Die Rohingya werden aus ihrer Heimat Myanmar vertrieben.
© UNICEF/UN0139410/LeMoyneDie Rohingya werden aus ihrer Heimat Myanmar vertrieben.
Blog

Bangladesch: Auf der Suche nach einer neuen Heimat

Zubair, Jia und Kohinur mussten aus ihrer Heimat Myanmar fliehen. Die Kinder gehören der Volksgruppe der Rohingya an. Doch die ist in dem ostasiatischen Staat unerwünscht. Nun harren sie im Nachbarland Bangladesch aus – und machen das Beste daraus.


von Verena Linde

Gut vier Jahre ist es her, als massenhaft Männer, Frauen und Kinder von Myanmar nach Bangladesch fliehen müssen. Sie laufen barfuß durch den Matsch, haben kaum etwas mitgenommen. Der Regen durchnässt Kleider und Papiere, auch nachts finden sie keinen Unterschlupf. Sie leiden Hunger und Durst. Doch vor allem haben sie Angst. Angst um ihr Leben.

Im Flüchtlingslager Kutupalong reichen die Hütten bis zum Horizont.

Hütten bis zum Horizont: Im Flüchtlingslager Kutupalong in Bangladesch ist alles knapp - Schlafplätze, Essen, Informationen.

© UNICEF/UN0235247/LeMoyne

Die Fliehenden sind Rohingya, eine Volksgruppe, die in Myanmar lebt. Myanmar liegt in Ostasien, die Religion der meisten Menschen in dem Land ist der Buddhismus. Die muslimischen Rohingya werden dort nicht als Staatsbürger akzeptiert, haben keine Rechte. Das führt dazu, dass sie teils keine Geburtsurkunden besitzen, keine Pässe, dass sie keine Arbeit finden, ihre Kinder nicht zur Schule gehen können.

Immer wieder begehren Rohingya dagegen auf, zum Beispiel im Jahr 2017. Damals verübt die Rebellengruppe Arakan Rohingya Salvation Army (ARSA) mehrere Anschläge. Ihr Ziel ist es, einen eigenen Ro­hingya-Staat zu gründen – dort, wo heute das Verwaltungsgebiet Rakhaing liegt. Die Polizei und die Armee von Myanmar antworten mit einer Welle von Gewalt: Sie zünden Dörfer an, töten Rebellen, Frauen und Kinder. Wer kann, flieht. Die Weltgemeinschaft urteilt klar: Das ist Völkermord.

Nach einer Schusswunde musste Zubair sein linkes Bein amoutiert werden.

Eine Gewehrkugel traf Zubair bei der Flucht aus seinem Dorf. Ärztinnen und Ärzte mussten sein linkes Bein amputieren.

© UNICEF

Flüchtlingsströme treffen im Lager Kutupalong in Bang­ladesch ein, bald drängen sich dort fast eine Million Menschen. Aus der Luft betrachtet, wirken die Zelte und anderen Notunterkünfte im Lager wie ein gigantischer Flickenteppich, der sich über die bewaldete Region legt. Kutupalong wird zum größten Flüchtlingscamp der Welt. Trotz Unterstützung zahlreicher Hilfsorganisationen, darunter UNICEF, ist Bangladesch überfordert. Es fehlt an Wasser, Nahrung, Zelten …

Jia geht nicht zur Schule und muss landestypische Sncaks verkaufen.

Auf der Flucht verlor Jia seinen Vater. Deshalb sogt der 13-Jährige nun als Ältester für seine Geschwister. Sie gehen im Flüchtlingscamp zur Schule, während er landestypische Snacks aus Betelblättern herstellt.

© UNICEF

Viele im Land würden die Geflüchteten lieber heute als morgen wieder loswerden. So schmiedet die Regierung den Plan, sie auf eine vorgelagerte Insel umzusiedeln – gegen den Willen der Rohingya. Einige landen trotzdem dort. Denn zurück nach Myanmar wollen sie auch nicht.

Bis heute ist die Situation ungelöst. UNICEF-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter versuchen, den Kindern so gut es geht zu helfen. Sie schaffen Bereiche, in denen Kinder spielen, basteln, malen, zur Schule gehen können – und geben den Mädchen und Jungen dadurch Hoffnung.

logo-geolino-gastbeitrag
Verena Linde, Textredakteurin beim Kindermagazin GEOlino
Autor*in Verena Linde

Verena Linde ist Textredakteurin beim Kindermagazin GEOlino und schreibt dort unter anderem über UNICEF-Projekte aus aller Welt.