haft von minderjährigen Flüchtlingen und Migranten.“

Neben dem Alter wirken sich weitere Faktoren wie das Herkunftsland, die Route, Reisedauer und der Bildungsgrad auf die Sicherheit aus. Besonders gefährdet, Opfer von Ausbeutung oder Menschenhandel zu werden, sind junge Menschen aus Subsahara-Afrika: Auf der östlichen Mittelmeer-Route berichten davon 65 Prozent im Vergleich zu 15 Prozent der Migranten aus anderen Regionen; auf der zentralen Mittelmeer-Route sind es 83 Prozent junge Afrikaner verglichen mit 56 Prozent mit anderer Herkunft. In einer Gruppe unterwegs zu sein und ein höherer Bildungsgrad bieten offensichtlich ein gewisses Maß an Schutz, während mit längerer Dauer der Reise die Gefahr steigt, Opfer von Ausbeutung und Menschenhandel zu werden. 

UNICEF fordert die Regierungen dazu auf, junge Flüchtlinge und Migranten besser zu schützen. Hierzu wurde ein Sechs-Punkte-Plan entwickelt. 

Service für Redaktionen:

Ninja Charbonneau

NINJA CHARBONNEAU

Pressesprecherin
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