Statement
HINDERNISSE BEI DER BESCHAFFUNG, HERSTELLUNG UND VERTEILUNG VON COVID-19-IMPFSTOFFEN ABBAUEN
New York
Dienstag, 6. April 2021, 16:48 Uhr

Statement von UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore zum Weltgesundheitstag

„Wissenschaftler, Unternehmen, Regierungen, Philanthropen und multilaterale Organisationen weltweit haben innerhalb eines Jahres das Undenkbare geschafft: Sie haben Impfstoffe gegen ein Virus entwickelt, das die Welt zum Stillstand gebracht hat. Und in Rekordzeit testeten und transportierten sie die Impfstoffe und begannen damit, sie zu verabreichen. Das ist eine bemerkenswerte Leistung.

Gesundheitshelferin in Peru bereitet Impfung vor.

© UNICEF/UN0433213/Vilca

Aber damit ist es nicht getan. Überall auf der Welt treten Virusvarianten auf, und mit jeder neuen Variante besteht die Gefahr eines massiven globalen Rückschlags.

Derzeit reicht das Impfstoffangebot nicht aus, um der Nachfrage gerecht zu werden. Und die verfügbaren Impfstoffmengen konzentrieren sich in den Händen einiger weniger Länder. Manche Länder haben sich genügend Impfdosen gesichert, um ihre Bevölkerung mehrmals zu impfen, während andere Länder noch nicht einmal ihre ersten Dosen erhalten haben. Das bedroht uns alle. So werden das Virus und seine Mutationen gewinnen.

Um dem Virus einen Schritt voraus zu sein, müssen wir die Gangart wechseln. Wir müssen auf der Strategie aufbauen, besonders gefährdete Personen zum Beispiel im Gesundheitsbereich zu impfen, aber darauf hinarbeiten, einen gerechten Zugang für alle zu ermöglichen. Wir fordern Regierungen, Unternehmen und Partner auf, drei dringende Maßnahmen zu ergreifen:

Lizenzen und Technologiepartnerschaften

Vereinfachen Sie zunächst die Rechte an geistigem Eigentum (IPR) durch freiwillige und proaktive Lizenzierung. Dies allein wird die Produktion der Impfdosen jedoch nicht beschleunigen. Anders als bei der Arzneimittelherstellung handelt es sich bei der Impfstoffherstellung um einen komplexen Herstellungsprozess mit zahlreichen Komponenten und Schritten.

Inhaber von Rechten des geistigen Eigentums müssten Partnerschaften für den Technologietransfer anbieten, Know-how proaktiv weitergeben und Unteraufträge ohne übermäßige geografische Auflagen oder Mengenbeschränkungen vergeben. Diese Herausforderung erfordert keinen erzwungenen Verzichtserklärungen an Rechten geistigen Eigentums, sondern eine proaktive Partnerschaft und Zusammenarbeit. Jüngste Produktionspartnerschaften wie Pfizer-BioNtech; AZ-SII, J&J- Merck und J&J-Aspen sind ermutigende Beispiele. UNICEF fordert andere nachdrücklich auf, diesem Beispiel zu folgen, um den Umfang und die geografische Vielfalt der Produktionskapazitäten zu erhöhen.

Während Märkte allein nicht garantieren können, dass Innovationen allen zugutekommen, sind freiwillige Lizenzen, gepoolte Fonds und multilaterale Mechanismen wie COVAX eine effektive und realistische Möglichkeit für Produktentwickler und Hersteller, um zusammenzuarbeiten, Innovationen zu entwickeln und einen gerechten Zugang zu Impfstoffen zu ermöglichen.

Impfnationalismus beenden

Zweitens müssen wir den Impfnationalismus beenden. Die Regierungen sollten direkte und indirekte Export- und Importkontrollmaßnahmen aufheben, die den Export von COVID-19-Impfstoffen, -Inhaltsstoffen und -Lieferungen blockieren, einschränken oder verlangsamen.

Viren kennen keine Grenzen. COVID-19 in unseren Heimatländern zu besiegen bedeutet auch, es weltweit zu besiegen, indem ein stetiger Fluss von Impfstoffen und Lieferungen für alle sichergestellt wird.

Überschüssige Dosen COVAX zur Verfügung stellen

Schließlich sollten Regierungen, die Verträge für mehr Dosen abgeschlossen haben, als für die Impfung ihrer gesamten erwachsenen Bevölkerung erforderlich sind, die meisten oder alle überschüssigen vertraglich vereinbarten Dosen für 2021 sofort an COVAX ausleihen, freigeben oder spenden, damit die Impfstoffe überall auf der Welt gerecht verteilt werden können.

Darüber hinaus sollten Länder mit einem ausreichenden Bestand an Impfdosen in Betracht ziehen, sofort mindestens 5 Prozent ihrer verfügbaren Menge zu spenden, und sich dazu verpflichten, das ganze Jahr über fortlaufend – mit steigender Verfügbarkeit - weitere Beiträge zu leisten.

Diese Selbstverpflichtungen würde die Planbarkeit von Impfungen verbessern, den gerechten Zugang zu Impfstoffmengen beschleunigen und zur Stabilisierung des globalen Impfstoffmarktes beitragen.

Die COVID-19-Pandemie hat uns allen klargemacht, dass niemand in Sicherheit ist, bis alle in Sicherheit sind. Ein gerechter Zugang zu COVID-19-Impfstoffen ist jedoch in greifbarer Nähe.

Wir haben gezeigt, dass die Welt ihre Kräfte bündeln kann, um das Undenkbare zu tun, und wir müssen es erneut tun. Je früher wir es tun, desto eher werden sich unser Leben und das unserer Kinder wieder normalisieren.“

Chrisitine Kahmann, UNICEF Deutschland

CHRISTINE KAHMANN

Pressesprecherin - Aktuelle Themen, Nothilfe
0221-93650-298
E-Mail: presse(at)unicef.de