SO KÖNNEN UNTERNEHMEN BERUFSTÄTIGE ELTERN WÄHREND DER COVID-19-PANDEMIE UNTERSTÜTZEN
Dienstag, 5. Mai 2020, 14:00 Uhr
von Sally Wichmann | 0 Kommentare

Auf der ganzen Welt brauchen Kinder angesichts von Corona besondere Fürsorge und Betreuung ihrer Eltern. Damit berufstätige Eltern das leisten können, brauchen sie die Unterstützung ihrer Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Wir geben Tipps, wie Unternehmen ihren Mitarbeitern helfen können.

Nordmazedonien: Die Zwillinge Ana und Kaja folgen dem TV-Klassenraum-Programm.

In Zeiten der Covid-19-Pandemie können Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber einiges tun, um arbeitende Eltern und ihre Kinder zu entlasten.
© UNICEF/UNI313757/Georgiev

Auf der ganzen Welt spüren die Menschen momentan die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Sie wirkt sich stark auf Arbeitsmärkte, Volkswirtschaften und globale Wertschöpfungsketten aus. Die Ausbreitung des Virus hat auch für Kinder weitreichende Folgen: 1,5 Milliarden Mädchen und Jungen können seit Wochen nicht zur Schule gehen. Wenn Eltern oder wichtige Bezugspersonen an Covid-19 erkranken oder durch die Pandemie ihre Arbeit verlieren, ist das eine erhebliche Belastung für Kinder – vor allem für Mädchen und Jungen aus den ärmsten Familien weltweit hat dies überproportionale, negative Auswirkungen.

» Hier finden Sie einen Wegweiser für Eltern, die wegen Covid-19 ins Krankenhaus müssen und eine Betreuung für ihre Kinder suchen.

Zwar sind Arbeitnehmende in Deutschland durch politische Maßnahmen für die soziale Sicherung geschützt. Doch familienfreundliche Arbeitsbedingungen von Unternehmen leisten einen wichtigen Beitrag, den bestehenden sozialen Schutz zu erweitern. Für Unternehmen mit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Ländern mit eingeschränkter sozialer Sicherung sind diese Bemühungen noch wichtiger. Denn der soziale Schutz und die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie können sich je nach Kontext, Land und persönlicher Situation der Angestellten stark unterscheiden.

Familienfreundliche Arbeitsbedingungen – wie zum Beispiel bezahlte Elternzeit, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, flexible Arbeitsregelungen und Zugang zu bezahlbarer und guter Kinderbetreuung – geben berufstätigen Eltern die Zeit und Unterstützung, die sie jetzt brauchen, um sich angemessen um ihre Kinder zu kümmern. Damit entlasten Unternehmen nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder.

Folgende Maßnahmen empfiehlt UNICEF gemeinsam mit der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und UN Women Unternehmen, um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während der Covid-19-Pandemie in Deutschland und weltweit zu unterstützen:

1.  Aktuelle Arbeitsbedingungen prüfen und gegebenenfalls anpassen

In einem ersten Schritt sollten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber die dringendsten Bedürfnisse berufstätiger Eltern identifizieren. Dabei sollten vor allem besonders vulnerable Gruppen in den Blick genommen werden, wie zum Beispiel Zeit- und Wanderarbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer oder informell Beschäftigte wie Hausangestellte, Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter sowie Kleinstunternehmer, die auch entlang der Lieferkette in vielen Ländern einen erheblichen Anteil der arbeitenden Bevölkerung ausmachen. Auch Schwangere oder stillende Mütter, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Behinderungen oder solche, die keine Sozialleistungen oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bekommen, sollten besondere Unterstützungsangebote erhalten.

2. Flexibles Arbeiten ermöglichen

Ob Homeoffice, verkürzte bzw. komprimierte Arbeitswochen oder die Zusage, den Arbeitsplatz auch bei längerem Ausfall (durch eigene Krankheit, aber auch durch Pflege einer angehörigen Person) zu behalten: Flexible Arbeitsregelungen erlauben arbeitenden Eltern frei zu entscheiden, wann und wo sie ihre beruflichen Aufgaben erledigen. Die Möglichkeit, aus verschiedenen Angeboten frei zu wählen, unterstützt arbeitende Eltern in der Fürsorge ihrer Kinder und Familien am besten. Denn die Anforderungen und Bedürfnisse von berufstätigen Eltern können sich stark unterscheiden.

Rwanda: Umuhoza lernt mit ihren Geschwistern über das Radio für die Schule.

In vielen Ländern der Welt müssen Kinder mittlerweile von Zuhause aus lernen – so auch Umuhoza Dative, 11, in Rwanda. Trotz alternativer Lernformate, wie Unterricht übers Radio, brauchen Kinder die Unterstützung ihrer Eltern mehr als sonst.
© UNICEF/UNI319826/Kanobana

3. Unterstützung bei der Kinderbetreuung überprüfen

Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen haben weltweit geschlossen oder öffnen nur für einzelne Klassen oder Notgruppen. Für Eltern bedeutet dies häufig, dass sie ihre Kinder selbst betreuen müssen. Manche sehen sich vielleicht sogar gezwungen, jüngere Kinder durch Bekannte oder Nachbarn beaufsichtigen zu lassen – oder, je nach Kontext und Dringlichkeit, sie sogar unbeaufsichtigt zurück zu lassen, was ihre Sicherheit gefährden kann. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können Eltern in dieser Situation auf verschiedene Arten unterstützen. Sie können sie zum Beispiel an Betreuungsangebote (wo diese noch sicher und vorhanden sind) verweisen oder flexible Arbeitsbedingungen, finanzielle Hilfen oder Subventionen anbieten.

