ERDNUSSPASTE DIREKT VOM FLIESSBAND

16. März 2018 von Tim Rohde 6 Kommentare

Kampf gegen den Hunger, direkt vor Ort: In Niger steht die erste "Plumpynut"-Fabrik auf afrikanischem Boden. Unsere Kollegin Claudia Berger war vor Ort.

Eine Mutter füttert ihr geschwächtes Kind mit nahrhafter Erdnusspaste.

Eine Mutter füttert ihr geschwächtes Kind mit nahrhafter Plumpynut-Erdnusspaste.
© UNICEF/UNI.DT2014-57981/Adriane Ohanesian

Plumpynut wirkt: Die therapeutische Erdnusspaste hat die Behandlung von mangelernährten Kindern revolutioniert. Mit Erdnüssen, Öl, Zucker, Milchpulver, Vitaminen und wichtigen Mineralstoffen gibt es geschwächten Kinder schnell wieder Energie – innerhalb von rund vier Wochen sind sie wieder stabil. Unzählige Kinder sind dadurch bereits vor dem fast sicheren Hungertod bewahrt worden - beispielsweise in einem Land wie Südsudan, in dem die Bevölkerung unter Bürgerkrieg und ständiger Nahrungsknappheit leidet.

Ein kleines, silberglänzendes Päckchen Plumpynut enthält rund 500 Kalorien. Außerdem ist die Paste weich, auch für kleine Kinder leicht zu essen und sehr lange haltbar. Viele Vorteile – kein Wunder, dass UNICEF einen Großteil der Bestände aufkauft und die Paste weltweit dort verteilt, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Doch wie und wo wird die nahrhafte Erdnusspaste eigentlich hergestellt?

Vor Ort produzieren, Effizienz steigern

Fabrik in Niger: Plumpynut-Produktion.

Fabrik in Niger: Einblicke in die Plumpynut-Produktion.
© UNICEF/DT2017-58881/Claudia Berger

Lange wurde Plumpynut in erster Linie in Frankreich gefertigt. Dort hat die Firma Nutriset, Erfinder von Plumpynut, ihren Sitz. Doch warum nicht direkt dort produzieren, wo die therapeutische Nahrung vor allem gebraucht wird? Seit einigen Jahren gibt es nun schon eine Plumpynut-Fabrik in Afrika – sie steht in Niamey, der Hauptstadt von Niger. Eines der ärmsten Länder der Erde.

Dort kann die nahrhafte Erdnusspaste komplett produziert und schneller in die umliegenden Regionen verteilt werden. Das ist viel effizienter, als die Paste über weite Wege transportieren zu müssen. Gleichzeitig werden lokale Farmer und Händler unterstützt, die einige der benötigten Rohstoffe liefern – das kommt der Wirtschaft der gesamten Region zugute.

Besuch in der Erdnusspasten-Fabrik

UNICEF-Mitarbeiterin Claudia Berger und TZ-Redakteurin Dorit Caspary

UNICEF-Kollegin Claudia Berger (rechts), hier mit Dorit Caspary, Redakteurin der TZ.
© UNICEF/DT2017-59682/Claudia Berger

Unsere Kollegin Claudia Berger hat sich die Fabrik vor Ort angeschaut. Jeder Besucher und Mitarbeiter hier muss stets Schutzkleidung tragen. „Hygiene ist das Allerwichtigste“, erklärt Ismael Barmou, der Direktor der Fabrik STA (Societe de Transformation Alimentaire). „Wir stellen ein sehr sensibles Produkt her für eine sehr sensible Zielgruppe.“

Plumpynut Fabrik-Direktor Ismael Barmou

Fabrik-Direktor Ismael Barmou erläutert die Hintergründe der Plumpynut-Produktion. 
© UNICEF/DT2017-59687/Claudia Berger

