CORONAVIRUS (COVID-19): WIE SOLL MAN MIT KINDERN DARÜBER SPRECHEN?
Freitag, 20. März 2020, 15:00 Uhr
von Katharina Kesper | 10 Kommentare

ACHT TIPPS: WIE SIE IHR KIND BERUHIGEN UND SCHÜTZEN KÖNNEN

Coronavirus: Eine Mutter tröstet ihren Sohn

Wie können Sie mit Ihrem Kind über das Coronavirus sprechen, es schützen und trösten? Folgende Tipps können helfen.
© UNICEF/UN0198824/Sokhin

Wir alle sind überwältigt von der Fülle an Informationen und Nachrichten über die Verbreitung des Coronavirus, die uns jeden Tag erreichen. Auch für Kinder kann es beunruhigend und verwirrend sein, was sie im Fernsehen, im Internet oder in den sozialen Medien sehen oder von anderen Menschen über das Coronavirus hören. Das kann Angst, Stress oder Traurigkeit bei ihnen auslösen. Deshalb ist es wichtig, offen mit Kindern darüber zu sprechen. Dies hilft ihnen, die Situation besser zu verstehen und damit umzugehen.

1. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über das Coronavirus und hören Sie ihm zu

Sprechen Sie das Thema offen an: Finden Sie heraus, wie viel Ihr Kind bereits weiß, und greifen Sie dies auf. Damit Ihr Kind offen und ehrlich mit Ihnen sprechen kann, sorgen Sie dafür, dass Sie sich in einer angenehmen Umgebung aufhalten. Malen, Geschichten erzählen und andere spielerische Aktivitäten können helfen, das ernste Thema anzusprechen. 

Coronavirus: Kinderzeichnung

Kindern fällt es leichter, über Sorgen und Ängste zu sprechen, wenn sie sich in einem sicheren Umfeld befinden. 
© UNICEF/UNI304659/Cu

Es ist wichtig, dass Sie die Sorgen und Ängste Ihres Kindes nicht verharmlosen. Zeigen Sie, dass Sie diese ernst nehmen und dass es ganz normal ist, sich vor Dingen zu fürchten. Hören Sie zu und schenken Sie Ihrem Kind die volle Aufmerksamkeit. Machen Sie deutlich, dass Ihr Kind jederzeit mit Ihnen reden kann, wann immer es Fragen zu den Coronaviren hat oder das Gespräch mit Ihnen sucht.

2. Seien Sie ehrlich – erklären Sie auf kindgerechte Weise

Erklären Sie auf eine kindgerechte Weise, was gerade passiert. Kinder haben ein Recht darauf zu wissen, was in der Welt vor sich geht. Die Erwachsenen haben die Verantwortung, sie vor Gefahren zu schützen, Ihnen aber auch ehrlich davon zu berichten. Wichtig ist es, eine altersgemäße Sprache zu finden – beobachten Sie die Reaktionen Ihres Kindes und seien Sie sensibel.

Wenn Sie manche seiner Fragen nicht beantworten können, ist das nicht schlimm! Spekulieren Sie nicht oder schwindeln Sie Ihre Kinder nicht an. Versuchen Sie vielmehr, die Antworten rund um Corona gemeinsam mit Ihren Kindern herauszufinden.

Webseiten wie die des Robert-Koch-Instituts oder internationaler Organisationen wie UNICEF oder der Weltgesundheitsorganisation veröffentlichen seriöse Informationen zum Coronavirus. Erklären Sie, dass manche Informationen im Internet nicht korrekt sind und dass es am besten ist, den Fachleuten zu vertrauen.

Coronavirus: Aufklärungsplakat von UNICEF in Italien

Coronavirus: Aufklärungsplakat von UNICEF in Italien.
© UNICEF Italien

3. Zeigen Sie Ihrem Kind, wie es sich schützen kann

Der beste Weg, Kinder vor dem Coronavirus zu schützen, ist regelmäßiges Händewaschen! Sie können den Kindern auch zeigen, wie man beim Husten oder Niesen das Gesicht mit dem Ellbogen verdeckt. Bitten Sie Ihr Kind, Ihnen zu sagen, wenn es sich krank und fiebrig fühlt oder wenn es Husten oder Atembeschwerden hat. So erfahren Sie direkt, ob Ihr Kind Symptome vernimmt, die auf das Coronavirus zutreffen können.

