KINDERARBEIT: DIE SIEBEN WICHTIGSTEN FRAGEN UND ANTWORTEN

9. Juni 2016 von Ninja Charbonneau 16 Kommentare

Am 12. Juni ist Welttag gegen Kinderarbeit. Hier finden Sie die wichtigsten Infos im Überblick – und so viel vorweg: Wenn Ihre Kinder nicht beim Aufräumen oder Rasen mähen helfen wollen und sich dabei auf das Verbot von Kinderarbeit berufen, dürfen Sie getrost widersprechen.

Kinderarbeit Mali

Aisha, 6, arbeitet auf dem Fischmarkt von Gao in Mali.
© UNICEF/NYHQ2013-0163/Bindra

Was ist Kinderarbeit?

Denn man muss unterscheiden zwischen normalen Aufgaben zum Beispiel im Haushalt, zwischen legaler Beschäftigung von Jugendlichen und zwischen Ausbeutung von Kindern. Für legale Beschäftigung haben die meisten Staaten per Gesetz ein Mindestalter zwischen 14 und 16 Jahren festgelegt. In Deutschland ist das Mindestalter 15 Jahre mit einigen Ausnahmen für leichte Tätigkeiten – Zeitungsaustragen ist zum Beispiel auch für jüngere Jugendliche erlaubt. Die Einzelheiten werden durch das Jugendarbeitsschutzgesetz geregelt.

Kinderarbeit sind laut Definition Formen der Arbeit, für die Kinder zu jung sind – weil sie gefährlich oder ausbeuterisch sind, die körperliche oder seelische Entwicklung schädigen oder die Kinder vom Schulbesuch abhalten. Sie beraubt die Mädchen und Jungen ihrer Kindheit und ihrer Entwicklungsmöglichkeiten und verstößt gegen die weltweit gültigen Kinderrechte.

Zu den „schlimmsten Formen der Kinderarbeit“ zählen die Vereinten Nationen (ILO-Konvention Nr. 182 von 1999): Sklaverei und sklavenähnliche Abhängigkeiten, Zwangsarbeit einschließlich des Einsatzes von Kindersoldaten, Kinderprostitution und Kinderpornographie, kriminelle Tätigkeiten wie den Missbrauch von Kindern als Drogenkuriere sowie andere Formen der Arbeit, die die Sicherheit und Gesundheit der Kinder gefährden können. Fast alle Staaten der Welt haben sich dazu verpflichtet, jegliche Form der Kinderarbeit, angefangen mit der gerade beschriebenen schlimmsten Form, bis zum Jahr 2025 vollständig abzuschaffen.

Kinderarbeit Burkina Faso

Boureima, 15, arbeitet seit zwei Jahren in einer Mine in Burkina Faso.
© UNICEF/ Nesbitt

Wie viele Kinderarbeiter gibt es und was tun sie?

168 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 17 Jahren – elf Prozent – sind nach Schätzung von UNICEF, der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Weltbank Kinderarbeiter – das heißt, sie müssen unter Bedingungen arbeiten, die sie ihrer elementaren Rechte und Chancen berauben. 120 Millionen von ihnen sind jünger als 15 Jahre. Insgesamt arbeiten mehr Jungen als Mädchen. Mehr als die Hälfte der Kinderarbeiter – 85 Millionen - leiden unter Arbeitsbedingungen, die gefährlich oder ausbeuterisch sind – zum Beispiel in Goldminen in Burkina Faso, als Textilarbeiter in Bangladesch, auf Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste oder auf Farmen in Lateinamerika.

Kinderarbeit Ecuador

Santiago, 10, erntet Pfeffer auf dem Feld seiner Familie in Ecuador.
© UNICEF/NYHQ2013-0430/Pirozzi

Die meisten Kinder arbeiten in der Landwirtschaft (98 Millionen) und als Hilfskräfte im Dienstleistungsbereich (54 Millionen). Im produzierenden Gewerbe arbeiten schätzungsweise zwölf Millionen Kinder und Jugendliche – meist im so genannten informellen Sektor.

Weitgehend im Verborgenen arbeiten geschätzte 15 Millionen Kinder und Jugendliche in privaten Haushalten – der Großteil von ihnen Mädchen. Viele von ihnen haben überlange Arbeitszeiten. Sie sind stark von ihren Arbeitgebern abhängig und kaum  geschützt vor Gewalt oder sexuellen Übergriffen.