Der Direktor erläutert, wie die Paste entsteht. „Neben den Erdnüssen, die ausschließlich von Bauern aus der Region kommen, werden auch Palmöl aus Malaysia, Sojaöl aus Frankreich, Milchpulver aus Belgien, Holland oder Osteuropa und ein Vitaminmix, der von UNICEF gestellt wird, zu Tausenden Päckchen Plumpy Nut verarbeitet.“

Und dies geschieht im großen Stil: 25.000 Liter Öl und 25 Tonnen geröstete Erdnüsse werden hier jede Woche im Normalbetrieb verarbeitet. „Bei einem großen Bedarf in den ernteschwachen Monaten können wir die Anlage auch 24 Stunden in Betrieb halten. 20.000 Päckchen Erdnusspaste halten wir immer im Vorrat“, so Barmou.

Übrigens: Mit einer Spende im Spendenshop können Sie UNICEF unterstützen, Kinder in Not mit wichtigen Hilfsgütern wie Erdnusspaste zu versorgen.

UNICEF setzt die Hilfsgüter weltweit immer genau dort ein, wo sie dringend gebraucht werden. 

Vorräte aus der Plumpynut-Produktion in Niger

Jede Menge Vorrat: Im Falle einer Krise kann man so schnell reagieren. 
© UNICEF/DT2017-59686/Claudia Berger

Mehr als 120 feste Mitarbeiter sind in der Fabrik tätig, weitere knapp 100 freie Mitarbeiter kommen hinzu – je nach Bedarf. Diese Menschen können mit dem Job Geld verdienen und ihre Familien ernähren.

Ihre Aufgaben bei der Plumpynut-Produktion: Rohstoffe sortieren und reinigen, Maschinen mit Zutaten wie Zucker oder Milchpulver befüllen – alles natürlich nach einem detailliert vorgegebenen Prozess. In den Maschinen werden die Zutaten vermengt, zur fertigen Paste verarbeitet und schließlich in die kleinen silbernen Päckchen abgefüllt.

Bevor Plumpynut tatsächlich ausgeliefert werden kann, muss die Paste noch einen Qualitätscheck im fabrikeigenen Labor durchlaufen. Anschließend werden die Pakete dann von UNICEF an Ernährungszentren oder Krankenhäuser verteilt. Auch einzelne Gesundheitshelfer bekommen Pakete, die sie dann gezielt auch in besonders abgelegene Regionen ausliefern können.

Mitarbeiter der Plumpynut-Fabrik mischen Rohstoffe zusammen.

Ausgeklügelter Prozess: Die verschiedenen Rohstoffe werden in spezielle Maschinen gegeben und dort vermischt.
© UNICEF/DT2017-59684/Claudia Berger

Die Wirtschaftlichkeit muss stimmen

Damit sämtliche Vorschriften eingehalten werden können, werden auch die Lieferanten der Fabrik in Bezug auf Produktionsweisen und Hygienemaßgaben geschult. Bis zu 10.000 Farmer aus der Region beliefern die Fabrik. Sie erhalten für einen Sack Erdnüsse von 30-40 kg zehn Euro.

„Das ist derzeit noch ein Problem, denn das ist vergleichsweise wenig“, so Ismael Barmou. „Auf dem lokalen Markt könnten sie für die gleiche Menge bis zu 30 Euro verdienen. Aber auf der anderen Seite haben sie mit uns einen sicheren Abnehmer. Hier müssen wir einen Mittelweg finden, denn die Erdnusspaste darf natürlich für uns auch nicht zu teuer werden. Problematisch ist, dass die Regierung die in Niger hergestellten Erdnüsse besteuert, importierte Erdnüsse sind jedoch steuerfrei. Hierzu diskutiere ich mit der Regierung.“

„Wenn es in Niger möglich ist, dann ist es auf der ganzen Welt möglich.“

Aber Barmou ist zuversichtlich, dass ihm das irgendwann gelingen wird. „Schließlich haben wir ausgerechnet hier im bitterarmen Niger die erste Fabrik in Afrika auf die Beine gestellt, die Plumpynut herstellt. Und wenn es in Niger möglich ist, dann ist es auf der ganzen Welt möglich“, lächelt Barmou optimistisch.

