HUNGERSTREIK FÜR EINE PRIVATE TOILETTE
Montag, 21. März 2016, 10:30 Uhr
von Beatrix Hell | 0 Kommentare

Was kann eine 15-Jährige sich so sehr wünschen, dass sie aus Protest das Essen verweigert? Nein, kein ausgefallenes Kleidungsstück oder Accessoire! Lavanya, Schülerin im neunten Schuljahr, trat in einen 48-stündigen Hungerstreik, um eine Toilette zu Hause zu bekommen. Der Widerstand des engagierten Mädchens rief eine kleine Revolution hervor in ihrem Dorf Sira Taluk im indischen Bundesstaat Karnataka. Und nicht nur Lavanya bekam ihre Toilette, auch andere im Dorf machten mit.

Indien: Lavanya mit Schulfreundinnen

Lavanya (Mitte), hier mit ihren Schulfreundinnen im indischen Dorf Sira Taluk, hat ihre Eltern, Schulkameradinnen und Nachbarn überzeugt, Toiletten zu bauen.
© UNICEF

Notdurft im Freien

„Ich habe mich so aufgeregt über meine Eltern, weil sie sich weigerten, eine Toilette zu bauen“, erzählt sie später. Bisher war es für die 15-Jährige wie für alle im Dorf und für fast die Hälfte der indischen Bevölkerung völlig normal, ihre Notdurft auf dem Feld zu verrichten. Mehrfach am Tag versuchte sie, möglichst ungesehen dorthin zu gelangen. Gerade heranwachsende Mädchen leiden unter der fehlenden Intimsphäre und mangelnden Hygiene. Und dann musste sie auch noch ständig Angst vor Schlangen haben.

Die Botschaft: Toiletten benutzen

Erst eine Aufklärungskampagne in Sira Taluk änderte ihre Wahrnehmung. Ihre Lehrer stellten die Bedeutung von Wasser, Sauberkeit, Körperhygiene und Sanitäranlagen heraus. Sie forderten die Kinder auf, vorhandene Toiletten zu nutzen. Denn Fäkalien und Abwässer verseuchen die Felder und fließen ungeklärt in Flüsse und andere Gewässer. Die Gefahr ist groß, mit Fäkalien in Kontakt zu kommen oder über den Nahrungskreislauf schädliche Keime aufzunehmen. Die Folge sind ernste Krankheiten: In Indien sterben täglich fast 400 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen, die vor allem durch verschmutztes Wasser verursacht werden.

2,4 Milliarden Menschen weltweit haben noch immer keinen Zugang zu hygienischen Toiletten. Und fast die Hälfte der indischen Bevölkerung macht „ihre Geschäfte“ öffentlich. Indien wie auch andere Länder engagieren sich daher seit vielen Jahren, damit Kommunen Latrinen errichten und auf die Notdurft im Freien verzichten.

Vaishnavi vor der Familien-Toilette

Die neunjährige Vaishnavi zeigt stolz die Familien-Toilette im Chandrapur Distrikt, Nagpur.
© UNICEF/UN011915/Singh

Mit Unterstützung von UNICEF wird die Bevölkerung aufgeklärt: Die Menschen sollen überzeugt werden, ihr Verhalten zu ändern: Sie sollen nur noch Toiletten aufsuchen und selber welche bauen. Aber Toiletten sind nicht alles – genauso wichtig ist Körperpflege, vor allem das Händewaschen nach dem Toilettengang und vor dem Essen.

Hände waschen im Waschraum

Gründlich waschen sich Schüler die Hände im bunt ausgestatteten Waschraum der Khanjadipur Grundschule im Mirzapur-Distrikt, Uttar Pradesh.
© UNICEF/UNI79457/Pietrasik

Kricket-Team Swachh für ein sauberes Indien

Um Sauberkeit und Hygiene in Indien voranzutreiben, ist UNICEF mit dem Weltkricketverband ein Bündnis eingegangen. Mit der gemeinsamen Kampagne „Team Swachh“ („Team sauber“) wird unter dem Motto „Cricket for Good“ die Kricketbegeisterung unter den Kindern Indiens und der Teamgeist beim gemeinsamen Spiel genutzt.

Kricket spielen für bessere Hygiene

Team Swachh („Team Sauber“) in New Delhi spielt Kricket für bessere Hygiene und mehr Sauberkeit in Indien.
© UNICEF/UN011911/Sharma

Alle sollen als Team zusammenarbeiten und die Botschaft verbreiten, sich immer einer Toilette zu bedienen. Vallaja, ein Mitglied dieser Bewegung, ist voll überzeugt: „Ich weiß, was passiert, wenn wir überall hinmachen. All diese Hinterlassenschaften sind nicht gut für unsere Gesundheit“.

Mit Protest zur eigenen Toilette

In Lavanyas Schule gab es bereits Toiletten, die sie zu schätzen wusste. So fand das Mädchen aus Karnataka es an der Zeit, auch zu Hause eine zu haben. Anfangs weigerte sich ihr Vater, weil ihm die finanziellen Mittel fehlten. Aber Lavanyas Protestaktion änderte alles. Der kommunale Verwaltungsrat half mit Geld. Und die Toilette wurde gebaut.

Lavanyas Mutter ist sehr stolz auf ihre engagierte Tochter. Kein Familienmitglied muss mehr verschämt ein stilles Örtchen unter freiem Himmel suchen. „Meine Mutter und meine Schwester fühlen sich jetzt auch sicher und sind froh, Zeit beim Toilettengang zu sparen“, erzählt Lavanya stolz. Zahlreiche Nachbarn und die Familien von elf Mitschülerinnen folgten ihrem Beispiel und errichteten ebenfalls private Toiletten.

Mehr zu den Wasserprogrammen von UNICEF finden Sie auf unserer Kampagnenseite "Wasser wirkt".

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