DREI GRÜNDE, WARUM KINDERRECHTE INS GRUNDGESETZ GEHÖREN
Dienstag, 4. April 2017, 10:40 Uhr
von Lena Dietz | 0 Kommentare

Happy Birthday Kinderrechtskonvention 

Morgen feiern wir Geburtstag: 25 Jahre Kinderrechte in Deutschland! Hipp Hurra! Seit dem 5.4.1992 gilt die UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland.

Ein viertel Jahrhundert ist eine lange Zeit. Währenddessen wurden zum Beispiel einige Positionspapiere, Artikel und Aufsätze geschrieben. Alle zu einem Zweck: die Politik dazu zu bewegen, die Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen. Doch warum sind die Kinderrechte immer noch nicht Teil des Grundgesetzes? Weil unsere Verfassung in Sachen Kinderrechte immer noch ein schwarzes Loch ist. Oder ein weißer Fleck – wie immer man es sehen möchte.

Kinderrechte ins Grundgesetz: Kinderdemonstration vor dem Reichstag in Berlin

Oft gefordert von Jung und Alt: Die Kinderrechte gehören ins Grundgesetz!
© UNICEF/Eventpress Herrmann

Es gibt sehr gute Argumente dafür – sachlich und gut aufbereitet. Ich möchte Ihnen aber heute meine ganz persönlichen "Top 3" der Gründe erläutern, warum Kinderrechte JETZT ENDLICH ins Grundgesetz gehören. Vielleicht sind sie teilweise weniger sachlich und etwas mehr emotional. Aber, hey, einem Geburtstagskind kann man auch mal ein bisschen leidenschaftlicher gratulieren:

1. Juristen gibt es überall – Kinderrechte auch

Ich habe selbst Jura studiert und ich muss zugeben, die Vorlesungen zum "Öffentlichen Recht" gehörten nicht zu meinen Sternstunden im Uni-Alltag. Aber sie sind mir in Erinnerung geblieben. Warum?

Zu den ersten Rechte, die man dort lernt, gehören die Grundrechte: Grundrechte I, Grundrechte II… "Grundrechte sind Abwehrrechte gegen den Staat; Können Grundrechte auch Leistungsrechte beinhalten…?" und und und. Diese Vorlesungen hatte ich bei einem sehr bekannten Professor, der unter anderem auch als Schriftsteller Furore machte und dessen Werk später sogar in die Oskar-Preisträger-Annalen einging. Man kann sich vielleicht vorstellen, dass die Fälle, die wir dort diskutierten nicht langweilig waren und sogar sehr realititätsnah und einprägsam. Aber Kinderrechte…?! Fehlanzeige.

Hätte ich mich nicht später aus eigenem Antrieb während eines Masterstudiums mit dem Thema befasst – hätte ich später als ausgebildete Juristin, mit Befähigung zum Richteramt, vielleicht nie wirklich gewusst, was die Kinderrechte sind.

Was aber bedeutet das für die Kinderrechte?

Juristen gibt es überall. Sie sind nicht nur Richter, Anwälte oder Staatsanwälte, die in rechtlichen Verfahren teils schwerwiegende Entscheidungen treffen müssen. Sie sind auch Beamte, Angestellte bei der Stadt oder in Kommunen, wo täglich Entscheidungen über den Alltag vieler Menschen getroffen werden. Und sie sitzen in Ministerien, schreiben und entscheiden über Gesetzentwürfe – in allen Ressorts wohlgemerkt. Wie aber sollen die Kinderrechte wirklich überall dort Einzug finden, wo Entscheidungen über unseren Alltag getroffen werden, wenn sie in der Ausbildung dieser Menschen keine Rolle spielen?!

Kinderrechte ins Grundgesetz: UNICEF-Botschafterin Eva Padberg mit Schülern beim Aktionstag Kinderrechte

UNICEF-Botschafterin Eva Padberg setzt sich mit Schülern für die Stärkung der Kinderrechte ein.
© UNICEF/Oliver Lang

2. Unser Grundgesetz im Alltag

"Grundgesetz" ist ein abstraktes Wort und es mutet uns immer wieder als ein sehr abstraktes Gebilde an. Auch das fand ich in meiner juristischen Ausbildung anfangs sehr schwierig. Wenn man aber genau hinsieht, leben wir die Grundrechte, überall und jeden Tag.

Warum wird zum Beispiel heute über die Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen offen diskutiert und vor allem warum immer wieder über entsprechende Gesetzesänderungen gestritten? Könnte man nicht einfach darüber hinwegsehen?

