DIE GUTE MAFIA FÜR KINDERRECHTE
Donnerstag, 3. Juli 2014, 00:00 Uhr
von Lena Dietz | 6 Kommentare

AUF LOBBY-REISE MIT MARTA SANTOS PAIS

„There is one good mafia in the world and that is us“.

Marta Santos Pais begrüßt die Mitglieder der National Coalition mit einem breiten Lächeln. Ob ich die versammelten Vertreter der Kinderrechts-Organisationen in Deutschland als Mafia bezeichnen würde, weiß ich nicht. Aber der Inhalt der Aussage der UN-Sonderbeauftragten zu Gewalt gegen Kinder ist klar und zieht sich durch all ihre Gespräche: Wir haben alle das gleiche Ziel und wenn wir eng zusammenstehen und gemeinsam für die Sache kämpfen, dann können wir es erreichen – Kinderrechte für jedes Kind.

Marta ist in Berlin, um gemeinsam mit uns das 25-jährige Jubiläum der Kinderrechtskonvention zu feiern. Sie stellt mit uns den neuen UNICEF-Report vor, führt Gespräche mit Kinderrechtlern und Politikern, die Kinderrechts-Experten sind oder werden sollen.

Marta Santos Pais: Vorstellung des UNICEF-Reports 2014

Vorstellung des UNICEF-Reports 2014: Dr. Jürgen Heraeus (Vorstandsvorsitzender UNICEF Deutschland), Marta Santos Pais, Ralf Kleindiek (Staatssekretär im Familienministerium)
© UNICEF DT/2014/Schneider

Die Frau ist ein wahres Feuerwerk. Es ist eine Freude, ihr bei ihrer Arbeit zuzusehen und zuzuhören. Sie brennt für ihre Sache und der Funke springt buchstäblich auf jeden ihrer Gesprächspartner über. Mit ihr kann man einfach nicht nicht mit voller Kraft für die Kinderrechte kämpfen wollen.

Forderungen an die deutsche Politik

Marta Santos Pais, eine der „Mütter“ der UN-Kinderrechtskonvention und ehemalige Leiterin des UNICEF-Forschungszentrums, hat nicht nur viel Elan und Einsatzfreude aus New York mitgebracht, sondern auch ganz konkrete Empfehlungen an die deutsche Politik und Gesellschaft:

  1. Alle Regierungen müssen eine nationale, kindgerechte, ganzheitliche und interdisziplinäre Strategie gegen Gewalt gegen Kinder haben.
  2. Gewalt gegen Kinder muss überall und in allen Formen gesetzlich verboten und verfolgt werden.
  3. Jedes Land sollte eine unabhängige nationale Institution für Kinderrechte wie zum Bespiel eine Ombudsstelle einrichten, die dem besten Interesse des Kindes dient und die Beschwerden von Kindern entgegennimmt, wenn ihre Rechte in Gefahr sind.
  4. Investitionen in Forschung und in verlässliche Dateninformationen müssen verstärkt werden. Es gibt immer noch nur wenig und bruchstückhafte Information über Gewalt gegen Kinder. „You cannot ignore the power of data“, sagt sie immer wieder.

Kinder leiden am meisten unter Gewalt und Ausgrenzung

Auch wenn ihr Mandat sich auf das Thema Gewalt gegen Kinder bezieht, so ist ihre Mission dennoch die Umsetzung aller Kinderrechte. Gewalt und Ausgrenzung, so die Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs, sind immer noch weltweit die größten Probleme.

Darüber spricht sie unter anderem mit Bundestagsabgeordneten verschiedener Fraktionen und Ausschüsse, mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Johannes-Wilhelm Rörig und mit dem Menschenrechtsbeauftragten Christoph Strässer.

Zeit zu handeln

Marta ist Optimistin, sie lächelt viel und ist uneingeschränkt jedem gegenüber herzlich, freundlich, aufgeschlossen und entgegenkommend. Optimistisch muss sie angesichts der großen Herausforderungen in ihrem Job auch sein - aber sie ist gleichzeitig realistisch: Die Kinder der Welt hätten schon genug Versprechen und Ankündigungen gehört. „Es ist Zeit zu handeln!“

Und tatsächlich macht der Staatssekretär aus dem Familienministerium, der gemeinsam mit ihr auf dem Podium für die Pressekonferenz sitzt, nicht nur die Ankündigung, sich für die Aufnahme von Kinderrechten in das deutsche Grundgesetz einzusetzen. Er setzt auch ein ganz konkretes Datum für den Beginn eines umfassenden Monitorings der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland: 2015 soll es losgehen!