4. Informationen zu Gesundheit und Hygiene bereitstellen – und entsprechende Maßnahmen verstärken

Unternehmen können Eltern auch schützen, indem sie sicherstellen, dass Arbeitsplätze sauber und hygienisch sind. Dazu gehören auch Handwaschbecken mit fließendem Wasser und Seife. Wo es keine Handwaschbecken gibt, müssen wenigstens alkoholische Handdesinfektionsmittel bereitgestellt werden. Arbeitende Mütter sollten Zugang zu sauberen und bequemen Räumen haben, wo sie ihre Kinder stillen können. Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können unterstützt werden, indem Unternehmen Informationen zu Präventionsmaßnahmen, Reise- und Sicherheitshinweise sowie Tipps zum Umgang mit Kindern während der Covid-19-Pandemie teilen.

Wir haben für Sie einige Informationen und Tipps zusammengestellt. Eine Auswahl der Beiträge finden Sie hier:

» So waschen Sie Ihre Hände richtig

» Das sollten Eltern und Schwangere wissen

» Coronavirus: Wie soll man mit Kindern darüber sprechen

Kongo: Ein junger Schüler wäscht seine Hände mit Seife.

Richtiges Händewaschen mit Seife ist ein wichtiges Mittel um die Verbreitung von Viren wie Covid-19 zu verlangsamen – und Teil der weltweiten Programmarbeit von UNICEF.
© UNICEF/UNI314575/

5. Orientierung im Krankheitsfall geben

Unternehmen können Personen, die Symptome von Covid-19 aufweisen, helfen, indem sie sie direkt an medizinische Einrichtungen verweisen. Dazu können Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zum Beispiel wichtige Adressen und Telefonnummern von Krankenhäusern oder Notrufzentralen prominent und eindeutig kommunizieren sowie auf sichere Transportmöglichkeiten hinweisen.

6. Unterstützung bei Stress und Unsicherheiten leisten

Besondere Unterstützung sollten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bekommen, die durch die Covid-19-Pandemie verunsichert oder nervös sind – oder deren Kinder Anzeichen von Nervosität oder Angst zeigen. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sollten sicherstellen, dass sie nur verlässliche Informationen teilen und dass alle Angestellten wissen, wo sie Zugang zu psychosozialen Angeboten erhalten. Arbeitende Eltern müssen außerdem die Zeit und Ressourcen bekommen, die sie brauchen, um sich ausreichend um ihre Kinder zu kümmern. Auch Unternehmen können dazu beitragen, dass Kinder nun durch Gespräche, Spiele und andere Förderung die Aufmerksamkeit erfahren, die sie in dieser schwierigen Situation von ihren Eltern brauchen.

Hier haben wir für Sie Tipps und ein Experteninterview zu der Frage, wie Kinder den neuen Alltag zuhause gut bewältigen können:

» Tipps gegen Langeweile zuhause

» Kinderpsychiaterin zu Covid-19: Tipps für den neuen Alltag zuhause

» Für Jugendliche: Trotz Kontaktverbot wegen Coronavirus – zuversichtlich bleiben!

Indonesien: Kimy lernt und spielt zuhause mit ihrem Vater und ihrer Schwester.

„Ich lerne gerne zuhause, obwohl ich meine Freunde aus der Schule vermisse," sagt Kimy (6) aus Indonesien. „Ich freue mich, weil ich meine Eltern jeden Tag die ganze Zeit sehen kann.”
© UNICEF/UNI319343/Veska

7. Finanzielle Belastungen im Krankheitsfall abfedern

Indem Unternehmen die finanzielle Belastung im Falle einer Erkrankung von Eltern oder Familienmitgliedern reduzieren, können sie wesentlich zum Schutz vor sozialer Marginalisierung beitragen. Unterstützende Maßnahmen können unter anderem den Schutz des Arbeitsplatzes sowie Lohnfortzahlung bei Erkrankung oder Transferleistungen wie Kinderzulagen oder Zuschüsse zu Gesundheitsausgaben beinhalten. Gefährdete Gruppen wie zum Beispiel Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen, informell oder befristet beschäftigte Personen benötigen besondere Unterstützung.

Familienfreundliche Arbeitsbedingungen müssen für alle gelten

Die soziale Sicherung liegt in der Verantwortung der Regierung. Jedoch können familienfreundliche Maßnahmen am Arbeitsplatz diese Bemühungen unterstützen – besonders in Ländern mit eingeschränkten sozialen Sicherungssystemen.

Entscheidend ist, dass familienfreundliche Arbeitsbedingungen für alle Angestellten gelten – unabhängig von Geschlecht oder Beschäftigungsstatus. Unternehmen haben die Aufgabe, eine Arbeitskultur zu schaffen, in der sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer trauen, bereitgestellte Maßnahmen und Leistungen zu nutzen, ohne Diskriminierung oder Nachteile fürchten zu müssen.

Durch die Einführung und Ausweitung von familienfreundlichen Arbeitsbedingungen leisten Unternehmen einen entscheidenden Beitrag zur Entlastung und zum Wohlbefinden von berufstätigen Eltern und ihren Kindern.

Dieser Text wurde aus dem Englischen übersetzt und ist im Original hier zu finden. UNICEF setzt sich international und in Deutschland für Kinderrechte auch im Kontext unternehmerischen Handelns ein – am Arbeitsplatz, dem Marktumfeld und in globalen Lieferketten.

» Lesen Sie auch die Empfehlungen von UNICEF, der International Labour Organization und UN Women (auf Englisch)

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