BURKINA FASO: SCHÜLER IN GEFAHR
Mittwoch, 27. Mai 2020, 10:00 Uhr
von Verena Linde | 0 Kommentare

Das Kindermagazin GEOlino stellt in jeder Ausgabe ein UNICEF-Projekt vor. In Heft 5/2020 erschien ein Bericht über Daniel, der in Burkina Faso vor der Terrorgruppe Boko Haram fliehen musste. 

Daniel ist zwölf Jahre alt und lebt im Norden von Burkina Faso. Als seine Schule von Terroristen überfallen wird, zieht er mit seinem Bruder in eine andere Gemeinde – und geht dort weiter zur Schule.

Unterricht in Dori: Daniel lauscht dem Unterricht.

Wenn Daniel in der Schule ist, sitzt die Angst mit am Tisch. Der zwölfjährige fürchtet, dass auch in Dori seine Schule überfallen werden könnte. In seiner Heimatstadt hat er das erlebt. 
© UNICEF/UN0329516/Bindra

Der Lehrer brüllt ein Kommando. Sofort werfen sich alle Schüler auf den Boden und legen die Hände schützend über ihre Köpfe. Regungslos verharrt Daniel zwischen den anderen Jungen und Mädchen auf dem staubigen Boden zwischen den Schulbänken und war­tet, bis der Lehrer Entwarnung gibt. „Gut gemacht!“ Genau wie in dieser Übung sollen sich die Kinder verhalten, falls Terroristen die Schule überfallen – und das ist leider nicht unwahrscheinlich.

Notfallübung in der Schule: Kinder liegen auf dem Boden.

Um sich zu schützen, üben die Kinder, wie sie sich im Notfall verhalten sollen. Nämlich auf den Boden werfen und die Hände über den Kopf legen.
© UNICEF/UN0329517/Bindra

In Burkina Faso, Mali, Niger und weiteren Ländern in West- und Zentralafrika überfallen islamistische Terrorgruppen immer wieder Schulen oder auch ganze Dörfer. Die vielleicht bekannteste Gruppe heißt Bo­­­­ko Haram, was so viel be­­deutet wie „westliche Bildung ist Sünde“. Für die Gruppe gehört einzig der Koran, die hei­­lige Schrift des Islam, auf den Stundenplan, nicht Mathe oder Englisch.

Schule in Dori: Die Lehrerin läuft durch die Klasse.

Abgesehen von der Überfall-Übung verläuft der Unterricht an Daniels neuer Schule normal. Ein Glück: Vielerorts bleiben die Schulen aus Angst geschlossen.
© UNICEF/UN0329274/Bindra

Mit ihren Überfällen haben die Kämpfer dafür gesorgt, dass viele Schulen bereits geschlossen wurden. Auch Daniels alte Schule. Der Zwölf­­jährige stammt eigentlich aus der Kleinstadt Aribinda im Norden von Burkina Faso. Eines Tages kamen die Kämpfer. „Sie verbrannten alle unsere Bücher und Schreibhefte und griffen unsere Lehrer an“, berichtet Daniel. Schlimmer noch: „Sie haben den Vater meines Freundes ermordet. Ich war einfach nur noch traurig und hatte riesige Angst.“ Seitdem fällt der Unterricht aus.

Damit Daniel weiter zur Schule gehen kann, schickten seine Eltern ihn mit sei­­nem großen Bruder nach Dori. Die Gemeinde liegt et­­wa an­­derthalb Autostunden von Ari­­binda entfernt. Sein Bruder küm­mert sich gut um Daniel, hilft ihm beim Lernen, sorgt dafür, dass er regelmäßig etwas zu essen bekommt. Aber Daniel quält das Heimweh. „Meine Freunde fehlen mir. Und ich habe Angst, dass ihnen etwas passiert. Ich bin jetzt von fast allen getrennt, die mir nahestehen.“ Obwohl er weiß, wie wichtig das Lernen ist, sitzt er nie ohne Angst auf der Schulbank. Schließlich könnte jederzeit wieder jemand mit einer Waffe hereinstürmen.

Unterricht in Dori: Die meisten Kinder melden sich.

Trotz der Angst gelingt es der Lehrerin, die Kinder für den Unterricht zu begeistern, sodass sie auf einen guten Abschluss hinarbeiten können.
© UNICEF/UN0329271/Bindra

Viele Menschen haben sich dem Schrecken des Terrors bereits ge­­beugt: Eltern schicken ihre Kinder nicht mehr in die Schule, weil sie fürchten, dass ihnen dort etwas passiert. Oder die Gemeinden schlie­­ßen Schulen vorsorglich. In West- und Zentralafrika wer­­den so knapp zwei Millionen Kinder bereits am Lernen gehindert. Sie alle werden es einmal schwer haben, einen guten Beruf zu erlernen.

Um diesen Kindern zu helfen, unterstützt UNICEF die noch ge­­öffneten Schulen mit Material, richtet Sicherheitsbereiche ein, wo die Kinder ohne Angst lernen können, und hat außerdem ein Ra­­dio-Bil­dungs­programm auf die Beine ge­­stellt. Die daran beteiligten Jungen und Mädchen können damit von zu Hause aus lernen. Sie be­­kommen Radiogeräte zum Empfang des Programms, und ein Betreuer be­­sucht sie regelmäßig, um zu se­­hen, ob alles klappt.

Und Daniel? Der reißt sich zu­­sammen und hält durch. „Ich sehne mich nach Frieden für mein Land“, sagt er. Denn ihm ist klar: Nur wenn der Terror aufhört, kann er wieder nach Hause.

Unterricht in Dori: Bruder hilft Daniel mit den Hausaufgaben.

Sein großer Bruder ist mit nach Dori gezogen und hilft Daniel bei den Hausaufgaben. 
© UNICEF/UN0329281/Bindra

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