TEIL 2: BADUIA MPANDUE - SAUBERKEIT MACHT STOLZ

Nach drei Stunden Pistenstrecke nach Nordosten, teils mit riesigen Schlaglöchern, kommen wir in Baduia Mpandue an. Auch in diesem Dorf werden wir als UNICEF-Vertreter mit lautem Jubel begrüßt.

Kinder in Baduia Mpandue in Mosambik. ©UNICEF/Jordi Matas

Kinder in Baduia Mpandue in Mosambik.
© UNICEF/Jordi Matas

Am Ortseingang steht eine große Tafel „Baduia Mpandue - Open-Defecation-Free Community“. Das ist wirklich schwer zu übersetzen – vielleicht mit „Hier macht absolut niemand ins Gebüsch“. Rund 680 Dörfer in Mosambik haben es mit Hilfe von UNICEF schon geschafft, dass tatsächlich alle Bewohner sich mit einfachen Mitteln eine eigene Latrine gebaut haben. „Das ist ein preisgünstiger und viel nachhaltigerer Ansatz, als wenn wir zum Beispiel selbst Baumaterial zur Verfügung stellen würden“, erklärt uns der UNICEF-Wasserexperte Américo Muianga.

Am Dorfbrunnen von Baduia Mpandue, den UNICEF mit Hilfe der rund 400 Einwohner gebaut hat, sprechen wir mit dem Wasserkomitee: Das sind zehn Frauen und Männer, die speziell geschult wurden und den Brunnen instandhalten. Jeden Monat sammeln sie von ihren Nachbarn 5 Meticals, umgerechnet etwa drei Cent ein. Davon können dann zum Beispiel Verschleißteile für die Handpumpe gekauft werden, zum Beispiel ein neuer Dichtungsring. „Seit es den Brunnen und die Latrinen gibt, haben wir weniger Durchfall, weniger ‚mimba‘ - Bauchschmerzen -, und weniger Kinder im Dorf sterben“, erzählt eine Frau aus dem Wasserkomitee.

Durchfall tötet – Hygiene schützt

Durchfall ist für Kinder in Mosambik noch immer einer der größten Killer. In den letzten 15 Jahren ist die Kindersterblichkeit bereits um die Hälfte gesunken – auch dank besserer Wasserversorgung. Aber noch immer stirbt jedes zehnte Kind vor seinem fünften Geburtstag. Viele Menschen in Baduia Mpandue sind Analphabeten und hatten vor dem Start des Programms keine Vorstellung davon, dass sie den ständigen Bauchschmerzen und Krankheiten nicht hilflos ausgeliefert sind. „Wir wussten einfach nicht, dass in Fäkalien Krankheitserreger leben“, sagt der Dorfchef Sebastiao Geronima. „Jetzt sind wir sehr stolz darauf, dass unser Dorf sauber ist – wir bekommen sogar Anfragen von anderen Familien, die hier leben möchten.“ Die Auszeichnung „Open-Defecation-Free“ ist also eine Art Gütesiegel, für das das Dorf das schwarz-weiße Schild und eine offizielle Urkunde erhält.

UNICEF arbeitet auf dem Weg dorthin mit ganz einfachen Mitteln: Ausgebildete Animateure veranstalten mit dem Dorf eine Art Workshop. Sie fragen, wie oft die Kinder krank sind, fragen nach den Orten, die im Dorf als Toilette benutzt werden, und regen Diskussionen an. „Oft verstehen die Menschen dann sehr schnell, wo das Problem liegt”, sagt Américo Muianga. “Manchmal fassen sie sogar schon nach der ersten Veranstaltung den Entschluss, Latrinen zu bauen.” Es braucht jedoch Zeit, um alle zu überzeugen. “Wir haben alle, die weiter ins Gebüsch gegangen sind, gebeten, das Dorf zu verlassen”, sagt Sebastiao Geronima. „Tatsächlich ist aber niemand gegangen – alle haben mitgemacht. Wir danken UNICEF dafür, dass wir diesen Weg gehen konnten!“

Bildergalerie: Baduia Mpandue

Am Ortseingang von Baduia Mpandue begrüßt uns das Schild „Open-Defecation-Free Community“. Schon 475 Dörfer haben mit Hilfe von UNICEF diese Auszeichnung erhalten.

Interview über Hygieneaufklärung

Américo Muianga ist UNICEF-Experte für Wasser und Hygiene in Mosambik. Im Interview berichtet er über Hygieneaufklärung - zum Beispiel, wie er mit den Menschen ins Gespräch kommt über das Tabuthema Fäkalien. Zum Interview