Über den 25. Geburtstag der Konvention sagt Marta: „It’s a great opportunity to reenergise the spirit of the convention”.

Dass wir die Gelegenheit hatten, mit ihr gemeinsam nicht nur den Gedanken der Kinderrechtskonvention mit neuer Energie zu beleben, sondern auch unsere eigenen Kinderrechts-Akkus wieder aufzuladen, dafür sind wir sehr, sehr dankbar.

Thank you, Marta!

KOMMENTARE

  • anonym
    16. Juli 2014 23:01 Uhr


    Sehr geehrte Frau Bücker,

    der Höflichkeit halber vielen Dank für Ihre Antwort. Ich sage es frei heraus: Über Ihr Antwortschreiben bin ich empört, schockiert und zutiefst angewidert! Weder zur betäubungslosen Beschneidung von Jungen, noch zu den Risiken der Beschneidung, noch zu den unzufriedenen Männern wollen Sie Stellung beziehen! Noch nicht einmal zur UN-Kinderrechtskonvention mit Bezug auf die Beschneidung männlicher Minderjähriger wollen Sie sich äußern! Warum nicht oder soll ich Ihre Verweigerung als Selbstentlarvung begreifen?

    Sie schrieben:
    „Die UNICEF-Position zum Thema kennst Du ja bereits.“

    Nein, die kenne ich eben nicht! Wie auch! Unicef äußert sich doch überhaupt nicht zum Thema (siehe oben)! Einzig inhaltsleere Floskeln werden verbreitet. Natürlich kann ich mir die Gründe für ein solches Verhalten auch zusammenreimen: Einerseits kritisiert Unicef die medizinisch nicht notwendige Jungenbeschneidung nicht, um es sich nicht mit min. zwei Religionsgemeinschaften sowie Regierungsstellen zu verscherzen und andererseits wird die medizinisch nicht notwendige Jungenbeschneidung nicht explizit toleriert, um potentielle sowie alteingesessene Spender nicht zu vergraulen. Stattdessen werden nur billige Phrasen veröffentlicht, um sich alles offen zu halten. Je nachdem aus welcher Richtung der Wind weht!

    Sie schrieben:
    „Für die genannten Fragen ist es vielleicht hilfreich, Kontakt mit der WHO aufzunehmen oder sich die Papiere dazu anzusehen - beispielsweise dieses, das auf Seite 4 auch die Frage der kindlichen Zustimmung thematisiert: http://www.who.int/hiv/pub/malecircumcision/mc_infant.pdf“

    Haben Sie sich das Dokument einmal durchgelesen, Frau Bücker? Ich muss zugeben, ich habe es nur kurz überflogen. Aber schon auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass es sich hierbei um ein reinrassiges Pro-Beschneidungs-Papier handelt. So lautet einer der Kernaussagen: „There are significant benefits in performing male circumcision in early infancy... (Seite 2)“ Von diesen medizinischen Vorteilen wollen abgesehen von der WHO sowie der American Academy of Pediatrics (AAP) aber niemand etwas wissen (siehe siehe hierzu das Dokument der 37 Mediziner-Organisation)!

    Auf Seite 4 zur Frage der kindlichen Zustimmung heisst es lapidar:“A concern about early infant male circumcision is that the child cannot give informed consent for the procedure. Moreover, some of the health benefits, including reducing the risk of HIV infection, will not be realized until many years later when the person becomes sexually active. If circumcision is postponed until an older age the patient can evaluate the risks and benefits and consent to the procedure himself.“ Auf deutsch: Wenn der Bengel nicht selbst entscheiden kann, dann entscheiden schlicht die Eltern. Punkt, Aus, Basta! Selbst bei chirurgischen Eingriffen die über viele Jahre hinaus – wie die WHO ja selbst einräumt – keinerlei Nutzen für den Jungen bereithalten, sofern die überhaupt vorhanden sind (siehe hierzu das Dokument der 37 Mediziner-Organisation)!