Kinderarbeit Mauretanien

Fatimatou, 12, arbeitete als Dienstmädchen in Mauretanien. Jetzt näht sie Spitzen an Baumwolltücher, die sie auf dem Markt verkauft und putzt bei anderen Leuten, damit ihre Familie über die Runden kommt.
© UNICEF/UKLA2012-00515/Kurzen

Helfen Sie mit beim Kampf gegen Kinderarbeit!

Kostenfreie Schulen mit guter Unterrichtsqualität, wirksame Gesetze gegen die Ausbeutung von Kindern und soziale Unterstützung für benachteiligte Familien – so setzt sich UNICEF im Kampf gegen Kinderarbeit ein. Sie können mithelfen!

Euro
Kinderarbeit

Welche Trends gibt es bei Kinderarbeit?

Die gute Nachricht ist: Immer weniger Kinder müssen arbeiten. Im Vergleich zu 2000 ist die Zahl der Kinderarbeiter um ein Drittel gesunken (von 246 Millionen auf 168 Millionen), diese Tendenz hat sich seit 2008 noch beschleunigt. Mädchen profitieren von dem positiven Trend eher als Jungen: 40 Prozent weniger Mädchen müssen heute arbeiten als 2000, im Vergleich zu einem 25-prozentigen Rückgang bei den Jungen. Besonders deutlich gesunken ist die Zahl der Kinderarbeiter in der Region Asien und Pazifik, aber auch im südlichen Afrika und Lateinamerika nimmt Kinderarbeit ab. In absoluten Zahlen leben die meisten Kinderarbeiter in Asien und Pazifik (78 Millionen), im Verhältnis müssen im südlichen Afrika mehr Mädchen und Jungen arbeiten: 21 Prozent, also etwa jedes fünfte Kind (59 Millionen).

Doch nicht überall geht es bergauf: UNICEF-Mitarbeiter im Nahen Osten beobachten mit Sorge, dass in Folge der Konflikte in Syrien und Irak sowohl die Zahl der Kinderehen als auch die Zahl der Kinderarbeiter unter den Flüchtlingen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Im jordanischen Za’atari Camp für syrische Flüchtlinge zum Beispiel sieht man viele Jungen, die mit ihren Schubkarren Gegenstände transportieren, Waren verkaufen oder in Restaurants arbeiten – viele von ihnen sind erst zehn Jahre alt.

Kinderarbeit syrische Flüchtlingskinder

Shindar, 13, ist mit seiner Familie aus Syrien in die irakischen Kurdengebiete geflohen und arbeitet von früh bis spät in einem Restaurant in Erbil.
© UNICEF/NYHQ2013-1452

Warum arbeiten Kinder – und warum lassen ihre Eltern das zu?

Damit sind wir bei den Ursachen für Kinderarbeit. Nummer eins: Armut, meist in Kombination mit anderen Faktoren. Konflikte und Naturkatastrophen verschärfen die wirtschaftliche Not, weil der Haupternährer tot oder von der Familie getrennt ist, weil Felder nicht bestellt werden können oder andere Einnahmequellen wegfallen. Auch Mädchen und Jungen, die durch HIV/Aids oder Ebola zu Waisen oder Halbwaisen gemacht wurden, sind besonders häufig von Kinderarbeit betroffen. Im östlichen und südlichen Afrika haben Wetterextreme wie Dürren im Wechsel mit schweren Regenfällen dazu geführt, dass Kinder die Schule abbrechen, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen.

Aus verschiedenen Gründen wollen oder müssen Kinder und Jugendliche also Geld verdienen oder ohne Bezahlung mithelfen, und häufig sehen ihre Familien auch nichts Falsches darin.

Zunächst einmal: Es muss auch nicht generell schlecht sein, wenn Mädchen und Jungen zum Beispiel bei der Ernte oder im Familienbetrieb mit anpacken und Erfahrungen sammeln – solange es sich in Grenzen hält und sie trotzdem zur Schule gehen können. Aber in Sudan zum Beispiel müssen einer aktuellen UNICEF-Studie zufolge zwölf Prozent aller Kinder arbeiten, und diese Mädchen und Jungen werden nur halb so oft eingeschult wie Gleichaltrige.

Insgesamt gehen fast 58 Millionen Kinder im Grundschulalter und 63 Millionen Jugendliche bis 15 Jahre nicht zur Schule. Außerdem müssen schätzungsweise 600 Millionen Schulkinder parallel arbeiten. Jedes vierte Kind bricht deshalb die Schule vorzeitig ab. Heranwachsende ohne Bildung und Schulabschluss wiederum haben schlechtere Chancen, jemals eine gut bezahlte Arbeit zu finden.