Langfristig soll die Produktion in der Fabrik kontinuierlich weiter gesteigert werden – bis zu dem Punkt, dass von Niger aus auch andere Länder in Afrika beliefert und versorgt werden können. Ismael Barmou sagt: „Das würde uns wirklich stolz machen.“

Es ist unfassbar: Immer noch stirbt weltweit alle 10 Sekunden ein Kind unter 5 Jahren an den Folgen von Hunger. Mit der aktuellen Kampagne #Stop10Seconds sagen wir: Wir lassen die hungernden Kinder nicht im Stich. Wir wollen die Spirale aus Hunger und Tod beenden. Ein Mittel dazu: nahrhafte Erdnusspaste.

KOMMENTARE

  • 27. April 2018 11:14 Uhr

    Es gibt im Netz einen sehr interessanten Beitrag vom WDR:
    "Wie bedenklich ist Palmöl für die Gesundheit ?"
    MARKT - 31.07.2017
    Palmöl ist das billigste Öl bzw. Fett und so wird es natürlich weltweit viel verarbeitet und konsumiert, aber es ist schwer umstritten, da es Krankheiten u.a. verschiedene Krebsarten, Herz- und Kreislauferkrankungen oder Diabetes (wegen der gesättigten Fettsäuren, die in ihm enthalten sind) verursachen kann.
    In Europa wird bereits über Grenzwerte in der Nahrung, besonders in der Babynahrung diskutiert.
    Der WWF und Greenpeace sprechen sich auch deutlich gegen die Erzeugung von Palmöl aus.

    Ich bin keine Ärztin oder Ernährungswissenschaftlerin, aber ich würde evtl. zu Rapsöl aus biologischen Anbau
    als Alternative raten.
    Welches Öl ist wohl am gesündesten für die bereits geschwächte Kinder?


  • 23. März 2018 10:57 Uhr

    Hallo zusammen!
    Noch einige Ergänzungen zum Thema Palmöl: Wir haben die Betreiber der Plumpynut-Fabrik in Niger diesbezüglich kontaktiert.
    Die Kontroverse rund um den Einsatz von Palmöl ist den Kollegen vor Ort sehr präsent. Dazu zählen die Folgen der großflächigen Palmölproduktion für die Umwelt (etwa durch die Rodung von Wald). Dennoch wird das Palmöl sehr bewusst für die Produktion von Plumpynut verwendet – aus verschiedenen Gründen.
    Ja, man könnte theoretisch einen Ersatzstoff verwenden – dann würde die Spezialnahrung allerdings nicht mehr den speziellen Produktspezifikationen von UNICEF entsprechen. Denn schließlich ist die Erdnusspaste für kleine Kinder gedacht, die unter Mangelernährung leiden und entsprechend geschwächt sind. Palmöl trägt dazu bei, dass die Paste die erforderliche Konsistenz und Qualität aufweist. Es ist erwiesen, dass Palmöl positive Auswirkungen auf die Gesundheit dieser gefährdeten Kinder hat.
    Gleichzeitig müssen bei der Produktion der Spezialnahrung selbstverständlich Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt werden. Die Fabrik in Niger hat, wie alle Partner von UNICEF, eine bestimmte Beschaffungsrichtlinie. Anhand dieser Richtlinie werden sämtliche Stoffe, die in die Produktion von Spezialnahrung einfließen, nachverfolgt. Auch die Qualität und Herkunft des Palmöls wird überwacht und entsprechend dokumentiert. Dieser Prozess der Nachverfolgung wird jedes Jahr überprüft – nicht nur von UNICEF, sondern auch von anderen Partnerorganisationen der Fabrik (darunter Ärzte ohne Grenzen und World Food Programme, wobei UNICEF der mit Abstand größte Abnehmer der Erdnusspaste ist). Dieser „Client Audit“ ist Voraussetzung dafür, dass die Fabrik als Zulieferer mit UNICEF zusammenarbeiten kann.
    Ein weiterer Faktor sind die Kosten. Fabrik-Direktor Ismael Barmou hatte ja bereits in unserem Blog gesagt: „Die Erdnusspaste darf natürlich für uns auch nicht zu teuer werden.“ Je teurer die Erdnusspaste, desto weniger Kinder kann man erreichen – diese einfache Kostenerwägung ist für eine Organisation wie UNICEF sehr wichtig, und daher ebenso für ihre Zulieferer. Palmöl ist im Vergleich zu anderen Ölen relativ günstig.
    Dennoch wird in der Fabrik bereits seit einiger Zeit nach Möglichkeiten geforscht, Palmöl schrittweise durch andere Stoffe zu ersetzen, ohne die Kosten signifikant in die Höhe zu treiben und natürlich ohne die Qualität des Endproduktes zu beeinträchtigen. Speziell lokale Rohstoffe und Rezepturen werden getestet, um auch die regionalen Zulieferer noch stärker einbinden zu können.
    Freundliche Grüße
    Tim Rohde
    UNICEF Presseteam