    Im Dokument der WHO heisst es zur Betäubung:
    „Because of these variables the decision to use anaesthesia, and the specific type, must ultimately
    be made by the surgeon in close consultation with the infant’s family / legal guardian. (Seite 25)“ Die WHO hat demnach keinerlei Einwände gegen eine Beschneidung eines Jungen ohne jegliche Schmerzlinderung, von Schmerzausschaltung ganz zu schweigen! Dies muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Ein nicht medizinisch notwendiger chirurgischer Eingriff der ohne jegliche Betäubung durchgeführt werden darf und zwar deshalb weil die Betäubung neben den Risiken der eigentlichen Beschneidung weitere Risiken mit sich bringt! Da muss der Bengel eben die – evtl. noch nicht einmal vorhanden – Zähne zusammenbeißen! Soviel also zum Thema Gewalt an Kindern!

    Die WHO erwähnt interessanterweise auch die sogenannte EMLA-Salbe und schreibt:
    „ If [EMLA is ] used correctly it is safe and provides effective anaesthesia.“ Die EMLA-Salbe soll also nach Aussagen der WHO für eine ausreichende Schmerzausschaltung genügen! Und das ist die Wahrheit: “Die EMLA-Salbe ist für eine wirksame Schmerzbehandlung bei Zirkumzisionen ungeeignet (vgl. dazu den Beitrag von Markus C. Schulte von Drach, Fragwürdige Betäubung, in: Süddeutsche Zeitung vom 19. August 2013). Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte [BfArM] hat kürzlich darauf reagiert und seine Fachinformationen geändert. Auch der Arzneimittelhersteller hat reagiert und die Hinweise zum Gebrauch von Emla bei einer Beschneidung von Jungen auf dem Beipackzettel entfernt.“(entnommen von der Homepage von Prof. Holm Putzke)

    Zu den Risiken:
    „When male circumcision is performed by well-trained, adequately equipped and experienced
    health-care personnel, these complications are minor and rare, occurring in 1 of every 250 to
    500 cases. Most of the complications can be easily and rapidly addressed and do not result
    in significant morbidity or mortality. (Seite 7)“
    Bei jeder 250en bis 500ten Beschneidung kommt es zu Komplikationen! Das soll also wenig sein. Schön ist auch, das Todesfälle eingeräumt werden! Nur zur Erinnerung: Wir reden über einen medizinisch nicht notwendigen chirurgischen Eingriff ohne Zustimmung des Betroffenen!

    „Lack of informed consent. An infant cannot consent to the procedure. The decision must be
    made by the family. The procedure is considered permanent and there is a risk that when the
    child is older he will be unhappy he was circumcised as an infant.“

    „Change in sexual satisfaction. Some people believe that circumcision leads to decreased
    sexual pleasure later in life. Data recently collected from a large group of adult males who
    underwent circumcision later in life suggest that there is no change in sexual satisfaction
    between circumcised and uncircumcised men and their partners. However, some patients may
    be unhappy that they were circumcised (jeweils auf Seite 110)“

    Ist ja toll, dass die WHO eingesteht, dass wohl nicht wenige beschnitten Männer mit Ihrer Beschneidung – lebenslang – unglücklich sind, ansonsten hätte die WHO diesen Umstand nicht ausdrücklich aufgeführt. Derartige Opfer werden aber von der WHO einfach hingenommen! Und auch hier nur zur Erinnerung: Wir reden über einen medizinisch nicht notwendigen chirurgischen Eingriff ohne Zustimmung des Betroffenen!

    Mit allem Respekt Frau Bücker, aber Sie werden ja wohl selbst nicht leugnen wollen, um was für einen widerwärtigen Schrieb es sich bei dem Dokument der WHO handelt! Ich möchte Sie nochmals bitten meine Fragen vom 13. Juli zu beantworten. Sollte Unicef weiterhin schweigen, beweist Unicef nur dass es sich um eine einzige Alibi-Veranstaltung selbsternannter Gutmenschen handelt!

  • anonym
    16. Juli 2014 14:59 Uhr

    Lieber Tobias,

    vielen Dank für Deinen Beitrag. Die UNICEF-Position zum Thema kennst Du ja bereits. Für die medizinische Einschätzung ist innerhalb der UN die Weltgesundheitsorganisation am kompetentesten. Für die genannten Fragen ist es vielleicht hilfreich, Kontakt mit der WHO aufzunehmen oder sich die Papiere dazu anzusehen - beispielsweise dieses, das auf Seite 4 auch die Frage der kindlichen Zustimmung thematisiert: http://www.who.int/hiv/pub/malecircumcision/mc_infant.pdf

    Ich hoffe, dass ich zumindest etwas weiterhelfen konnte und würde mich freuen, wenn Du UNICEF verbunden bleibst.

