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Syrische Flüchtlinge packen als Freiwillige selbst mit an


von Ninja Charbonneau

Heute stellen wir Ihnen drei tolle Menschen vor.

Sie alle kümmern sich in Jordanien als freiwillige Helfer um syrische Kinder. Sie sind selbst Flüchtlinge und froh über die Möglichkeit, gemeinsam mit UNICEF zu helfen. „Ich weiß genau, wie die Kinder sich fühlen. Ich komme auch aus Syrien, bin einer von ihnen“, sagt zum Beispiel der ehemalige Musiklehrer Firas.

Der Musiker: „Musik kann negative Energie in positive Gefühle verwandeln“

Syrische Freiwillige: Musiker Firas
© UNICEF DT/Ninja Charbonneau

Wenn Firas, 38, zu seiner täglichen Musik-Session mit syrischen Kindern kommt, ändert sich sofort die Stimmung. Eine Traube von Kindern bestürmt ihn mit ihren Liederwünschen. Sie strahlen, singen und klatschen zu den Songs, die Firas auf dem traditionellen Saiteninstrument Oud anstimmt.

„Die Kinder fragen mich manchmal nach traurigen Liedern, die sie an Syrien erinnern. Wenn ich die spiele, möchte ich am liebsten selbst weinen. Deshalb spiele ich meistens fröhliche Lieder, damit die Kinder auf andere Gedanken kommen und glücklich sind. Musik hat die Kraft, negative Energie in positive Gefühle zu verwandeln. Dann können die Mädchen und Jungen wieder nach vorne schauen.“

Meistens singen sie Lieder aus „Bird’s Paradise“, einem Kinderfernsehprogramm, das sowohl in Syrien als auch Jordanien sehr beliebt ist. Firas, Vater von vier Kindern, ist vor drei Jahren nach Jordanien geflohen. Seit einem Jahr kommt er jeden Tag für seine Musik-Session in das von UNICEF unterstützte Kinder- und Familienzentrum im jordanischen Irbid. Er liebt diese freiwillige Arbeit mit Kindern und Musik. „Es macht mich sehr zufrieden, wenn ich den Kindern etwas Gutes tun kann.“

Die Lehrerin: „froh über sinnvolle Beschäftigung im Flüchtlingscamp“

Als jede Nacht Bomben im syrischen Dera‘a einschlugen, haben die drei Kinder von Omamah, damals drei, fünf und sieben Jahre alt, darum gebettelt, dass sie endlich weggehen. Vor zwei Jahren hat die Familie ihre Heimat verlassen, seit über einem Jahr leben sie jetzt im Za’atari Camp in Jordanien. „Das Positive ist, dass wir hier sicher sind und die Kinder wieder zur Schule gehen“, sagt Omamah (39). „Aber wir haben unser Haus verloren, wir haben Angehörige verloren, und ich vermisse es morgens aufzuwachen mit all meinen Sachen um mich herum. Hier wohnen wir in einem kleinen Container und leben von Tag zu Tag.“

Syrische Freiwillige: Lehrerin Omamah
© UNICEF DT/Ninja Charbonneau

Omamah und ihr Mann Ibrahim haben in Syrien 15 Jahre lang als Lehrer gearbeitet, doch wegen der Kämpfe blieben die Schulen geschlossen und sie bekamen kein Gehalt mehr. Ibrahim leidet sehr darunter, dass er in Jordanien nicht arbeiten und für seine Familie sorgen kann. Omamah ist froh und dankbar, dass sie als freiwillige Assistenzlehrerin in der Camp-Schule Nummer drei wieder eine sinnvolle Beschäftigung hat und etwas Geld verdient. UNICEF bezahlt den Freiwilligen in Jordanien im Rahmen eines „Cash for Work“-Programms eine Aufwandsentschädigung – nicht viel, aber für die Familien ist es häufig die einzige Einkommensquelle, denn eine richtige Arbeitserlaubnis bekommen die syrischen Flüchtlinge nicht.

„Ich hoffe, dass wir bald nach Syrien zurück können“, sagt Omamah. „Manchmal denke ich, es wäre besser gewesen, dort zu bleiben, aber wir hatten keine Wahl. Ich wünsche mir, dass unsere Kinder irgendwann wieder ein normales Leben haben und nicht für immer im Camp aufwachsen müssen.“

Der Betreuer: „Ich kann mir nichts Schöneres mehr vorstellen“

Auf ein Zeichen von Zayed sind ein Dutzend Mädchen plötzlich ganz still. „Sucht etwas Rotes“, sagt er, und schon stürmen sie kreischend los, zu der Wand mit den bunten Bildern. „Etwas Gelbes!“ Alle rennen zu den Tischen. „Und jetzt etwas Schwarzes!“ Kichernd hängen sich die Mädchen an Zayed mit seinem schwarzen T-Shirt. Im Kinderzentrum „Schlumpf“ im Flüchtlingscamp Azraq ist Zayed einer der freiwilligen Betreuer. Jeden Tag kommen rund 100 Kinder in drei Schichten in das von UNICEF und der NGO Mercy Corps betriebene Zentrum, das wie eine farbige Oase in dem trostlosen Camp mitten in der Wüste ist.

Syrische Flüchtlinge: Kinderzentrum im Flüchtlingscamp
© UNICEF DT/Charbonneau

Zayed ist mit 21 Jahren selbst noch sehr jung und hatte sich sein Leben auch anders vorgestellt. In Syrien hatte er gerade angefangen, im ersten Semester Geschichte zu studieren, als der Konflikt ausbrach. Das war vor über drei Jahren. Er sollte zum Militärdienst eingezogen werden, aber der sanfte junge Mann wollte nicht kämpfen, deshalb hat er sich versteckt und schließlich heimlich das Land verlassen. Im Mai 2014 kam er in das Camp Azraq. Mit dem wenigen Geld, das er für seine Tätigkeit als Betreuer im Kinderzentrum bekommt, unterstützt Zayed seine Familie.

„Anfangs fand ich es im Kinderzentrum schwierig und wusste nicht, was ich mit den Kindern machen soll“, sagt Zayed. „Aber dann habe ich von UNICEF ein Training bekommen und das hat mir sehr geholfen. Jetzt kann ich mir gar nichts Schöneres mehr vorstellen als mit den Kindern zu arbeiten.“ Und keine Frage, die Kinder können sich auch kaum etwas Schöneres vorstellen, als mit Zayed und den anderen Freiwilligen zu spielen und zu toben und für ein paar Stunden ihre Erlebnisse in Syrien und ihren öden Alltag im Flüchtlingscamp zu vergessen.

Auch in Deutschland setzen sich viele Menschen gemeinsam mit UNICEF als Freiwillige für Kinder ein – selbstverständlich ehrenamtlich. Möchten Sie mitmachen?

Ninja Charbonneau
Autor*in Ninja Charbonneau

Ninja Charbonneau ist Presse-Expertin und bloggt zu aktuellen UNICEF-Themen in den Medien.