Syrien: Der 14-jährige Ahmad flüchtete in den Irak.

Flucht und Migration von Kindern

Ein Kind ist ein Kind

Jedes Kind ist in erster Linie ein Kind – ganz gleich, woher es kommt und wo es sich aufhält. Jedes Kind hat Rechte und braucht ein sicheres Zuhause und die Hoffnung auf eine gesunde, sichere und glückliche Zukunft. Doch 2020 lebten 35,5 Millionen Mädchen und Jungen weltweit fernab ihres Geburtslandes. Viele von ihnen mussten vor Krieg und Gewalt fliehen, wie zum Beispiel vor dem bewaffneten Konflikt in der Ukraine. Auf ihrem Weg und in der Fremde werden ihre Not und ihre Rechte immer wieder verletzt. UNICEF macht sich dafür stark, dass sie geschützt und gefördert werden.  

Risiken und Gefahren bei Flucht und Migration

Fehlen sichere und legale Wege der Flucht und Migration, bleibt vielen Kindern und ihren Familien oft nichts Anderes übrig, als auf gefährliche Routen auszuweichen, denn die Gefahr im Heimatland ist häufig noch größer. Dabei sind sie oftmals auch auf Schleuser und kriminelle Netzwerke angewiesen. Die Kinder und Jugendlichen sind somit auf ihren Wegen großen Risiken ausgesetzt: der Gefahr, bei der Bootsüberfahrt zu ertrinken, an Hunger und Durst zu sterben und Opfer von Menschenhandel, Kidnapping, Vergewaltigung oder Inhaftierung zu werden. In den Transit- und Zielländern begegnet ihnen häufig Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Viele werden auf unabsehbare Zeit von ihren Familien getrennt.

Griechenland: Ein junge beobachtet ein Gummiboot mit Geflüchteten.

Bild 1 von 7 | 35,5 Millionen Mädchen und Jungen lebten 2020 als Geflüchtete oder als Migrierte außerhalb ihres Geburtslandes. UNICEF setzt sich für ihre Rechte ein.

© UNICEF/UNI197236/Gilbertson VII Photo
Ukraine: Eine Familie mit elf Kindern verlässt die Ukraine über die rumänische Grenze.

Bild 2 von 7 | Eine Woche nach dem Beginn des Konflikts in der Ukraine sind bereits eine Million Menschen aus dem Land geflohen – darunter hunderttausende Kinder. Viele von ihnen sind allein auf der Flucht oder wurden von ihren Eltern oder Familienangehörigen getrennt.

© UNICEF/UN0599555/Moldovan
Camp Djibouti: zwei Jungen schreiben in ihre Schulhefte.

Bild 3 von 7 | Diese Jungen sind aus dem Jemen geflohen und haben in einem Camp in Djibouti Zuflucht gesucht. Dort sorgt UNICEF dafür, dass Kinder zur Schule gehen können.

© UNICEF/UN0199554/Noorani
Im Camp spielen die Kinder mit alten Autoreifen.

Bild 4 von 7 | Die meisten geflüchteten Kinder und ihre Familie finden innerhalb ihrer Heimatregion Schutz und ein neues Zuhause. 85 Prozent aller Flüchtlinge unter UNHCR-Mandat leben in Entwicklungsländern. 

© UNICEF/UN026687/Everett
Ahmad lernt Deutsch und Mathe.

Bild 5 von 7 | Insbesondere unbegleitete Minderjährige wie Ahmad (16) aus Libanon brauchen Schutz. Er hat sich gemeinsam mit seinem Bruder nach Deutschland durchgeschlagen.

© UNICEF/UN043750/Gilbertson VII Photo
Libyien: ein Kind wurde inhaftiert und sitzt hinter Gittern.

Bild 6 von 7 | Isaa (14) aus Niger wurde mit anderen Migranten in Libyen inhaftiert. Vor zwei Jahren starb seine Mutter. Er machte sich allein auf den gefährlichen Weg. Die Inhaftierung von Kindern muss aufhören, fordert UNICEF.

© UNICEF/UN052682/Romenzi
Zahra, ihre Tochter und ihr Enkel warten auf eine Weiterreise nach Deutschland.