Coronavirus: Kinder beim Händewaschen

Beim Händewaschen gilt: Ausreichend Seife auf die nassen Hände auftragen!
© UNICEF/UNI310762/Viet Hung

Gemeinsam gegen das Coronavirus

In unseren Projektländern klären UNICEF-Helfer Familien über den richtigen Schutz vor dem Coronavirus auf und verteilen Hilfsgüter wie Handseife. Sie können mithelfen, noch mehr Menschen zu erreichen und zu schützen. Vielen Dank!

Euro
Gemeinsam gegen das Coronavirus

4. Beruhigen Sie Ihr Kind

Nahezu überall begegnen uns derzeit beunruhigende Bilder und Nachrichten. Deshalb kann der Eindruck entstehen, als ob die Krise allgegenwärtig sei. Kinder unterscheiden nicht immer zwischen den Bildern auf dem Bildschirm und ihrer eigenen persönlichen Realität. Sie können glauben, dass sie selbst in Gefahr seien. Sie können Ihrem Kind helfen, mit dem Stress und der Angst umzugehen, indem Sie sich Zeit nehmen, mit ihm spielen, ihm Raum für Entspannung bieten. Halten Sie Routinen und eingespielte Tagesabläufe so weit wie möglich ein, zum Beispiel vor dem Schlafengehen.  

Coronavirus: Ein Vater spielt mit seiner Tochter

Zeit und Raum für Spielen und Entspannung hilft Ihren Kindern zu entspannen.
© UNICEF/UN0217148/Shennawi

Wenn Ihr Wohnort zu einem Risikogebiet zählt oder die Schule oder Kindertagesstätte Ihres Kindes geschlossen wurde, erklären Sie Ihrem Kind, dass es wahrscheinlich nicht krank werden wird, dass die meisten Menschen, die sich angesteckt haben, nicht schwer krank werden und dass viele Menschen daran arbeiten, Ihre Familie, Großeltern und Freunde und Bekannte zu schützen.

Wenn sich Ihr Kind krank fühlt, erklären Sie ihm, dass es besser zu Hause bleiben soll, weil das sicherer für es selbst und für seine Freunde ist. Zeigen Sie Verständnis dafür, dass das vielleicht langweilig oder auch beunruhigend ist und machen Sie klar, dass man sich im Moment an diese Regeln halten muss, damit alle geschützt sind. Wir haben für Sie in einem weiteren Blogbeitrag mögliche Lern- und Bastelangebote zusammengestellt.

5. Finden Sie heraus, ob Ihr Kind Stigma oder Vorurteile erlebt

Das Coronavirus hat in vielen Ländern Ängste und Vorurteile verstärkt. Zum Beispiel gibt es Berichte, wonach asiatisch aussehende Menschen ausgegrenzt werden, weil sie mit dem Erreger in Verbindung gebracht werden. Seit dem Beginn der Pandemie gibt es zahlreiche Berichte über Diskriminierung. Wenn Kinder in der Schule Mobbing erfahren, müssen sie ermutigt werden, mit Erwachsenen, denen sie vertrauen, darüber zu sprechen. 

Erklären Sie, dass das Coronavirus nichts damit zu tun hat, wie jemand aussieht, woher er kommt oder welche Sprache er spricht. Erinnern Sie Ihre Kinder daran, dass jeder Mensch – jedes Kind – ein Recht darauf hat, sich jederzeit sicher zu fühlen. Mobbing ist immer falsch, und wir sollten alle freundlich miteinander umgehen und uns gegenseitig unterstützen.

