DAS UNICEF-FOTO DES JAHRES IN DER AUSSTELLUNG „MENSCHENSKINDER“
Freitag, 18. September 2015, 15:44 Uhr
von Peter-Matthias Gaede | 0 Kommentare

KINDERLEBEN ZWISCHEN WUNSCH UND WIRKLICHKEIT

Die großen Augen eines kleinen Mädchens, das niedliche Rinnsal aus der Nase, das wuschelige Haar – es sind solche Bilder, auf die Hilfsorganisationen gewöhnlich setzen, wenn sie um die Hinwendung zu jenen werben, die auf den Schattenseiten, in den Elendszonen unseres Planeten existieren. Es sind solche Bilder, die noch das Müllkind in Manila heimfähig machen sollen im Herzen der Spender – und wenn sie das immerhin schaffen, ist es auch gut so.

Doch die Entscheidung für das „UNICEF-Foto des Jahres“ war deutlich mutiger. Zu sehen ist das ab dem 20. September auch in der 10. Ausstellung der Kunstkammer Rau im Arp Museum Bahnhof Rolandseck: In einer Ausstellung, die auf ebenso originelle wie kluge Weise das Bildnis des Kindes in der Malerei mit dem Bild des Kindes in der Fotografie kombiniert. „Menschenskinder. Kinderleben zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ ist der Titel.

Und was das „UNICEF-Foto des Jahres“, zur Jahrtausendwende gestartet und seither alljährlich als internationaler Wettbewerb ausgerichtet, dazu beiträgt, ist kein Süßstoff, kein Kuschelfaktor. Was hier gezeigt wird, sind also nicht nur entzückende Gesichter. Was hier gezeigt wird, tut überwiegend weh. Es kann und soll auch stören, verstören, weil es mit der Armut der Armut konfrontiert, nicht nach der Anmut der Armut sucht. Laut Ausschreibung würdigt der Wettbewerb Einzelbilder und Foto-Reportagen, in denen die Persönlichkeit und die Lebensumstände von Kindern weltweit auf herausragende Weise dokumentiert werden: herausragend in der inhaltlichen Substanz, eindringlich in ihrer Ästhetik, überzeugend auch in ihrer Empathie.

Weltweit. Lebensumstände. Das sind zwei Wörter, die unmittelbar zum Inhalt der Pressemeldungen führen, die UNICEF manchmal fast im Monatstakt herauszugeben gezwungen ist: „Jedes zehnte Kind wächst im Krieg auf“, „Jedes vierte Kind ist unterentwickelt“, „Für 57 Millionen Kinder gibt es kein Klassenzimmer“...

Fotografen dokumentieren Kinderleben

Hunderte professionelle Fotografinnen und Fotografen von allen Kontinenten haben sich, jeweils vorgeschlagen von Experten der internationalen Foto-Community, in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten am UNICEF-Fotowettbewerb beteiligt. Und in der Jury hat UNICEF nur eine von acht Stimmen. Dennoch ist es sinnstiftend, dass es bei einem Wettbewerb, dessen Namensgeber ein Kinderhilfswerk ist, eben selten um Nachrichten von den Inseln der Seligen geht, selten um Bilder des reinen Glücks, der friedlichen Geborgenheit, des sorgenfreien Spielens. Selten um jene weltweite Minderheit der Jungen und Mädchen, die all das haben, was ihnen die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen verspricht: die Freiheit von Angst und Gewalt und Hunger und Ausbeutung und Missbrauch, das Recht auf Gesundheit und Bildung und Schutz und Mitsprache.

Die Kraft der Bilder

Können Bilder Kriege und Elend beenden? Es gäbe keine Kriege, kein Elend mehr, wenn sie das könnten. Wohl aber gibt es diese kleine Hoffnung, und sie verbindet sich auch mit dem „UNICEF-Foto des Jahres“, dass Bilder manchmal Schutzmauern bilden können, indem sie für das Beschützenswerte sensibilisieren. Dass sie mentale Barrieren einreißen können, indem sie in ungesehene Räume führen. Bilder können beweisen, was verdrängt wird; sie können Pflöcke in unsere Erinnerung schlagen. Sie können Abscheu hervorrufen und Ekel, Furcht und Empörung – und sie können zu Mitgefühl befähigen, sie können ihm einen Anker geben, dem Bewusstsein eine visuelle Grundierung. Und im besten Fall machen sie uns sogar aktiv. 

Die Ausstellung Menschenskinder. Kinderleben zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ ist vom 20. September 2015 bis 14. August 2016 im Arp Museum Bahnhof Rolandseck zu sehen.  

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