Nein, denn die Gleichstellung von Mann und Frau steht im Grundgesetz. Aber warum steht sie dort? Weil sie Ergebnis einer langen Entwicklung und Diskussion ist, die nicht nur durch internationale Rechte sondern auch stark durch unser Gerechtigkeitsempfinden geprägt ist. Wir empfinden eine Ungleichbehandlung (nicht nur von Mann und Frau) als ungerecht und wollen, dass danach gehandelt wird.

Das Grundgesetz entspricht also in vielen Dingen auch einer Grundüberzeugung der Gesellschaft. Jetzt kann man natürlich diskutieren was Henne und was Ei ist: Muss etwas im Grundgesetz stehen, damit die Gesellschaft es als richtig oder wichtig anerkennt oder steht all das im Grundgesetz, was wir für wichtig halten? In Bezug auf die Kinderrechte ist das aber egal. Wenn wir der Überzeugung sind, dass Kinderrechte in unseren Alltag gehören, dann gehören sie auch ins Grundgesetz. Wenn wir wollen, dass sie dort eine größere Rolle spielen, gilt das genauso.

Worauf also warten?!

Kinderrechte ins Grundgesetz: Jugendliche diskutieren mit Bundeskanzlerin Angela Merkel

Bereits 2012 diskutierten Jugendliche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über Kinderrechte wie das Recht auf Meinungsäußerung, Bildung und den Vorrang des Kindeswohls.
© UNICEF/DT2012-23183/Julia Zimmermann

3. Kinderrechte und Kinder verändern die Welt

Aus unserer täglichen Arbeit bei UNICEF kennen wir so viele Geschichten von Kindern, deren Leben sich verändert hat, weil sie ihre Rechte kennen. Sie sind selbstbewusster, gesünder und resistenter gegenüber widrigen Umständen. Diesen Umstand bezeichnet man heute gerne als "Resilienz". Für die Entwicklung der Persönlichkeit des Menschen ist die Kindheit eine ganz entscheidende Zeit. Auch neurologisch ist bewiesen, dass sich in dieser Zeit wichtige Verbindungen knüpfen und Entwicklungen stattfinden, die später nicht mehr nachholbar sind.

Man kann sich nur ansatzweise vorstellen, was es bedeutet, bereits in dieser Phase der Entwicklung über seine Rechte Bescheid zu wissen und sich darauf verlassen zu können, dass es Menschen gibt, die sich um deren Einhaltung kümmern. Wie wäre es zum Beispiel, wenn sich die Kinder darauf verlassen könnten, dass sich eine gesamte Gesellschaft ihren Rechten verschreibt?

Was kann es Wichtigeres geben, als der Generation, die unsere Zukunft in der Hand hat, ein gesundes Selbstbewusstsein zu geben, auf dessen Grundlage sie später wichtige Entscheidungen treffen kann? Was könnte ein besseres Signal an diese Generation sein, um zu zeigen "wir nehmen Euch ernst", als ihre Rechte jetzt in unsere Verfassung aufzunehmen?

Wir bei UNICEF Deutschland bemühen uns, Kinder schon früh über ihre Rechte zu informieren. Und oft zeigt sich, dass die Mädchen und Jungen dann selbst am besten erklären können, worauf es bei ihren Rechten eigentlich ankommt.

Die Lösungen der Rätsel finden Sie übrigens mit einem kurzen Blick in die UN-Kinderrechtskonvention schnell heraus, siehe unten.

Kinderrechte sind kein "weiches Thema" 

Kinderrechte schaffen und sie beeinflussen Fakten. Es ist an der Zeit, dass sie die Beachtung bekommen, die sie verdienen und explizit im Grundgesetz stehen.

  

Ach, übrigens: Nur weil das meine "Top 3"-Gründe für die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz sind, heißt das nicht, dass ich die anderen, ganz sachlichen Argumente weniger wichtig finde!

Kennen Sie diese? Oder haben Sie vielleicht sogar noch ganz andere Argumente im Kopf?

Ich freue mich über neue Anregungen!

KOMMENTAR SCHREIBEN

Herzlich Willkommen im UNICEF-Blog! Für ein faires Miteinander beachten Sie bitte die Verhaltensregeln.
Wir verarbeiten Ihre Daten mit Ihrer Einwilligung gemäß Art. 6 Abs. 1 f DSGVO, damit Sie einen Kommentar hinterlassen können. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
*Pflichtfeld