6. Erzählen Sie Helden-Geschichten

Erklären Sie Ihren Kindern, wie wichtig es ist, dass sich Menschen gegenseitig helfen. Erzählen Sie von Krankenschwestern oder Ärzten, Wissenschaftlern oder Apothekern, die sich für andere einsetzen, die helfen, den Ausbruch zu stoppen, und die dabei sind, einen Impfstoff zu entwickeln. Es gibt Ihren Kindern Hoffnung und nimmt ihnen Ängste, wenn sie wissen, dass es viele hilfsbereite Menschen gibt.

In den sozialen Medien zeigen UNICEF-Unterstützer mit dem Handwasch-Move: Händewaschen ist wichtig und macht Spaß! Tanzen Sie ihn doch auch mal mit Ihren Kindern:

7. Achten Sie auf sich selbst

Sie können Ihren Kindern nur dann gut helfen, wenn es auch Ihnen gut geht und Sie nicht besorgt oder verängstigt wirken! Denn Kinder sind sehr aufmerksam. Sie bemerken sofort, wenn Sie nicht die Wahrheit sagen. Wenn Sie sich ängstlich oder verunsichert fühlen, nehmen Sie sich Zeit für sich selbst und wenden Sie sich an andere Familienmitglieder, Freunde und Vertrauenspersonen in Ihrem Umfeld. Nehmen Sie sich Zeit, um Dinge zu tun, die Ihnen helfen, sich zu entspannen und zu erholen.

8. Achten Sie darauf, wie das Gespräch auf Ihr Kind gewirkt hat

Achten Sie darauf, was all diese Informationen mit Ihrem Kind machen. Wir dürfen Kinder nicht verängstigt oder verunsichert zurücklassen. Versuchen Sie, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel Angst Ihr Kind hat. Dazu sollten Sie auf seine körperliche Reaktion (Tonhöhe, Körpersprache, Atmung) achten. Erinnern Sie Ihr Kind daran, dass es jederzeit auch über andere schwierige Themen mit Ihnen sprechen kann. 

Coronavirus: Mädchen im Arm seiner Mutter

Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie immer für es da sind. 
© UNICEF/UN043087/Rich

* Dieser Blogbeitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und bezieht sich auf Informationen von unserem UNICEF-Kommunikationsspezialisten Jacob Hunt.

GEMEINSAM GEGEN DAS CORONAVIRUS

Um das Coronavirus zu stoppen, müssen wir alle zusammenarbeiten. Das gilt nicht nur hier in Deutschland, es gilt weltweit. 

Wir von UNICEF tun in unseren Programmländern alles, um vor allem Kinder und Familien vor einer Ansteckung zu schützen. Dabei brauchen wir Ihre Unterstützung. Jeder Beitrag hilft.

150 Stück Handseife, um eine Gemeinde / ein Dorf auszustatten
240 Paar Einmalhandschuhe für Mitarbeiter in Gesundheitszentren & Kliniken
für Aufklärungsarbeit zum Schutz vor Ansteckung z. B. über Radio, Plakate, Social Media

KOMMENTARE

  • 01. April 2020 20:05 Uhr

    Kinder haben zur Zeit viele Fragen zur aktuellen Lage.
    Aus aktuellem Anlass möchte ich in diesem Buch die Geschichte vom Coronavirus, aus der Sicht des Virus erzählen.
    Auch einige wichtige Tipps zum Umgang mit der Krankheit gibt es in dem kleinen Büchlein.
    Zum lesen als PDF unter:
    https://design-fotolulu.de/Warum_Corvid_die_Welt_erschreckte_free.pdf

  • 22. März 2020 21:17 Uhr

    Ja, das finde ich wichtig, wir sollten alle wieder aufmerksamer miteinander umgehen. Die jungen Menschen haben Recht, wenn sie uns darauf hinweisen, dass wir in der Vergangenheit nicht auf unsere Umwelt geachtet haben… Aber jetzt ist auch die Jugend gefragt, auf uns Ältere, die wir ihnen eine sorgenfrei Jugend bisher bereitet haben, zu achten… Und d.h. ganz konkret: Einfach einmal für einige Zeit auf alle Annehmlichkeiten verzichten und sich einschränken und auf andere, in diesem Fall auf die Risiko-Generation, Rücksicht nehmen!
    Danke, liebe Kinder und Enkel!