Anders sind die Fälle, in denen Kinder zur Arbeit gezwungen werden, zum Beispiel durch Schuld-Knechtschaften, als Opfer von Entführungen und Menschenhandel. Das sind ganz klar Verbrechen gegen Kinder.

Warum steigt die Zahl der Kinderarbeiter unter Flüchtlingen?

Heute sind weltweit rund 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Elend. Schätzungsweise die Hälfte der Flüchtlinge und Vertriebenen sind Kinder und Jugendliche.

Je länger die die Flucht dauert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie arbeiten müssen. Meist haben die Familien  ihren Besitz verloren, mussten alles zurücklassen. Wenn ihr Angespartes verbraucht ist, müssen sie nach Wegen suchen, um zu überleben. So leben heute zum Beispiel mehr und mehr syrische Flüchtlingsfamilien in Armut, auch wenn sie früher einmal wohlhabend waren. Viele syrische Flüchtlingskinder in den Flüchtlingscamps und Gastgemeinden in Jordanien, Libanon und in der Türkei arbeiten, damit ihre Familie sich mit dem Nötigsten versorgen kann.

Nach einer Umfrage arbeitet die Hälfte der befragten Flüchtlingskinder demnach mindestens sieben Stunden täglich. Ein Drittel arbeitet sieben Tage die Woche. Viele sind erst fünf oder sechs Jahre alt. Diese Kinder  laufen Gefahr, den Anschluss zu verlieren, und aufgrund ihrer schlechten Ausbildung in einen Kreislauf der Armut zu geraten. UNICEF organisiert deshalb Bildungsprogramme für Kinder im Krieg und auf der Flucht in Syrien und seinen Nachbarländern.

Kinderarbeit: Ahmed arbeitet in einer Recycling-Anlage

Ahmed (14) steht in der Recycling-Anlage im Industriegebiet der Stadt Nizip, in der er die letzten zehn Tage gearbeitet hat. Das wenige Geld, das er verdient, schickt er seiner Familie. Sie lebt in einem Flüchtlingslager in der türkischen Stadt.
© UNICEF/NYHQ2014-0161/Noorani

Sollte man Kinderarbeit generell verbieten?

Im Sommer 2014 sorgte ein neues Gesetz zu Kinderarbeit in Bolivien für weltweite Schlagzeilen und Diskussionen. Das Gesetz erlaubt in Ausnahmefällen schon Zehnjährigen zu arbeiten – und wurde unter anderem von arbeitenden Kindern selbst gefordert. Ein Skandal?

Grundsätzlich müssen wir feststellen, dass Kinderarbeit in vielen Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen eine Realität ist. In Bolivien haben viele Mädchen und Jungen gesagt, dass sie ihren Arbeitslohn zum Überleben brauchen. Befürworter des Gesetzes sind der Meinung, dass die Kinder sonst illegal arbeiten und dann viel mehr in Gefahr sind, ausgebeutet zu werden. Kritiker befürchten hingegen, dass der Kinderschutz durch das neue Gesetz aufgeweicht wird.

Kinderarbeit Bolivien

Roberto, 11, ist der Sohn von Minenarbeitern in Bolivien und geht in eine UNICEF-Schule auf dem Gelände der Minen. „Durch das Lernen baust du ein gutes Fundament für dein Leben“, steht auf der Schulmauer hinter ihm.
© UNICEF/NYHQ2014-0498/Markisz

Das Beispiel zeigt, dass es wie so häufig keine einfache Antwort gibt. Ich würde in drei Abstufungen antworten:

  1. Nicht alle Arbeit, die Kinder leisten, ist verwerflich. Sie kann unter Umständen sogar gut sein, um Erfahrungen zu sammeln und den Zusammenhalt in der Familie und Gemeinschaft zu stärken.
  2. Arbeit von Kindern darf nicht – so steht es in der UN-Kinderrechtskonvention – ausbeuterisch oder gefährlich sein, das Kind vom Schulbesuch abhalten oder die „physische, mentale, geistige, moralische oder soziale Entwicklung“ beeinträchtigen. Ausbeuterische Kinderarbeit muss beendet werden und dafür müssen Regierungen, gesellschaftliche Akteure, Organisationen und Partner mehr tun. Auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg ist.
  3. Kinderarbeit in der oben erwähnten „schlimmsten Form“ (also Sklaverei, Prostitution, der Einsatz von Kindersoldaten, gefährliche Arbeit in Steinbrüchen oder Minen) ist völlig unakzeptabel. Sie gehört abgeschafft. Sofort.
Kinderarbeit Indien

Mädchen in Uttar Pradesh, Indien.
© UNICEF India/Vishwanathan

Erfahrungen aus mehreren Ländern zeigen, dass es keine einfachen Lösungen gibt. Gesetze zum Schutz von Kindern sind wichtig, aber sie müssen auch konsequent umgesetzt und von Maßnahmen begleitet werden, die die tiefer liegenden Ursachen von Kinderarbeit bekämpfen. Kinderarbeit lässt sich nicht einfach verbieten – genauso wenig, wie man Armut verbieten kann. Sie lässt sich aber überwinden.