    Viele Grüße
    Kerstin Bücker

  • anonym
    13. Juli 2014 17:59 Uhr

    Sehr geehrte Frau Bücker,

    erst einmal recht herzlichen Dank für Ihre schnelle Antwort. Bitte entschuldigen Sie meine reichlich späte Antwort. Nichtsdestotrotz wird Ihre Antwort dem Thema nicht einmal ansatzweise gerecht! Auf ein paar Aspekte der nicht medizinisch indizierten Beschneidung männlicher Minderjähriger möchte ich nachfolgend eingehen:

    Viele Beschneidungen werden ohne jegliche schmerzlindernde Maßnahmen durchgeführt (1). Auch die rituelle Beschneidung im Judentum erfolgt in aller Regel ohne jedwede Betäubung. Unicef hat sich bis heute nicht ein einziges Mal zur betäubungslosen Beschneidung von Jungen geäußert. Warum eigentlich nicht?

    Eine Vielzahl der vorgenommenen Beschneidungen werden von Nicht-Medizinern durchgeführt. Der deutsche Gesetzgeber hat dies mit §1631 d Abs. 2 BGB sogar explizit per Gesetz erlaubt. Einen Nachweis über entsprechende medizinische Fachkenntnisse müssen die Beschneider, die selbst keine medizinische Ausbildung haben, nicht erbringen. Unicef hat sich bis heute nicht ein einziges Mal darüber geäußert, dass männliche Minderjährige auch von Nicht-Medizinern beschnitten werden dürfen! Warum eigentlich nicht?

    Bis heute empfiehlt keine einzige Mediziner-Organisation (Med-Orga) die Beschneidung gesunder Jungen bzw. die allermeisten Med-Orga lehnen derartige Beschneidung mit Verweis auf die UN-Menschenrechtskonvention sowie die Un-Kinderrechtskonvention strikt ab (2). Unicef hat sich bis heute nicht ein einziges Mal zu den Ausführungen der solcher Med-Orga geäußert! Warum eigentlich nicht?

    Unicef stellt die männliche Beschneidung gerne als 'kleinen Eingriff' dar, verschweigt aber konsequent die Risiken des Eingriffs. Im schlimmsten Fall stirbt der Junge durch die Beschneidung, so 2006 in Hamburg geschehen.(3) 2010 musste einem 10-jährigen Jungen nach einer religiösen Beschneidung – durchgeführt von einem Arzt – etwa 1/3 des Penis amputiert werden!(4) Weitere Fälle erspare ich Ihnen und mir. Jeder einzelne ist einer zuviel! Unicef hat sich bis heute nicht ein einziges Mal zu diesen katastrophalen Beschneidungen geäußert! Warum eigentlich nicht?

    Viele beschnittene Männer empfinden ihre Beschneidung als Genitalverstümmelung und organisieren sich in entsprechenden Organisationen. Ich verweise hier nur einmal auf 'Intactnews'(5) und Jonathan Friedman.(6) Unicef hat sich bis heute nicht ein einziges Mal zu diesen Männern geäußert! Warum eigentlich nicht?

    Die Vereinten Nationen (UN) definieren 'Weibliche Genitalverstümmelung'(7) folgendermaßen:
    „Female genital mutilation (FGM) comprises all procedures that involve partial or total removal of the external female genitalia, or other injury to the female genital organs for non-medical reasons. “ Demnach unterscheiden die UN zwischen Genitaloperation und Genitalverstümmelung nur anhand des Kriteriums der medizinischen Notwendigkeit bzw. Nicht-Notwendigkeit! Die Eingriffstiefe ist unerheblich! Sämtliche medizinisch nicht notwendigen Eingriffe am Genital eines Menschen stellen eine Menschenrechtsverletzung dar und werden deswegen auch konsequent Genitalverstümmelung genannt! Bei Kindern greift daher der Art. 24 Abs. 3 der UN-Kinderrechtskonvention! Unicef hat sich bis heute nicht ein einziges Mal explizit darüber geäußert warum die Beschneidung weiblicher Minderjähriger ungeachtet der Eingriffstiefe der Bescheidung nach Art. 24 Abs. 3 der UN-Kinderrechtskonvention verdammt werden soll während die nicht-medizinisch notwendige Beschneidung männlicher Minderjähriger aber nicht unter dem o.g. Artikel fallen soll! Warum eigentlich nicht?

