WAS ENGAGEMENT ENTFACHEN KANN: MIT UNICEF UND GEOLINO DURCH DIE KINDHEIT
Mittwoch, 5. Dezember 2018, 09:16 Uhr
von Katharina Kesper | 1 Kommentar

Wieso engagieren wir uns ehrenamtlich? Braucht es dazu einen konkreten Auslöser? Nicht unbedingt. UNICEF-Geschichten aus einem Kindermagazin können aber ein hilfreicher Anstupser sein, haben wir herausgefunden.

Wir haben erfahren, dass Carlotta Weibl (25) durch unsere UNICEF-Geschichten im Kinder- und Wissensmagazin GEOlino schon früh dazu inspiriert wurde, sich zu engagieren. Das fanden wir spannend und wollten unbedingt mit ihr sprechen. Wie abenteuerlich und aufregend einige Jahre später ihr Engagement dann ganz konkret ausgesehen hat, lässt sich auf ihrem Foto gut erahnen!

Malta: Carlotta Weibl am Ruder eines Rettungsschiffes.

© UNICEF/Malta 2018/Carlotta Weibl

Im Interview erzählt sie uns von ihren ehrenamtlichen Erfahrungen, gibt Tipps, wie sich jeder Einzelne engagieren kann und schwelgt in Erinnerungen der GEOlino-Hefte und den UNICEF-Geschichten darin.

Erlebnisse, Engagement, Erfahrung

Du hast in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt erzählt, dass du früher aus den GEOlino-Heften immer die UNICEF-Artikel ausgeschnitten und gesammelt hast. War das der Startschuss für dein soziales Engagement?

Stimmt. Mit ungefähr 13 habe ich die UNICEF-Artikel aus der GEOlino gesammelt und in einem Ordner abgeheftet. Die Geschichten habe ich dann nach Ländern sortiert. Es gab sogar ein Inhaltverzeichnis und einen selbstverfassten Text ganz vorne im Ordner.

In meinem Text beschreibe ich die Ungerechtigkeiten dieser Welt und frage mich, warum so viele Menschen leiden müssen. Auch wenn das jetzt traurig klingt: Die UNICEF-Geschichten haben mir schon früh gezeigt, dass es noch eine andere Welt gibt, als die gut behütete und glückliche Welt, in der ich aufwachsen durfte.

Obwohl mich die UNICEF-Artikel teils mitgenommen haben, fand ich die Arbeit von UNICEF faszinierend. Es hat mein Interesse geweckt und meinen inneren Drang, etwas für die Kinder aus aller Welt zu tun.

Als ich dann Jahre später meinen Studiengang „Entwicklungshilfe mit Schwerpunkt auf Katastrophenmanagement“ begonnen habe, hat es Klick gemacht. Auf einmal musste ich wieder an die UNICEF-Geschichten von damals denken und war begeistert, dass sich ein Weg anbahnte, den ich doch schon so lange gehen wollte. Ich habe allen gesagt, dass ich das eigentlich schon immer machen wollte, ich bloß nicht wusste wie.

Den Ordner habe ich übrigens immer noch bei meinen Eltern zu Hause. Als ich sie gefragt habe, ob sie ihn für diesen Blog fotografieren können, waren sie gerührt. Sie wussten gar nicht, dass ich ihn noch habe und mit welcher Sorgfalt ich ihn damals geführt hatte. Das GEOlino-Abo war in jeden Fall ein super Geschenk von meinen Eltern! 

Du engagierst dich für geflüchtete und migrierte Menschen. Wie kam es dazu?

Durch mein Studium beschäftige ich mich schon seit einigen Jahren mit den Ungleichheiten unserer heutigen Welt und über die Zustände vieler Herkunftsländer der Geflüchteten. Ich habe mich mit schwierigen bis lebensbedrohlichen Umständen unter denen Menschen mit ihren Familien leben müssen auseinandergesetzt.

Ich kann daher ganz gut nachvollziehen, dass viele die Entscheidung treffen ihr Zuhause zu verlassen. Als in den letzten Jahren eine verhältnismäßig große Zahl geflüchteter Menschen nach Europa gekommen ist, war für mich schnell klar, dass ich mich gerne einbringen und diese Menschen unterstützen möchte. Neben der persönlichen Unterstützung geht es mir darum, den geflüchteten Menschen zu zeigen, dass sie als gleichwertige Menschen gesehen werden. Sie haben die gleichen Menschenrechte, wie alle anderen in Deutschland auch. Meiner Meinung nach wird das gerade in rechten Debatten oft vergessen und ich möchte aktiv dagegen steuern. 

Carlotta mit Fernglas auf einem Rettungsschiff.

Carlotta Weibl /privat | Die 25-jährige war im Sommer von Malta aus im Mittelmeer unterwegs, um geflüchtete Menschen auf hoher See zu retten.
© UNICEF/Malta 2018/Carlotta Weibl

Was bedeuten diese Erfahrungen für dich und deine weiteren Zukunftspläne?

