Ilirs Familie

ILIRS FAMILIE

Ilir, den wir am nächsten Tag treffen, hat vergleichsweises Glück gehabt, wenn man in dem Zusammenhang überhaupt davon sprechen kann. Er war erst sechs, als er mit seiner Familie vor drei Jahren abgeschoben wurde. Er ist in Deutschland geboren und ging in den Kindergarten. Im Kosovo konnte er dann fast ganz normal eingeschult werden. Ihm fehlten keine Schulzeugnisse aus Deutschland und, da seine Eltern auch vorher schon ab und zu Albanisch mit ihm gesprochen hatten, konnte er das Nötigste für die Schule schnell lernen.

Ilir wurde abgeschoben als er sechs war.

Ilir ist in Deutschland geboren. Er wurde abgeschoben als er sechs war.
© UNICEF/Dietz

Zerstörte Träume

Bei seinen Geschwistern ist das anders. Die Schwestern Liridona, 17, und Valentina, 15, gehen im Kosovo nicht mehr zur Schule. Sie sehen auch keinen Sinn darin. Wozu lernen, wenn es im Anschluss keine Ausbildung oder Beruf für mich geben wird. Der Bruder Elvir, 21, hat zwar einen Schulabschluss aus Deutschland, sieht aber beruflich keine Chance im Kosovo. Er jobbt tagesweise, wenn er etwas angeboten bekommt – im Sägewerk, auf einer Baustelle. Die Jobs sind oft gefährlich und immer schlecht bezahlt. Der Vater geht Plastikmüll sammeln und verdient damit im Schnitt weniger als drei Euro pro Tag. Seine Kinder nimmt er nicht mit. Er will nicht, dass sie diese würdelose Arbeit verrichten müssen.

„Eigentlich wollte ich früher immer Stewardess werden“ – die Welt sehen, dass scheint für Liridona jetzt allerdings absolut unerreichbar. Sie scheint noch nicht mal mehr davon zu träumen. Desillusioniert ist wohl das passendste Wort, was die Stimmungslage der Geschwister beschreibt.

Mit Ilir in der Schule

Klicken sie auf eines der folgenden Bilder und begleiten Sie Ilir in die Schule.

Ilir geht auf eine Schule in Fushe Kosova, die den höchsten Minderheitenanteil unter ihren Schülern hat in ganz Kosovo. Vielleicht auch deshalb ist sie heillos überlaufen. 1500 Kinder und Jugendliche sind hier gemeldet. Der Direktor schätzt das Volumen, dass er eigentlich aufnehmen könnte, auf ca. 500. Er ist einer der wenigen, die überhaupt ohne Probleme Minderheiten wie die Roma aufnehmen und dazu noch teilweise auch ohne Dokumente, wie Geburtsurkunde oder Schulzeugnisse. Bei einer Abschiebung mitten in der Nacht ist das das Letzte, woran eine Familie denkt, wenn sie das Nötigste einpacken darf.

Lernen Sie im letzten Teil Familie Miftari kennen.