  • 21. März 2018 16:53 Uhr

    Hallo zusammen und vielen Dank für die Rückmeldungen.
    Es stimmt, die Produktion und Verbreitung von Palmöl ist umstritten. Daher werden wir Ihre Hinweise und Fragen auch an die Kollegen vor Ort und die Betreiber der Fabrik weiterleiten.
    Grundsätzlich gilt: Beim Einkauf von Hilfsgütern orientiert sich UNICEF immer am UN Global Compact. UNICEF verlangt, dass alle seine Zulieferer sich den zehn Prinzipien des UN Global Compact anschließen. Hierin enthalten sind wichtige Werte zum Schutz der Menschenrechte, zu Arbeitsbedingungen – einschließlich Richtlinien gegen Kinderarbeit –, zu Umweltschutz und zum Schutz vor Korruption. UNICEF verlangt darüber hinaus von allen Herstellern Herkunftsnachweise der Zutaten und hält sich natürlich an nationale Regelungen des jeweiligen Projektlandes.
    Freundliche Grüße
    Tim Rohde
    UNICEF Presseteam

  • 20. März 2018 10:51 Uhr

    Ich habe gestern auch noch einen sehr interessanten Artikel über Nutella und seine Inhaltsstoffe gelesen. Das ist ja auch ein Nusspaste und es wird in der Produktion ebenfalls Palmöl verwendet. Von Fachleuten wird das Palmöl ebenfalls kritisch gesehen, das es industriell verarbeitet unter Umständen krebserregend ist und auch den Organen einen Schaden zufügen kann.
    Also ich finde, für die bereits geschwächten Kinder sollten nur beste Inhaltsstoffe verarbeitet werden und nicht einfach die billigsten! Welches Öl wäre wohl am bekömmlichsten für Babys und Kleinkinder?
    Sarkastisch gesagt - könnte man auch sonst überlegen, ob man nicht günstiger auf eine Nusscreme oder eine billige Erdnussbutter zurückgreift.

  • 17. März 2018 10:51 Uhr

    Ich bin mir sicher, dass die Erdnusspaste eine gute Notfallnahrung für Kinder ist, aber muss sie denn auch
    Palmöl enthalten?
    Es gibt so viele Aufklärungsaktionen und Petitionen, die sich gegen die Palmölplantagen, gegen diese Monokulturen und den resultierenden Schädigungen der Natur und der Umwelt, dem Rückgang der Artenvielfallt und letztendlich auch gegen gesundheitliche Schädigungen der Anwohner wenden.
    Vielleicht sollte man auch an all die Kinder denken, die neben Palmölplantagen leben müssen und täglich mit Gasen und Abwässern der Pflanzenschutzmittel belastet werden!
    Zum Palmöl gibt es Alternativen!

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