UN-NACHHALTIGKEITSZIELE: WIR SOLLTEN AUF DIE KINDER UND JUGENDLICHEN HÖREN
Mittwoch, 25. September 2019, 10:50 Uhr
von Georg Graf Waldersee | 0 Kommentare

Ein Gastbeitrag von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller und dem Vorsitzenden von UNICEF Deutschland, Georg Graf Waldersee

Derzeit ziehen die Vereinten Nationen Zwischenbilanz ihrer 2015 verabschiedeten Nachhaltigkeitsziele. Die Staaten sollten die Kinderrechte mehr achten, fordern Entwicklungsminister Gerd Müller und Georg Graf Waldersee, Vorsitzender von Unicef Deutschland.

Die Welt blickt nach New York, wo die Staats- und Regierungschefs derzeit eine erste Zwischenbilanz der 2015 verabschiedeten UN-Nachhaltigkeitsziele ziehen. Sie sollten dabei die Rechte der Kinder weltweit in den Blick nehmen, denn um ihre Zukunft geht es.

New York: Jugendliche demonstrieren für den Schutz des Klimas.

Jugendliche demonstrieren vor dem UN-Hauptquartier in New York für den Schutz des Klimas.
© UNICEF/UN0340757/Nesbitt

Weltweit demonstrieren Kinder und Jugendliche für Klimaschutz und eine lebenswerte Zukunft. Von Berlin bis Brasilia, von New York bis Neu-Delhi – in über 160 Ländern gehen sie auf die Straße. Sie konfrontieren uns mit ihrer Angst und Enttäuschung. Und fordern zu Recht tiefgreifende Veränderungen – in der Art, wie wir leben, konsumieren, produzieren und Handel treiben.

Wir sollten auf sie hören. Denn um ihre Zukunft geht es. Wenn wir weitermachen wie bisher, erreichen wir die Klima- und Nachhaltigkeitsziele nie. Das wäre fatal – vor allem für die Kinder. Sie müssen mit den Konsequenzen leben. Fast ein Drittel der Weltbevölkerung sind Kinder. In manchen Ländern Afrikas ist über die Hälfte der Bevölkerung unter 15 Jahre alt. Sie alle verdienen eine Kindheit in Frieden, ohne Armut und mit Zugang zu Bildung. Das ist ihr Recht, und nur so können sie ihr ganzes Potenzial entfalten.

Damit sie ein gutes Leben in einer intakten Umwelt führen können, müssen wir die UN-Nachhaltigkeitsziele entschlossener als bisher vorantreiben. Darum ist es gut, dass Kinderrechte beim UN-Nachhaltigkeitsgipfel einen prominenten Platz einnehmen.

Peru: Kinder halten die Tafeln der nachhaltigen Entwicklungsziele hoch.

© Mónica Suárez Galindo/ PNUD Perú

Weltweit besuchen 260 Millionen Kinder keine Schule

Es gibt viel zu beraten – und noch mehr zu tun: Jährlich sterben über fünf Millionen Kinder unter fünf Jahren. Ein Kind, das heute in Syrien seinen neunten Geburtstag feiert, kennt nur Krieg. Jedes fünfte Kind auf dieser Welt lebt in einem Kriegs- oder Konfliktgebiet. Im Jemen brauchen zwölf Millionen Kinder humanitäre Hilfe. 35 Millionen Kinder sind auf der Flucht. UNICEF leistet gemeinsam mit der deutschen Entwicklungspolitik hier überlebenswichtige Arbeit.

Wir müssen angesichts des Leids noch mehr tun, damit diese Kinder gut aufwachsen und später ein selbstbestimmtes Leben führen können. Wichtigste Voraussetzung ist Bildung. Doch weltweit besuchen 260 Millionen Kinder keine Schule. Weil sie in Kriegs- und Konfliktgebieten leben oder weil sich ihre Eltern den Schulbesuch nicht leisten können.

Stattdessen müssen viel zu viele Kinder arbeiten. 150 Millionen Kinder weltweit, die Hälfte davon unter ausbeuterischen Bedingungen. Im 30. Jahr seit der Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention sollte Kinderarbeit längst der Vergangenheit angehören.

Bangladesch: Der 13-jährige Sumon arbeitet in einer Aluminiumfabrik.

Kinderarbeit ist in Bangladesch ein großes Problem: Sumon ist nicht mal 13 Jahre alt und arbeitet in einer Aluminiumfabrik.
© UNICEF/DT2019-62933/Claudia Berger

Es darf nicht länger sein, dass in Afrika Kinder auf Kakaoplantagen schuften, damit die Schokolade in Deutschland ein paar Cent billiger ist, oder dass Kinder in Minen ihre Gesundheit und ihr Leben riskieren, um das Koltan für unsere schicken Smartphones und Elektroautos zu gewinnen. Wir brauchen faire Lieferketten, die frei von Kinderarbeit sind. Und wir müssen den Familien dieser Kinder ein Leben ohne Hunger und Not ermöglichen, damit der Schulbesuch überhaupt eine Option ist.

Viele packen bereits an, damit dies gelingt: Verbraucher und Unternehmen setzen sich immer stärker damit auseinander, unter welchen Bedingungen ihre Produkte hergestellt werden. Kirchen und zivilgesellschaftliche Organisationen machen sich unermüdlich für Kinderrechte stark.

Wir alle müssen noch mehr tun

Unicef kämpft für Bildungschancen und den Schutz der ärmsten Kinder. Das Entwicklungsministerium macht den Kampf gegen Kinderarbeit in diesem Jahr zum Schwerpunkt. Und es hat die Mittel für Bildung seit 2013 mehr als verdoppelt. Künftig soll ein Viertel des Entwicklungsetats in Bildung fließen.

Die Richtung stimmt also. Aber wir alle – Politik, Unternehmen, Zivilgesellschaft und Verbraucher – müssen jetzt weitergehen und noch gezielter in das Wohlergehen und die Grundversorgung der Kinder weltweit investieren. Und ihre Forderungen endlich ernst nehmen. Denn nur so werden wir den Kindern eine Welt überlassen, die lebenswert ist.

Dieser Beitrag wurde erstmals auf Welt.de veröffentlicht. » Zum Online-Artikel 

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