Pragmatisch gesehen sind die Erfahrungen, die ich sammle natürlich eine gute Vorbereitung auf viele Situationen in meinem zukünftigen Arbeitsfeld: der humanitären Hilfe. Ich lerne mit Menschen unterschiedlicher Herkunft umzugehen und stärke meine interkulturellen Fähigkeiten. Gleichzeitig erfahre ich viel über Länder, die mich beruflich in Zukunft noch beschäftigen werden und in denen ich vermutlich auch einige Zeit verbringen werde.

Emotional gesehen, zeigt mir die Arbeit mit geflüchteten Menschen, dass ich definitiv die richtige Studienwahl für mich getroffen habe. Es bekräftigt mich, mehr über die heutigen humanitären Probleme und mögliche Lösungsansätze zu lernen. Ich bin motivierter und zielstrebiger denn je! Nicht nur meine Freizeit, sondern auch meine berufliche Laufbahn möchte ich der Unterstützung von Menschen widmen, die in unserem globalen System benachteiligt sind.

Es ist mir dabei extrem wichtig, die Stärken, Robustheit und Anpassungsfähigkeit geflüchteter Menschen anzuerkennen.

Carlotta lernt abends das Knotenbinden auf dem Schiff.

© UNICEF/Malta 2018/Carlotta Weibl

Was rätst du anderen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen? Ganz egal, ob in Deutschland oder irgendwo anders auf der Welt.

Wer gerne einen Teil seiner Zeit geben möchte, um sich sozial zu engagieren hat viele Optionen. Es muss nicht immer am anderen Ende der Welt sein und es muss auch nicht die gesamte Freizeit beanspruchen. Überlegt euch in welchem Bereich ihr gerne aktiv werden möchtet und informiert euch, was es bei euch lokal zu tun gibt.

Ich bin durch meine Arbeit und sozialen Engagements zwar schon ziemlich eingebunden, aber habe zum Beispiel gerade angefangen mich einmal die Woche für ein paar Stunden mit einem Geflüchteten aus Afghanistan zu treffen und ihm bei allen möglichen Anliegen zu helfen. Lasst euch nicht dadurch verunsichern, dass ihr noch keine Erfahrung in einem bestimmten Bereich habt. Unterstützung zählt immer und man kann schnell lernen, was wichtig ist. Letztendlich sollte euch die Arbeit aber Spaß machen. Ideal ist es, wenn ihr nicht nur anderen durch ein Ehrenamt helft, sondern es gleichzeitig auch euer eigenes Leben bereichert.

UNICEF Youth – Mach dich für Kinder stark!

Du willst die Welt verbessern? Dann bist du hier genau richtig! Denn mit UNICEF kannst du heldenmäßige Aktionen starten und dich für eine bessere Zukunft von Kindern und Jugendlichen weltweit einsetzen.

Stoppt Ungerechtigkeit, stoppt Armut und Ausbeutung – kommt in die UNICEF-Community und werdet Helden eurer Generation!

Was denkst du, wenn du hörst: ‚Das bringt doch alles nichts‘ oder ‚Die Hilfe kommt doch eh nicht an‘?

Solche pessimistischen Aussagen höre ich tatsächlich öfter. Ich finde es in Ordnung und sogar wichtig Entwicklungshilfe und humanitärer Hilfe kritisch gegenüberzustehen und die Strukturen zu hinterfragen. Allerdings wäre nichts zu tun für mich keine Option.

Es gibt so viele internationale und lokale Organisationen die wunderbare Arbeit leisten; so viele motivierte Menschen die täglich dafür kämpfen, dass die Hilfe eben doch ankommt. Ich finde es unfair die Arbeit all dieser Menschen mit einer einzigen Aussage abzutun. Wenn Kritik äußert, dann erwarte ich, dass man sich mit dem Thema beschäftigt hat und Fakten nennen kann. Kritisieren ohne Verbesserungsvorschläge zu nennen ist immer einfach − hilft aber wenig!

Wo Theorie auf Praxis trifft. Carlotta auf Malta im Einsatz:

Und zum Abschluss: UNICEF setzt sich dafür ein, dass die Rechte von geflüchteten und migrierten Kindern gewahrt werden − weltweit und hier in Deutschland. Was wünschst du dir für die Kinder und Familien, die aus ihrem Heimatland fliehen müssen und entwurzelt werden?

Natürlich wünsche ich mir für diese Kinder, dass sie mit ihren Familien in Sicherheit sind, möglichst schnell ihre schulische Bildung fortführen können und, dass sie die Betreuung bekommen, die sie brauchen. Sei es psychologisch oder sprachlich.

Ich wünsche mir für sie, dass ihnen mit dem Respekt begegnet wird, der jedem Menschen zusteht.

Und ich wünsche mir, dass sie nun ankommen können − in einem Land und einer Gesellschaft, die sie nicht unter Druck setzt und ihnen mit Ablehnung begegnet.

KOMMENTARE

  • 05. Dezember 2018 11:15 Uhr

    Ich bin in der Flüchtlingshilfe tätig und bringe Flüchtlingen Deutsch bei und betreue eine syrische Familie. Ich mache mit den Kindern Schulaufgaben und mache alle Formulare für die Familie und Termine bei Behörden und Ämtern.
    Und Arzttermine. Die Familie integriert sich sehr gut. Meine Flüchtlinge integrieren sich gut. es macht Spaß und man bekommt viel Dank zurück.

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