Libanon: Kinder zahlen höchsten Preis für Eskalation der Gewalt
Laut Berichten rund 285.600 Kinder vertrieben / Mindestens 366 Kinder verletzt oder getötet

Die 12-jährige Zeinab sitzt in einer Schule, die zu einer Notunterkunft umfunktioniert wurde.
© UNICEF/UNI954889/ChoufanyFast zwei Wochen nach Beginn der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten ist die Lage für Millionen Kinder im Libanon nach Einschätzung von UNICEF katastrophal. Laut jüngsten Berichten wurden seit dem 2. März infolge der zunehmenden Feindseligkeiten mindestens 91 Kinder getötet und 275 verletzt. Rund 817.000 Menschen mussten bereits aus ihrem Zuhause fliehen – darunter etwa 285.600 Kinder. Zehntausende wurden bereits durch frühere Eskalationen vertrieben. Viele Familien suchen Zuflucht bei Angehörigen oder übernachten in unfertigen Gebäuden, auf öffentlichen Plätzen oder in einer der schätzungsweise 590 Notunterkünfte. Oft sind diese überfüllt und bieten nicht ausreichend Sicherheit.
„Gerade hören wir viel über Angriffe, Explosionen und steigende Benzinpreise. Doch das Leid der Kinder im Libanon und in der gesamten Region gerät dabei weitgehend aus dem Blick: Kinder, deren Alltag seit fast zwei Wochen von Bomben erschüttert wird. Kinder, die Angehörige verlieren – und mit jeder Explosion ein Stück Sicherheit. Auch ihre Eltern können Angst und Panik nicht verbergen“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „UNICEF-Teams versorgen Kinder und ihre Familien unter schwierigsten Bedingungen mit Wasser und medizinischer Hilfe und bieten psychosoziale Unterstützung sowie Lernangebote. Doch die Lage spitzt sich weiter zu. Kinder müssen unter allen Umständen geschützt werden.“
Durch die Gewalt ist der Unterricht für rund eine Million Kinder unterbrochen. Schule ist in Krisenzeiten nicht nur ein Ort zum Lernen, sondern auch ein zentraler Schutzraum: Sie bietet Stabilität, soziale Kontakte und Unterstützung. Wenn diese Strukturen wegfallen, kann das langfristige Folgen für die Entwicklung von Kindern haben.
Während immer mehr Familien ihre Häuser verlassen, wird zugleich der Zugang zu betroffenen Menschen in manchen Gebieten schwieriger. Tausende Familien sind trotz Evakuierungsanordnungen weiterhin schwer erreichbar oder können nicht fliehen – aus Sorge um ihre Sicherheit, wegen fehlender Transportmöglichkeiten oder aus Angst, ihre Häuser und Lebensgrundlagen zu verlieren.
UNICEF weitet Programme für Kinder aus
UNICEF hat die Nothilfe für betroffene Familien ausgeweitet. UNICEF-Teams und Partner unterstützen Familien in Notunterkünften, verteilen lebenswichtige Hilfsgüter und bieten Kindern psychosoziale Unterstützung. Gleichzeitig hilft UNICEF dabei, Bildungsangebote so weit wie möglich aufrechtzuerhalten – damit Kinder auch in der Krise Schutz, Struktur und Perspektiven erhalten. Mobile Gesundheitsteams ermöglichen medizinische Konsultationen. Kinderschutzteams identifizieren und unterstützen unbegleitete oder von ihren Familien getrennte Kinder.
Kinder brauchen Schutz und Unterstützung
UNICEF hat dazu aufgerufen, die Situation dringend zu deeskalieren und weiteren Schaden für Kinder zu verhindern. Alle Akteure müssen die Zivilbevölkerung sowie zivile Infrastruktur – darunter Schulen und Notunterkünfte – schützen und ihren Verpflichtungen gemäß dem humanitären Völkerrecht nachkommen.
Um in der aktuellen Notlage eine Million Kinder und ihre Familien in den kommenden drei Monaten zu unterstützen, benötigt UNICEF 48,29 Millionen US-Dollar.
UNICEF ruft zu Spenden für Kinder im Libanon und im Nahen Osten auf.
Service für die Redaktionen
Gerne stehen wir für Interviews zur Verfügung oder vermitteln Gespräche mit unseren Kolleg*innen im Libanon – auf Wunsch auch in deutscher Sprache.
Aktuelle Bild- und Videomaterialien stehen hier zur Verfügung.
Weitere Informationen zur UNICEF-Hilfe vor Ort finden Sie hier.