Bild 7 von 7 | Familien gehören zusammen: Zahra (rechts) aus Afghanistan hofft bald zu ihrer Tochter in Deutschland weiterreisen zu können, gemeinsam mit ihrer Tochter Taherel und ihrem Enkel Amirali.

© UNICEF/Siokou-Siova

Wenn geflüchtete und migrierte Kinder nicht ausreichend geschützt werden, kann dies verheerende Folgen für ihr Leben haben. Erfahren Sie mehr darüber im UNICEF-Report „A Child is a Child“.

Auswirkungen der Covid-19-Pandemie

Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus ist eine weitere Gefahr für geflüchtete und migrierte Kinder. In oft überfüllten Flüchtlingslagern mit eingeschränktem Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen leben sie unter Bedingungen, unter denen sich das Virus sehr leicht ausbreiten kann. Auch die medizinische Versorgung der Kinder und ihrer Familien sowie der Zugang zu Informationen in ihrer Muttersprache sind oftmals schlecht. 

Darüber hinaus haben die Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung gravierende Auswirkungen auf die Bildung der Kinder. Bereits vor Ausbruch der Krankheit besuchten nur weniger als die Hälfte aller geflüchteten Kinder eine Schule. Infolge der Pandemie könnten noch mehr geflüchtete und migrierte Kinder als bisher für längere Zeit nicht zur Schule gehen und einige möglicherweise nie dorthin zurückkehren. 

Samos: Im Flüchtlingslager herrschen Katsatrophale hyienische Verhältnisse.

Ein Junge in einem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Samos. Die hygienischen Verhältnisse sind katastrophal. Ein Virus kann sich hier schnell ausbreiten.

© UNICEF/UNI312751/Romenzi

UNICEF fordert die Ausweitung von sicheren, geordneten und legalen Wegen der Migration und der Flucht für Kinder und Jugendliche. Der Menschenhandel muss bekämpft werden, wirksame Kinderschutzsysteme müssen gestärkt werden und der Zugang zu Informationen muss verbessert werden. Auch dürfen Kinder und ihre Familien nicht in ihre Herkunftsländer zurückgeführt werden, wenn sie dort in Lebensgefahr sind oder ihnen Verfolgung droht.

UNICEF fordert den konsequenten Auf- und Ausbau praktischer Alternativen zur Inhaftierung von Minderjährigen, zum Beispiel durch die Unterbringung von unbegleiteten und von ihren Familien getrennten Kindern und Jugendlichen in Pflegefamilien, betreuten Wohnprojekten oder anderen familien- oder gemeindenahen Wohngemeinschaften. Kinder sollten nicht in Einrichtungen für Erwachsene festgehalten werden.

UNICEF fordert strengere Richtlinien, die Kinder und Jugendliche davor schützen, auf dem Weg der Flucht oder Migration von ihren Eltern und anderen Familienmitgliedern getrennt zu werden. Verfahren zur Zusammenführung von Kindern mit ihren Familien in den Zielländern müssen beschleunigt werden. Alle Kinder brauchen offizielle Ausweis- und Identifikationsdokumente und müssen bei der Geburt registriert werden. 

Regierungen, Gemeinden und der Privatsektor müssen gemeinsam mehr dafür tun, um Bildung, Gesundheit, eine Unterkunft, Ernährung sowie Wasser- und Sanitätsversorgung für Kinder und Jugendliche, die sich außerhalb ihrer Heimat befinden, zu gewährleisten. Der Aufenthaltsstatus darf dabei keine Barriere für den Zugang oder die Inanspruchnahme grundlegender sozialer Dienstleistungen sein.

UNICEF fordert, die Mädchen und Jungen stärker vor Konflikten zu schützen und die Strukturen vor Ort nachhaltig zu stärken, damit sie ihre Heimat nicht verlassen müssen. Dazu gehören ein besserer Zugang zu Bildung, ein Ausbau der Gesundheits- und Kinderschutzsysteme, soziale Unterstützung sowie die Förderung von Toleranz und friedlichen Konfliktlösungen. Für die Heranwachsenden sind Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten entscheidend, um in ihrer Heimat eine Perspektive zu haben.

