TAG 1: ANKUNFT IN BANGLADESCH

Ich bin heute mit meinem Team in Bangladesch angekommen. Der asiatische Staat ist mit 158,5 Millionen Einwohnern nach Monaco, Malta und Vatikanstadt der am vierten dicht besiedelte Flächenstaat der Welt. Die Gewalt gegen Kindern und Frauen ist hier enorm hoch. Die wohl brutalste Form der Gewalt in Bangladesch ist die „Bestrafung“ von Frauen mit Säure. Sie ist extrem schmerzhaft und entstellt die Frauen ihr Leben lang. Ich bin mit meinem Team hierher gereist, um den Opfern zu helfen, Aufmerksamkeit auf ihre Schicksale zu lenken. Denn sie wollen kämpfen und das Schrecklichste, was sie erlebt haben, öffentlich machen.

Ankunft von Sandra Thier in Bangladesch. © Steven Pan/UNICEF/RTLII

© Steven Pan/UNICEF/RTLII

Bangladesch ist ein Land, in dem Männer dominieren. Frauen und Mädchen sind vor allem in ärmeren Gegenden wenig wert. Erheben sie ihre Stimme, treffen sie eigene Entscheidungen, werden sie oftmals geschlagen: vom Vater, Bruder, Onkel, später vom Ehemann. Viele von ihnen werden in jungen Jahren zwangsverheiratet. Können ihre Eltern die Mitgift nicht zahlen, droht eine unglaubliche Strafe: Säure!

Und als ob das nicht schon grausam genug wäre, trifft die Gewalt auch Babys und Kinder. Denn hier in Bangladesch ist es üblich, dass die Jungen und Mädchen bis zum Alter von zehn Jahren bei der Mutter schlafen. Da die Attacken im Schutz der Dunkelheit verübt werden, trifft es oftmals auch den eigenen Nachwuchs.

Lange wurden diese Vorfälle nicht geahndet, weil die Gesellschaft sie geduldet hat. Aber immer mehr Betroffene kämpfen dagegen. Auch mit Anwälten, die die Attentäter vor Gericht stellen. Keine leichte Aufgabe, aber es gelingt immer öfter, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Gezeichnet ein Leben lang − eine Herausforderung für die gesamte Familie. Morgen besuche ich eine Einrichtung, die von UNICEF unterstützt wird. Dort werden Opfer über Jahre hinweg betreut, um die unvorstellbaren psychischen und physischen Qualen zu überstehen und eine neue Existenz aufbauen zu können.

Erste Eindrücke aus Bangladesh