BURUNDI: KINDER ZWISCHEN DEN FRONTEN

19. November 2015 von Kristina Müller 0 Kommentare

Eliane Luthi arbeitet für UNICEF in Burundi. Sie berichtet uns aus Bujumbura, wo sie mit Kindern und Experten über die aktuelle Situation gesprochen hat. Seit Monaten erlebt das Land gewaltsame Unruhen, die von der Präsidentschaftskandidatur des Regierungschefs ausgelöst wurden.

„Es ist ein warmer Dienstagmorgen in Bujumbura, der Hauptstadt von Burundi. Die Sonne scheint, Vögel zwitschern. Ich bin gerade auf dem Weg zur Arbeit, als mein Kollege anruft. Er ist Kinderschutz-Experte für UNICEF. Die Nachricht, die er mir übermittelt, passt nicht in diesen Morgen: Ein Kind, gerade mal ein Jahr alt, soll bei Kämpfen in der Provinz Ruyigi getötet worden sein.

Wenige Stunden später haben wir die offizielle Bestätigung. Nun ist es traurige Gewissheit. Das Baby ist das jüngste Opfer des Konflikts. Die Sonne scheint immer noch, aber der Tag hat sich verdunkelt. Mal wieder.

Kinderzeichnung aus Burundi: "Lieber Gott, bitte beschütze mich in der Nacht."

Ein Kind in Burundi hat seine traumatischen Gewalterfahrungen aufgemalt. Auf dem Bild steht geschrieben: "Lieber Gott, bitte beschütze mich in der Nacht."
© UNICEF/PFPG2015-3728/Luthi

„Ich versuche zu fliehen, aber ich kann mich nicht bewegen.“

In den vergangenen sieben Monaten ist Burundi – dieses kleine Land im Herzen Afrikas mit den grünen Hügeln und palmbewachsenen Seeufern – zum Schauplatz eines sich anbahnenden Bürgerkriegs geworden. Kinder sind den Folgen des schwelenden Konflikts besonders schutzlos ausgesetzt. Die traurige Bilanz: Siebzehn Kinder sind bereits gestorben und viele bei Schusswechseln verletzt worden. Jeden Tag werden Mädchen und Jungen Zeugen von Gewaltszenen. Aus langjähriger Erfahrung wissen wir, was dies für ihre psychische Gesundheit bedeuten kann.

Jérémie ist 11 Jahre alt. Er spricht leise und schaut auf seine Hände. „In der Schule bin ich mit meinen Gedanken oft woanders. Und ich habe Albträume, fast jede Nacht. Ich träume von Überfällen. Dann sehe ich Waffen und will fliehen. Aber ich kann mich nicht bewegen. Ich bete mit meinen Großeltern vor dem Schlafen, damit ich keine Albträume habe.“

Ein Lehrer erzählt mir, dass die Kinder große Schwierigkeiten im Unterricht haben. Sie vergessen ihre Bücher, können sich nicht konzentrieren. Während wir uns unterhalten, hören wir Schüsse.

Jérémie hat immer wieder Albträume

Der 11-jährige Jérémie hat immer wieder Albträume: "Ich träume von Überfällen. Dann sehe ich Waffen und will fliehen. Aber ich kann mich nicht bewegen."
© UNICEF/PFPG2015-3723/Luthi

Kinderfreundliche Orte: Spielen gegen die Angst

Jérémie besucht jetzt häufig ein Kinderzentrum in seiner Nachbarschaft. UNICEF hat geholfen, 28 solcher „kinderfreundlichen Orte“ in der Stadt einzurichten. Hier können Kinder sich treffen, zusammen spielen und Sport machen. Sozialarbeiter und Psychologen betreuen die Kinder.

„Eine große Belastung für die Kinder sind tatsächlich Albträume. Sie träumen, dass sie fliehen oder verfolgt werden“, erzählt Karim, einer der Psychologen. In kleinen Gruppen sprechen daher Kinder und Psychologen über das, was sie beschäftigt. Kinder gehen ganz unterschiedlich mit Problemen um. Manche finden eine Lösung, andere verschließen sich. In den Gesprächsrunden können sie voneinander lernen, helfen sich gegenseitig, berichten die Psychologen, die in den "kinderfreundlichen Orten" arbeiten. Auch das Malen von Bildern unterstützt die Mädchen und Jungen dabei, ihre Erlebnisse zu verarbeiten.

Traditionelles Brettspiel in Burundi

Beim traditionellen Brettspiel in einem der "kinderfreundlichen Orte" können die Kinder für einige Momente ihre schlimmen Erfahrungen vergessen.
© UNICEF/PFPG2015-3729/Luthi

Neben den psychischen Folgen bringt die Krise in Burundi auch eine weitere, ganz konkrete Gefahr mit sich: Die Lebensmittelpreise sind in den letzten Monaten enorm angestiegen. Immer mehr Familien haben nicht genug zu essen. In einem Land, das zu den ärmsten der Welt gehört und eine der höchsten Mangelernährungsraten hat, ist das alarmierend.

Kinder und Jugendliche machen die Hälfte der Bevölkerung in Burundi aus – ein enormes Potential. Sie zu schützen und zu fördern ist unverzichtbar, wenn wir die Gewaltspirale durchbrechen und ein friedvolles Zusammenleben nachhaltig aufbauen wollen. Um das zu erreichen, dürfen wir nicht nachlassen in unserer Arbeit!“

"Finding a safe haven in Burundi": Erfahren Sie, wie UNICEF Kindern in Burundi einen sicherern Rückzugsort bietet:

Unterstützen Sie unsere Arbeit! Helfen Sie mit, die Kinder in Burundi zu schützen und ihnen eine Perspektive zu bieten: UNICEF-Projekte in Burundi

KOMMENTAR SCHREIBEN

Herzlich Willkommen im UNICEF-Blog! Für ein faires Miteinander beachten Sie bitte die Verhaltensregeln.
*Pflichtfeld