UNICEF appelliert an lokale Entscheidungsträger, religiöse Gruppen, die Zivilgesellschaft sowie Vertreter der Medien und des Privatsektors, Verantwortung zu übernehmen und dabei zu helfen, einer feindlichen Stimmung gegenüber geflüchteten und migrierten Menschen entgegenzuwirken.

Zu Solidarität und Verständnis ruft auch unsere Aktion "Träume sind grenzenlos" auf.

Regierungen sollten härtere Maßnahmen zur Bekämpfung von Diskriminierung und Marginalisierung ergreifen.

Staaten sind dafür verantwortlich, die Rechte aller Kinder zu wahren, die in ihrem Land leben. Und dies frei von Diskriminierung und unabhängig von der Frage, warum sie geflohen sind, wo sie sich aktuell befinden, wie lange und auf welchem Wege sie unterwegs waren und welchen Aufenthaltsstatus sie haben. Deshalb fordern wir die internationale Gemeinschaft dazu auf, den von UNICEF entwickelten 6-Punkte Plan für die Rechte und zum Schutz von geflüchteten und migrierten Kindern in die Tat umzusetzen.

Was macht UNICEF?

Jedes geflüchtete und migrierte Kind hat das Recht auf Schutz und eine Kindheit. Dafür machen wir uns stark. In Krisenregionen wie Syrien, auf den Flucht- und Migrationsrouten und in den Zielländern weltweit fördert UNICEF sowohl durch akute Nothilfe als auch durch langfristige Programme den Schutz, die Versorgung und die Integration der Kinder und Jugendlichen.

In Deutschland haben wir gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) 2016 eine Initiative ins Leben gerufen, um Kinder, Jugendliche und andere Personen mit besonderen Bedürfnissen in Unterkünften für geflüchtete Menschen besser zu schützen. Zudem setzen wir uns mit vielseitigen Aktivitäten der ehrenamtlich Engagierten, politischer Arbeit und Spendenraufrufen für Kinder im Krieg und auf der Flucht ein.

Schutz für geflüchtete Kinder
Tausende Kinder haben auf der Suche nach Sicherheit in Deutschland Asyl beantragt. Jedes von ihnen hat das Recht auf Schutz, eine kindgerechte Umgebung und Bildung.

Schutz für geflüchtete Kinder

Blog-Serie: Kinderrechte sind grenzenlos
Die Situation von Kindern auf der Flucht und in Migration wird oft übersehen. Wir stellen Einzelschicksale aus mehreren Ländern vor, in der Serie "Kinderrechte sind grenzenlos".

Blog-Serie: Kinderrechte sind grenzenlos

Global Compacts
Die Global Compacts zu Flucht und Migration sind bahnbrechend – aber worum geht es genau? Hier ist alles Wissenswerte kurz erklärt.

Global Compacts

Wartezustand
Auch in Deutschland engagieren wir uns für den Schutz und die Förderung von geflüchteten & migrierten Kindern und Jugendlichen.

Wartezustand

UNICEF tut alles dafür, dass Kinder auch unter schwierigsten Bedingungen Hilfe bekommen und ein Stück Normalität im Alltag erfahren können. 

Jetzt helfen
UNICEF tut alles dafür, dass Kinder auch unter schwierigsten Bedingungen Hilfe bekommen und ein Stück Normalität im Alltag erfahren können. Helfen Sie jetzt.

Downloads

Gewaltschutz in Unterkünften_Studie_2020.pdf
Stand: (PDF 3,49 MB)
UNICEF-Report: "Child-sensitive return"
Stand: (PDF 8,8 MB)
UNICEF-Studie: "Kindheit im Wartezustand"
Stand: (PDF 26,4 MB)
UNICEF-Studie: "Beyond Borders"
Stand: (PDF 5,64 MB)
UNICEF-Studie: "A child is a child"
Stand: (PDF 7,02 MB)
UNICEF-Studie: "Harrowing Journeys"
Stand: (PDF 6,59 MB)

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