    Liebe Frau Bücker, ich hoffe doch sehr, dass Sie sich ein paar Minuten Zeit nehmen und auf meine Fragen in aller Ausführlichkeit eine Antwort geben.

    1) http://www.youtube.com/watch?v=MDuDhkiDdns

    2) http://circumstitions.com/Docs/aap-12-europe.pdf

    3) http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=j31qmrffBNU

    4) http://www.express.de/duesseldorf/horrorerlebnis-eines-zehnjaehrigen-bei-beschneidung-schlimm-verstuemmelt,2858,4742926.html

    5) http://intactnews.org/

    6) http://www.youtube.com/watch?v=5DRsJXJop5I

    7) http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs241/en/

  • anonym
    09. Juli 2014 10:39 Uhr

    Lieber Tobias, lieber Dieter,

    vielen Dank für Eure Kommentare. Kurz etwas Hintergrund zum Thema Jungenbeschneidung: Jedes Kind hat das Recht darauf, an wichtigen Entscheidungen, die es betreffen, beteiligt zu werden. Ist das aufgrund seines Alters nicht möglich, liegt die Verantwortung bei den Eltern. Hier appellieren wir, das Kindeswohl und die Gesundheit des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen. Oft gibt es keine einfache Antwort darauf, was genau das Beste für das jeweilige Kind ist. Und da UNICEF weltweit arbeitet, müssen wir die Perspektive von Industrie- und Entwicklungsländern einbeziehen. Wichtig ist uns, dass in der Debatte das Kindeswohl vorrangig berücksichtigt wird – auch bei der Einhaltung religiöser Traditionen.

    Auch zum Thema Kinderarbeit einige Informationen: Kinderarbeit lässt sich nicht verbieten, genauso wenig wie Armut – da sind wir Realisten. In den vergangenen Jahren ist es jedoch durch viele Maßnahmen und Partner gelungen, Kinderarbeit um ein Drittel zu reduzieren – dazu hat auch UNICEF beigetragen. Aber noch immer müssen heute weltweit 168 Millionen Kinder arbeiten, die Hälfte von ihnen unter ausbeuterischen Bedingungen. Kinderarbeit ist dann schädlich, wenn sie Gesundheit und die Entwicklung der Kinder gefährdet, zum Beispiel weil sie nicht in die Schule gehen können. Hintergrund: In Bolivien arbeitet mehr als jedes vierte Kind unter 14 Jahren, gleichzeitig werden fast 90 Prozent der Kinder in die Grundschule eingeschult.

    Um Kinderarbeit zu überwinden ist ein Bündel von Maßnahmen notwendig – gesetzliche Regelungen, gute Schulen, Aufklärung etc. UNICEF organisiert zum Beispiel in vielen Ländern Unterricht so, dass ein Kind parallel durch leichte Tätigkeiten zum Lebensunterhalt der Familie beitragen kann. Aus Sicht von UNICEF darf die offizielle Zulassung von Ausnahmen für Kinder unter 14 Jahren in Bolivien nicht dazu führen, dass noch mehr Kinder arbeiten müssen. Auch darf diese Regelung Arbeitgeber und Eltern nicht dazu verleiten, die Bedeutung von Schule gering zu schätzen. Man wird die Konsequenzen des Gesetzes deshalb sehr genau beobachten müssen.

    Nochmals danke für Eure Nachfragen und Euer Engagement für Kinderrechte!
    Kerstin Bücker

  • anonym
    08. Juli 2014 16:10 Uhr

    Unicef fordert:

    "Gewalt gegen Kinder muss überall und in allen Formen gesetzlich verboten und verfolgt werden."

    Und was ist mit der Gewalt an männliche Kinder in Form der Beschneidung? Die ist in Deutschland mit §1631d BGB Ende 2012 legalisiert worden und unicef schweigt hierzu beharrlich! Toller Einsatz von unicef für die Rechte von Kindern!

KOMMENTAR SCHREIBEN

Herzlich Willkommen im UNICEF-Blog! Für ein faires Miteinander beachten Sie bitte die Verhaltensregeln.
Wir verarbeiten Ihre Daten mit Ihrer Einwilligung gemäß Art. 6 Abs. 1 f DSGVO, damit Sie einen Kommentar hinterlassen können. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
*Pflichtfeld