KEIN EINZELFALL: ZWANGSHEIRAT VON NADA AUS JEMEN

25. Juli 2013 von Ninja Charbonneau 0 Kommentare

Ein junges Mädchen aus Jemen sorgt gerade für Wirbel: Die 11-jährige Nada Al-Ahdal soll von ihren Eltern weggelaufen sein, um einer Zwangsheirat zu entgehen.

Das Video, in dem sie ihre Eltern leidenschaftlich anklagt, wurde in wenigen Tagen schon mehr als sieben Millionen Mal auf Youtube angeklickt. Nada ist der Anlass, dass viele Journalisten bei uns anrufen und wissen wollen, was wir von dem Video halten und ob Kinderheiraten in Jemen und weltweit üblich sind.

Eines vorweg: Ich kann nicht beurteilen, ob das Video echt ist und ob das Mädchen ihre Geschichte aus eigenem Antrieb erzählt. Ich kann auch nicht wissen, welche Ziele eventuell die Organisation verfolgt, die für ihre Verbreitung sorgt. Aber etwas von dem, was Nada sagt, stimmt auf jeden Fall: Ihre Geschichte ist kein Einzelfall. Es gibt viele Minderjährige, meistens Mädchen, die in einer Kinderehe oder eheähnlichen Gemeinschaft leben und deren Kindheit damit in der Regel schlagartig vorbei ist. Das ist eine schwere Menschenrechtsverletzung! Deshalb sind wir froh, dass dieses wichtige Thema der Kinderheiraten durch das Video eines kleinen Mädchens aus Jemen jetzt so viel Aufmerksamkeit bekommt.

Weltweit 70 Millionen Kinderhochzeiten

Übrigens sind Kinderhochzeiten kein spezielles Problem des Mittleren Ostens. Laut UNICEF-Zahlen (basierend auf Daten von 2006) wurden 32 Prozent der jungen Frauen in Jemen verheiratet, bevor sie 18 Jahre alt waren. Das entspricht etwa dem weltweiten Durchschnitt. Insgesamt wurde jede dritte der heute 20- bis 24-jährigen jungen Frauen noch vor ihrem 18. Geburtstag in eine Kinderehe gegeben – insgesamt 70 Millionen. 23 Millionen Mädchen davon waren sogar schon vor ihrem 15. Geburtstag Kinderbräute. In Bangladesch sind 66 Prozent aller Mädchen schon Ehefrauen, im afrikanischen Niger sogar 75 Prozent.

Obwohl die Vereinten Nationen schon 1994 allen Staaten empfohlen haben, das Heiratsalter auf 18 anzuheben, ist die Verheiratung von Mädchen unter 18 Jahren in mehr als 50 Staaten – darunter Jemen – weiterhin legal.

Kinderbräute: Plötzlich Hausfrau – und Mutter

Was bedeutet das für ein Mädchen, wenn es plötzlich Ehefrau ist? Es muss für viele erst mal sehr beängstigend sein. Mich hat das Gewinnerfoto 2007 des internationalen Wettbewerbs UNICEF-Foto des Jahres sehr beeindruckt. Darauf sieht man die 11-jährige Ghulam aus Afghanistan, die einen sehr skeptischen vorsichtigen Blick auf den künftigen Ehemann an ihrer Seite wirft – einen 40-jährigen, ihr völlig fremden Mann. Wir wissen nicht, was auch Ghulam geworden ist. Angeblich wollte ihr Mann das Mädchen auch nach der Hochzeit zur Schule schicken – aber wahrscheinlicher ist, dass Ghulam danach nie mehr eine Schule von innen gesehen hat. Dass sie sich um den gesamten Haushalt kümmern musste. Und dass sie dann ihr erstes Kind bekommen hat, als sie selbst noch ein Kind war. Teenager-Schwangerschaften sind ein großes Gesundheitsrisiko für die viel zu jungen Mütter.
Erfolge für den Schutz von Mädchen

Aber es gibt auch gute Nachrichten: UNICEF setzt sich weltweit dafür ein, die Praxis der Kinderehen zu beenden und hat 2011 in 34 Staaten entsprechende Programme unterstützt. Erfahrungen aus so unterschiedlichen Ländern wie Äthiopien, Bangladesch, Burkina Faso, Dschibuti, Indien oder Somalia zeigen: Bessere Gesetze, Aufklärungskampagnen und Unterstützung der Gemeinden können einen positiven Wandel bewirken, der Mädchen von Frühehen schützt.

Das Wichtigste ist, dass offen über das Problem gesprochen wird. Wenn die über sieben Millionen Youtube-Nutzer, die das Video gesehen haben, dazu beitragen, wäre das ein toller Erfolg.

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