Reisetagebuch Liberia: Helens Traumberuf ist Juristin

„ICH WILL JURISTIN WERDEN!“ - HELENS GESCHICHTE

Ebola war für Liberia die Hölle. Doch unsere Mädchen haben jeden Tag noch ganz andere Probleme. Hunderte haben sich heute in einer Gemeindehalle versammelt, um ihre Geschichten mit uns zu teilen. Mit vielen ist es ein freudiges Wiedersehen, andere wie die 19-jährige Helen lernen wir neu kennen. „Ich will Juristin werden“, sagt Helen, die bis vor kurzem auf der Straße lebte. „Eine Freundin meiner Schwester ist vergewaltigt geworden – ich will, dass diese Täter endlich bestraft werden und die Mädchen Gerechtigkeit erfahren!“

Helen beteiligt sich lebhaft an den Diskussionen, die im Halbkreis stattfinden. Es geht um Gewalt zu Hause, um Diskriminierung und zu frühe Schwangerschaften. „Gemeinsam könnt ihr Eure Situation verändern!“, bestärkt Betreuerin Cavita Nelson, die wir schon vom letzten Besuch kennen, die Mädchen. Als wir mit einigen ausführlicher sprechen, fließen Tränen. Zu schlimm sind viele der Schicksale. Jessica erzählt, dass manche Mädchen aus Not für 50 Cent ihren Körper verkaufen. Mercy erzählt von Drogenmissbrauch und Übergriffen älterer Jugendlicher.

Selbstbewusstsein lernen

Trotzdem ist es beeindruckend, wie gut die Mädchen sich entwickelt haben: Bei unseren ersten Begegnungen waren sie noch sehr schüchtern. Jetzt sind sie zu einer Gruppe zusammengewachsen. Sie trauen sich, ihre Meinung zu sagen, erzählen uns, dass sie Krankenschwester oder Farmerin werden wollen. Susan fragt einige Mädchen, was sie über das Leben ihrer Mütter wissen. Fast einstimmig berichten sie, dass es ihren Müttern früher viel schlechter ging und fast keine zur Schule gehen konnte. Das ist heute zum Glück anders: Als unser Programm mit UNICEF 2013 startete, ging nur knapp ein Drittel von etwa 500 Mädchen zur Schule. Jetzt sind es schon über 90 Prozent!

U-Reporter machen mobil

Seit kurzem machen viele Mädchen auch bei U-Report mit, einem weltweiten UNICEF-Programm. Per SMS erhalten sie über die kostenfreie Nummer xyz Informationen und können selbst Nachrichten senden. Mittlerweile gibt es in Liberia 60.000 U-Reporter. Sie erreichen viele Gleichaltrige – denn auch in Entwicklungsländern besitzen immer mehr junge Leute billige Prepaid-Handys. „U-Report kostet Euch nichts und bringt viel!“, sagt Lee Kironget von UNICEF. Für die Unterstützer in Deutschland hat der gebürtige Berliner ein Video aufgenommen.

Wissen weitergeben ist Pflicht

„Diese Mädchen sind wie eine Familie für mich“, sagt Hawa Page von UNICEF, die auch wir längst ins Herz geschlossen haben. Die Liberianerin hat zwei eigene Kinder und nahm während Ebola noch zwei Nachbarskinder bei sich auf. Sie ist den Mädchen eine liebevolle, aber auch strenge große Schwester. „Wer am Kurs teilnimmt, muss sein Wissen an mindestens 50 weitere Teenager weitergeben“, sagt Hawa Page. „Das erwarte ich von Euch.“ Denn viele Jugendliche möchten gern mitmachen, haben aber noch keinen Platz im Programm, weil es am Geld fehlt.

Reisetagebuch Liberia

» Tag 1: Weiterleben nach Ebola – Unsere Mädchen haben geholfen
» Tag 2: „Ich will Juristin werden!“ - Helens Geschichte
» Tag 3: „Gemeinsam gegen Teenagerschwangerschaften“ – Besuch an der R.S. Caulfield Schule

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