EINZIGE CHANCE MIGRATION: ERIC AUS HONDURAS ERZÄHLT

16. August 2018 von Ninja Charbonneau 0 Kommentare

„Ich hatte nicht gerade eine tolle Kindheit“, sagt der heute 18-jährige Eric. Er war neun Jahre alt, als seine Mutter mit ihm und seiner jüngeren Schwester aus Verzweiflung die Heimat Honduras verließ. 

Hier erzählt er in eigenen Worten, welch tiefe Spuren die traumatischen Erlebnisse der Armut, Migration, Rückführung und noch größerer Armut hinterlassen haben.

Honduras: Eric in seinem Zuhause

Eric (18) in seinem Zuhause in El Progreso, Honduras. 
© UNICEF/UN0217769/Bindra

Wie der neue UNICEF-Bericht „Uprooted in Central America and Mexico“ zeigt, erleben viele Kinder und Familien in Zentralamerika und Mexiko einen Teufelskreis: Extreme Armut, Gang-Gewalt und Perspektivlosigkeit treiben sie in die irreguläre Migration, doch wenn sie ohne Unterstützung in ihr Heimatland zwangsweise zurückgeführt werden, sind sie oft in noch größerer Not und Gefahr. In Erics Heimat Honduras leben 74 Prozent der Kinder in Armut.

„Meine Mutter hatte alle Hoffnung verloren, weil sie keinen Job finden konnte“, erzählt Eric. „Sie hat nach einem Weg gesucht, Essen für uns zu besorgen. Sie war verzweifelt. Deshalb hat sie entschieden, mit uns in die USA zu gehen, damit wir eine bessere Bildung bekommen und ein besseres Leben haben.“ 

9-jähriger Junge mit vorgehaltener Waffe gestoppt

Doch es kam anders. Die Familie verließ Honduras und reiste mit dem Bus viele Stunden lang durch Guatemala, bis sie Mexiko erreichten. „An einer Straßensperre forderte mich ein Polizist mit einem Gewehr auf, den Bus zu verlassen“, sagt Eric. „Sie haben mich wie einen Kriminellen behandelt. Sie haben einen neunjährigen Jungen wie einen Kriminellen behandelt und mir eine Waffe an den Kopf gehalten. Ich hatte solche Angst, dass ich gezittert habe.“ 

Eric hörte, wie einer der Polizisten jemanden anrief und ihm sagte, die Frau in seinem Gewahrsam habe dunklere Haut als die Kinder in ihrer Begleitung. „Der Polizist sagte: ‚Es sollte kein Problem geben, weil sie nicht so aussehen wie sie… also komm, so schnell du kannst, und nimm sie mit.‘ In diesem Moment hatte ich die größte Angst, weil der Mann uns verkaufen wollte“, sagt Eric. „Aber ein anderer Polizist kam und brachte uns in ein Gefängnis voller Mütter und Kinder.“

Gefängnis voller Mütter und Kinder: Vier Monate in Abschiebehaft

„Nach vier Monaten wurden wir nach Honduras zurückgeführt, ohne einen Penny. Wir hatten keine Wohnung. Wir hatten alles verkauft. Wir haben bei einem Onkel gewohnt, einem Bruder meiner Mutter, und dann hat sich meine Mutter entschieden, wieder wegzugehen und Geld zu verdienen. Ich musste mich um meine Schwester kümmern.“

Honduras: Erics Mutter und Schwester umarmen sich.

Erics Schwester Gabriella, 15, und seine Mutter Erica, 39.
© UNICEF/UN0217793/Bindra

Eric erinnert sich, dass seine Mutter zu ihm sagte: „Du bist ein kleiner Junge, aber du hast nicht den Verstand eines Kindes. Du hast den Verstand eines Erwachsenen wegen all der Ereignisse.“ 

Eric musste viel zu jung erwachsen werden, und die traumatischen Erlebnisse haben tiefe Wunden hinterlassen. „All das Leid ist immer noch präsent“, sagt Eric. „Ich hatte psychologische Probleme wegen dem, was ich durchgemacht habe. Ich war kein Kind wie die anderen, die gespielt haben, entspannt und glücklich. Ich war anders wegen der Probleme, die wir hatten.“

Auch jetzt noch macht der Junge sich Sorgen, wie er seiner Mutter helfen kann. Weil die Familie ihre Miete nicht bezahlen kann, droht ihnen die Zwangsräumung. 

Honduras: Eric lernt fleißig

Eric, 18, lernt fleißig – doch in seiner Heimat sieht er keine Zukunft.
© UNICEF/UN0217800/Bindra

Eric studiert Buchhaltung und möchte gerne zusätzlich Management studieren. Er träumt davon, Unternehmer zu werden, Geld zu verdienen und ein Haus für seine Familie zu kaufen. Aber in Honduras sieht er keine Möglichkeit, einen Job zu finden. Deshalb denkt er darüber nach, noch einen Versuch zu machen, in die USA zu gelangen. 

Trotz und wegen der Erlebnisse, die seine Kindheit auf tragische Weise geprägt haben, erscheint ihm Migration die einzige Chance.

SERIE: „KINDERRECHTE SIND GRENZENLOS”

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