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Syrien: Zertrümmerte Häuser, verstörte Kinder


von Ninja Charbonneau

Nicht nur Bomben und Geschosse bedrohen Kinder in Syrien, sondern auch der Zusammenbruch der Infrastruktur in Teilen des Landes. Welchen Alptraum die Kinder durchleben, können wir uns nur schwer vorstellen.

Mutter mit ihren Kindern in Aleppo. ©UNICEF/NYHQ2012-1297/Romenzi

Mutter mit ihren Kindern in Aleppo.

© UNICEF/Romenzi

Durch die Berichte unserer UNICEF-Kollegen, die dort unter schwierigsten Bedingungen arbeiten, bekommen wir einen Eindruck vom Leid der Menschen, über das wir in den täglichen Nachrichten kaum etwas erfahren.

Ende Oktober haben UNICEF-Mitarbeiter einige Flüchtlingskinder interviewt, deren Namen wir zu ihrem Schutz nicht nennen. Ein 14-jähriges Mädchen aus der Region von Damaskus sagte: „Bei jedem lauten Geräusch habe ich sofort die Bilder von Tod und Zerstörung wieder vor Augen. Ich habe große Angst, dass ich sterbe, ohne mein Zuhause wieder zu sehen. Ich weine jeden Tag. Meine Eltern wollen nicht, dass wir zur Ruine unseres Hauses gehen, wir sollen nicht darum trauern. Ich würde gerne zurückgehen, meine Sachen holen und unsere Wohnung sauber machen, die erst vor kurzem renoviert worden ist.“

Nach wie vor sind rund 1,2 Millionen Menschen, die Hälfte davon Kinder und Jugendliche, im eigenen Land auf der Flucht. Eine Bedarfsanalyse von UNICEF in der Provinz al-Raqqah im Osten Syriens hat ergeben, dass hier zusätzlich zu den rund 1,1 Millionen Einwohnern zur Zeit rund 500.000 Flüchtlinge leben. Man stelle sich nur mal vor, in einer Stadt wie Köln wäre die Zahl der Bewohner innerhalb einiger Monate um die Hälfte gestiegen!

Die Menschen in der gleichnamigen Provinzhauptstadt al-Raqqah haben mit großen Problemen zu kämpfen. Mitarbeiter aus dem Gesundheits- oder Bildungsbereich wurden getötet, verletzt oder entführt. Viele Gegenden beschreiben die UNICEF-Kollegen als „No-Go“- Zonen. In der Kinderstation des Krankenhauses gibt es 120 Betten, aber 200 kleine Patienten. Von den rund 20 Inkubatoren für Neugeborene funktionieren sieben nicht mehr, auf der Warteliste stehen 60 Babys. Laut Krankenhaus-Mitarbeitern sind schon viele Babys gestorben, weil nicht genügend Brutkästen zur Verfügung standen. Sie sagen auch, dass deutlich mehr Frauen als vor Beginn der Unruhen mit Früh- und Fehlgeburten ins Krankenhaus kommen.

Unterschlupf in einem Keller in Aleppo. ©UNICEF/NYHQ2012-1295/Romenzi

Unterschlupf in einem Keller in Aleppo.

© UNICEF/Romenzi


In ländlichen Gegenden ist die Wasserversorgung teilweise zusammengebrochen. Der einzig übrig gebliebene Lieferant für Chlorgas hat zwischen September und Oktober die Preise verfünffacht. Mindestens zehn der 60 Wasserversorgungs-Stationen sind beschädigt. Unsere UNICEF-Kollegen berichten auch, dass es einen dringenden Bedarf an Hygiene-Artikeln gibt – sie haben Babys gesehen, die statt Windeln Plastiktüten umgewickelt hatten.

UNICEF lässt die Kinder in Syrien nicht allein! Unmittelbar im Anschluss an die Bedarfsanalyse hat UNICEF Hilfsgüter für 60.000 Menschen in al-Raqqah, Tartous und anderen Städten verteilt. UNICEF arbeitet mit Hochdruck daran, weitere dringend benötigte Hilfsgüter bereit zu stellen, darunter auch Brutkästen für Babys und Winterkleidung.

Bitte helfen Sie mit! Hier können Sie direkt für die Syrien-Hilfe spenden. Herzlichen Dank!

Ninja Charbonneau
Autor*in Ninja Charbonneau

Ninja Charbonneau ist Presse-Expertin und bloggt zu aktuellen UNICEF-Themen in den Medien.