KINDERBETREUUNG WÄHREND DER CORONA-PANDEMIE: TIPPS FÜR ELTERN, DIE INS KRANKENHAUS MÜSSEN
Donnerstag, 9. April 2020, 15:17 Uhr
von Klas Libuda | 0 Kommentare

Mag man sich als Eltern gar nicht vorstellen: dass man schwer an Covid-19 erkrankt und die Kinder nicht mehr betreuen kann. Bei wem die Atemwegserkrankung einen schweren Verlauf nimmt, der muss vielleicht sogar im Krankenhaus behandelt werden. Familien mit Kindern stellt das vor eine große Herausforderung. Als Experten für Kinderrechte und Kinderschutz in Deutschland und weltweit haben wir hier Empfehlungen für eine solche Ausnahmesituation zusammengestellt.

Corona: Ein Mädchen in China muss versorgt werden.

Dieses fünfjährige Mädchen aus Wuhan in China musste betreut werden, nachdem seine gesamte Familie mit dem Coronavirus infiziert worden war. Klinikmitarbeiter kümmerten sich um das Mädchen. 
© UNICEF/UNI304652/Cui

FRÜH ÜBER DEN ERNSTFALL GEDANKEN MACHEN

Wenn Alleinerziehende oder beide Erziehungsberechtigte so schwer erkrankt sind, dass sie stationär behandelt werden müssen, trifft das Familien besonders hart. Zu Beginn ist der Krankheitsverlauf nicht absehbar, die Symptome können sich verstärken, die Handlungsmöglichkeiten plötzlich beeinträchtigt werden. Wer mit dem Coronavirus infiziert ist, sollte sich deshalb so früh wie möglich Gedanken machen, wie seine Kinder im Ernstfall versorgt werden können.  Ein Tipp: Schreiben Sie sich Ihre Überlegungen und Anfragen auf. So behalten Sie stets den Überblick.

Wichtig: Gehen Sie grundsätzlich davon aus, dass auch Ihr Kind infiziert ist. Lassen Sie es, wenn möglich, testen. Rufen Sie zunächst beim Arzt an, bevor Sie die Praxis besuchen. Viele Städte und Gemeinden haben zudem Infotelefone geschaltet. Die Nummern finden sich leicht im Internet.

Wer kann mein Kind betreuen?

Ist Ihr Kind nicht infiziert oder wieder genesen und damit wahrscheinlich immun gegen das Coronavirus, versuchen Sie, eine Betreuung zu organisieren. Braucht Ihr Kind rund um die Uhr Betreuung, können vielleicht ältere Geschwister einspringen. Oder Sie bitten Verwandte, Freunde oder Nachbarn darum, Ihr Kind in Ihrer oder deren eigenen Wohnungen zu versorgen, solange Sie im Krankenhaus sind. 

>> Interview mit Dr. Susanne Schlüter-Müller: Die Kinderpsychiaterin über den neuen Alltag zuhause <<

Ist Ihr Kind vom Alter und Entwicklungsstand her in der Lage, tagsüber und nachts allein zu bleiben, können Sie Menschen in Ihrem Umfeld um regelmäßige Besuche und Unterstützung im Haushalt bitten. Sollte dies nicht möglich sein, kann Ihnen laut Sozialgesetzbuch eine Haushaltshilfe zustehen (§ 38 SGB V). Sprechen Sie darüber mit Ihrer Krankenkasse. 

Neuer InhaCorona: Ein Mädchen hält Kontakt mit ihren Freunden.

Die vierjährige Margot aus den den USA hält mithilfe von Videotelefonie Kontakt zu ihren Freunden. Auch für Margot gilt zurzeit: Abstand halten und Kontakte einschränken.
© UNICEF/UNI316261/Bajornas

Bedenken Sie in jedem Fall, dass Sie im Krankenhaus für gewöhnlich nicht jederzeit erreichbar sind. Kümmern Sie sich darum, dass Ihr Kind eine Vertrauensperson hat, die sich regelmäßig meldet und die für Ihr Kind Tag und Nacht erreichbar ist.