Welche Ansätze wirken gegen Kinderarbeit?

Um Kinderarbeit zu beenden, sind in erster Linie die jeweiligen Regierungen in der Pflicht. Dabei brauchen sie Unterstützung durch Bildungsinstitutionen, Gewerkschaften, Massenmedien, Hilfsorganisationen, Spender, und natürlich müssen auch Unternehmen ihren Teil dazu beitragen. Wirksame Gesetze gegen Kinderarbeit sind wichtig, reichen aber allein nicht aus. Auch die Ursachen wie Armut und fehlende Ausbildungs- und Jobmöglichkeiten müssen bekämpft werden. Der beste Schutz vor Kinderarbeit sind Investitionen in Bildung und der Zugang zu kostenfreien, kinderfreundlichen Schulen mit guter Unterrichtsqualität.

Unternehmen tragen eine große gesellschaftliche Verantwortung. Zusammen mit Save the Children und Global Compact hat UNICEF Grundsätze erarbeitet, wie Unternehmen Kinderrechte schützen und fördern können – unter anderem, indem sie dafür sorgen, dass in der gesamten Produktionskette keine Kinderarbeit in Anspruch genommen wird. Wir als Verbraucher können und sollten kritisch hinterfragen, unter welchen Bedingungen die Produkte, die wir kaufen, hergestellt wurden.

Kinderarbeit Indien

Vaishali, 14, musste die Schule verlassen und Geld verdienen, nachdem die Mutter ihren alkoholkranken Vater verlassen hatte. Jetzt geht sie mit Unterstützung von UNICEF und der IKEA Foundation im Dorf Jarang in Indien wieder in die Schule.
© UNICEF India /Singh

UNICEF macht weltweit auf die negativen Folgen von Kinderarbeit aufmerksam und unterstützt wirksame Strategien und Programme, zum Beispiel Lernzentren für arbeitende Kinder, alternative Verdienstmöglichkeiten für Familien oder auch finanzielle Unterstützung von armen Familien, damit sie ihre Kinder in die Schule schicken können. Einige Beispiele: In Nepal konnten über 9.000 weit weg von zu Hause arbeitende Kinder wieder mit ihren Familien vereint werden und zur Schule gehen oder eine Ausbildung erhalten. In Burkina Faso hat UNICEF seit 2009 zusammen mit der Regierung und Partnern über 21.000 Kinder aus  den Goldminen herausgeholt und durch Bildungsprogramme unterstützt. In Brasilien unterstützt UNICEF das Nationale Forum zur Prävention und Abschaffung von Kinderarbeit, das unter anderem Debatten im Parlament und auf lokaler und regionaler Ebene organisiert.

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KOMMENTARE

  • anonym
    29. August 2016 11:12 Uhr
    anel nessnaj

    guten tag damen und herren ich bedanke mich ganz herzlich vom herzen das sie so viele informationen über kinder arbeit zeigen hat mir viel bei dem referat geholfen ich bin ihnen und der seite zudem die leute sehr von herzen dankbar .
    : ) : ): )

  • anonym
    21. Juni 2016 17:07 Uhr
    Lienchen

    das waren ja tolle Informationen . ich mache eine freiw. hausaufgabe in geschichte und habe eine 1 dafür bekommen. das Thema ist echt interessant. die kinder tun mir voll leid

  • anonym
    08. Juni 2016 18:24 Uhr
    Maxim

    Sehr hilfreich und viel dazu gelernt

  • anonym
    23. Mai 2016 19:23 Uhr
    wanessa

    Der Text war mir hilfreich und informativ für meine Hausarbeit in Gemeinschaftskunde.

  • anonym
    06. März 2016 15:00 Uhr
    Llili

    Ich finde das sehr interresant das Thema...
    Ich habe da noch eine Frage und zwar "In welchen Ländern ist Kinderarbeit ein Problem???"

    danke schön

    LILLI

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