  • 19. März 2020 14:03 Uhr

    Ich spreche hier einmal über die Jugendlichen. Es ist schwer, sie "festzuhalten", denn das Zusammensein mit ihren Cliquen ist für sie so wichtig. Dabei sind sie durch ihre vielen Aktivitäten im Sport, in Clubs und mit Freunden potenzielle "Verteiler" von Viren. Verbieten funktioniert nicht mehr, denn sie haben ihren eigenen Kopf. Gefragt ist daher eine Balance aus an erster Stelle einfühlsamen Gesprächen, Aufforderungen, Verabredungen. Das Ganze, ohne zu viel Angst zu machen, denn auch die vermeintlich selbstbewussten jungen Leute haben Angst und sind verunsichert. Sie sollen, wie wir alle, vernünftig und verantwortlich handeln, ohne panisch zu werden - eine Herausforderung.

  • 19. März 2020 11:23 Uhr

    Vielen Dank an alle Freiwilligen und Mitarbeiter von UNICEF, die sich die Zeit genommen haben, uns die Informationen mitzuteilen, die Sie erhalten! Vielen Dank auch, dass Sie sich in dieser kritischen Zeit um uns gekümmert werden.
    Zurzeit ist meine Familie gesund. Es gibt große Chance, dass so nicht bleiben würde, weil wir alle beim Gesundheitssystem beschäftigt sind. Wenn wir an einem Ort zusammenkommen würden, könnten wir ein kleines Intensivstation mit drei Ärzten und drei Krankenschwestern einrichten. Trotz dem Risiko, tun wir alles, was wir können, der Menschen zu helfen.
    Auf Namen der meinen Kollegen, möchte ich allen für Ihre Unterstützung danken und bitten Sie alle noch ein Mal, den Anweisungen von Regierungsbeamten und Gesundheitseinrichtungen zu folgen, auch wenn sie Ihnen sinnlos erscheinen. Sie sind in erster Linie zu Ihrem Schutz eingerichtet. Bleiben Sie, bitte, zu Hause, wenn Sie nicht arbeiten müssen. Vermeiden Sie alle sozialen Kontakte mit anderen Personen, das heißt lieber mit eiander über Telefon/ Internet reden, als irgendwo draußen treffen. Händewaschen sollte immer im Kopf sein, nicht als Reflexhandlung, sondern als bewusste Verpflichtung, weil, glauben Sie mir, wenn wir etwas reflexartig tun, ohne nachzudenken, machen wir Fehler, die uns nicht sofort bewusst sind. Im Moment ist jede Oberfläche, die wir mit unserer Hand berühren, ein großer Feind, und die beste unsere Unterstützung ist Händen zu waschen. Wenn Sie erkältet sind, trägen Sie bitte das Mundschutzt, husten Sie ins einmaligen Taschentuch, oder eventuell in die Biegung des Ellboges! Das sind alles kleine Sachen, aber große Hilfe!
    Schönen Tag und bleibt gesund!

  • 19. März 2020 11:12 Uhr

    Wir sind Großeltern, sind 67 jahre alt und müssen leider feststellen, das Viele der Generation nach uns, also Leute zwischen 30 und 45 Jahren recht sorglos mit der Situation umgehen bzw. die notwendigen Schutzmaßnahmen für übertrieben halten. Das können wir nicht verstehen, denn viele dieser Leute und auch Jüngere haben uns noch vor einiger Zeit vorgeworfen, wir hätten sie, bzw. würden sie um ihre Zukunft betrügen. Ich meine damit die Demonstrationen an jedem Freitag. Das sorglose Umgehen mit der Krise kann uns unser Leben kosten, darüber sollten diese " Ignoranten " einmal nachdenken.
    Mir ist bewußt, das es auch andere Leute gibt, die verantwortungsvoll mit der Situation umgehen, aber in unserem unmittelbaren Umfeld hören wir immer wieder von den Negativbeispielen.

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