>> Hier lesen Sie, wie Sie mit Ihrem Kind über das Coronavirus sprechen können <<

Was mache ich, wenn mein Kind infiziert ist?

Ist Ihr Kind möglicherweise oder erwiesenermaßen an Covid-19 erkrankt, wird es vom Gesundheitsamt unter Quarantäne gestellt. Bitten Sie Verwandte und Freunde um Hilfe, sofern sie nicht zu besonders gefährdeten Risikogruppen gehören. Die Großeltern kommen zumeist nicht infrage: Menschen ab 50 Jahren gelten laut Robert-Koch-Institut bereits als gefährdet. Vielleicht gibt es in Ihrem Umfeld jemanden, der von der Krankheit genesen und bereit ist, Ihr Kind zu betreuen. Am besten lassen Sie sich von Ihrem Gesundheitsamt beraten.

Ist Ihr Kind älter und trotz Quarantäne in der Lage, allein zu bleiben, bitten Sie in Ihrem Umfeld um Unterstützung. Menschen, die Ihnen nahestehen, sind sicher bereit, die Wäsche zu waschen oder Essen vor die Tür zu stellen. Ist das nicht möglich, können Sie auch in diesem Fall von der Krankenkasse prüfen lassen, ob ihr Kind von einer Haushaltshilfe unterstützt werden kann; natürlich unter Einhaltung der Quarantäne-Vorschriften.

Bitten Sie das Jugendamt um Hilfe

Sollten Sie keine Betreuung organisieren können, wenden Sie sich an Ihr Jugendamt vor Ort. Die Mitarbeiter werden Sie beraten, und es wird geprüft, welche Möglichkeiten es gibt und ob Ihnen Unterstützungsleistungen zur Betreuung Ihres Kindes in Notsituationen gewährt werden können (§ 20 SGB VIII). 

>> So erleben UNICEF-Mitarbeiter in aller Welt den Ausbruch des Coronavirus <<

Corona: Ein Junge spielt mit seinen Stofftieren.

Eine Junge spielt zuhause mit seinen Stofftieren. Seine Schulfreunde darf er zurzeit nicht treffen.
© UNICEF/UNI313390/McIlwaine

Bitte beachten Sie stets alle behördlichen Vorschriften. Diese können von Region zu Region unterschiedlich sein. Bedenken Sie, dass Ihre Situation ein Einzelfall ist über den entsprechend entschieden wird, abhängig von den örtlichen Gegebenheiten.

Unseren Wegweiser zur Kinderbetreuung können Sie übrigens auch herunterladen. Drucken Sie sich unsere Übersicht gerne aus, so müssen Sie im Fall der Fälle nicht lange danach suchen. Am liebsten wäre uns indes, dass Sie sie gar nicht benötigen. Wir wünschen Ihnen und Ihren Kindern viel Gesundheit.

Hilfreiche Links für Eltern

Wir haben Tipps und Informationen, die für Eltern und Schwangere im Zusammenhang mit dem Coronavirus hilfreich sein können, für Sie zusammengestellt: 

Hier lesen Sie, was Eltern und Schwangere zur Ausbreitung des Coronavirus jetzt wissen sollten.

Wie können Familien den neuen Alltag zuhause gut gestalten und Spannungen vermeiden? Kinderpsychiaterin Dr. Susanne Schlüter-Müller gibt Tipps.

Wie können Sie gut mit Ihrem Kind über COVID-19 und die aktuelle Situation sprechen? Das lesen Sie hier.

Die Initiative #keinKindalleinlassen gibt eine Übersicht über Tipps und Strategien, die helfen könnten, wenn Sie sich Sorgen um ein Kind und seine Familie machen.

Hier haben wir Tipps für Jugendliche: So bleibt ihr trotz des Kontaktverbotes zuversichtlich!

Hier finden Sie Bastel-, Mal- und Spieletipps gegen Langeweile zuhause.

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