FOTOREPORTAGE: DIE PRINZESSIN AUF DER ERDNUSS
Montag, 2. Dezember 2019, 11:57 Uhr
von Luise Lundt | 22 Kommentare

WIE AMIRA IN 8 WOCHEN DEN HUNGER BESIEGTE

Ausgemergelt, teilnahmslos und müde – Amira (9 Monate) aus dem Südsudan war lebensbedrohlich mangelernährt, als sie in das UNICEF-Ernährungszentrum kam. Acht Wochen später ist sie nicht wiederzuerkennen. Eine Verwandlung, die stolz macht und Hoffnung gibt.

Südsudan: Einas hält ihre Tochter Amira besorgt im Arm. 

© UNICEF/UN0345116/Wilson 

Aweil, Südsudan – Im Schatten des großen Mangobaumes, zwischen schwangeren Frauen, Müttern und kleinen Babys, sitzt Einas. Schützend hält die junge Frau ihre Tochter Amira im Arm. Der Name "Amira" stammt aus dem Arabischen und heißt wörtlich übersetzt "Prinzessin". 

Eigentlich soll der Name dem Mädchen Glück bringen. Doch die letzte Zeit war alles andere als glücklich und leicht für Amira und ihre Mutter. Dass mit der Kleinen etwas nicht stimmt, erkennt UNICEF-Gesundheitsexpertin Jesca Wude Murye schon von Weitem: "Das Mädchen braucht Hilfe – sofort!" An diesem Tag beginnt er: Amiras Weg zurück ins Leben.

Woche 1: Eine eindeutige Diagnose

Südsudan: Einas hält ihre kleine Tochter Amira fest. 

© UNICEF/UN0345080/Wilson 

"Amira weigert sich zu essen", erklärt Einas. "Mein Mädchen wird von Tag zu Tag dünner und ich kann nichts dagegen machen. Wir sind alle besorgt. Mein Mann wohnt nicht bei uns, aber er ruft ständig an und fragt, wie es seiner Tochter geht."

Südsudan: Amira wird von UNICEF-Mitarbeiterin Jesca untersucht. 

© UNICEF/UN0345107/Wilson 

"Die falschen Körperproportionen sind mir sofort aufgefallen. Amiras Kopf wirkt viel zu groß für den kleinen Körper. Und die Ärmchen sind erschreckend dünn. Das sind klassische Zeichen einer Mangelernährung", sagt UNICEF-Ernährungsexpertin Jesca Wude Murye.

Südsudan: Amiras Oberarmumfang wird mit dem MUAC-Maßband gemessen. 

© UNICEF/UN0345115/Wilson 

Bei der näheren Untersuchung bestätigt sich der erste Verdacht: Schwere akute Mangelernährung. Amiras Oberarmumfang beträgt nur 9,9 Zentimeter und ihr Gewicht 4,9 Kilo. Sofort wird das Mädchen in das von UNICEF unterstützte ambulante Therapieprogramm in Aweil aufgenommen.

Südsudan: Amira bekommt therapeutische Spezialnahrung. 

© UNICEF/UN0345092/Wilson 

Ab sofort bekommt Amira therapeutische Nahrung, die speziell auf die Bedürfnisse von mangelernährten Kindern zugeschnitten ist. Die kleinen Päckchen mit Erdnusspaste wirken unauffällig, aber in ihnen steckt die volle Power: Sie enthalten nicht nur 500 Kilokalorien pro Päckchen, sondern dazu noch extraviele Vitamine und Mineralstoffe. Ideal für Kinder wie Amira, um schnell wieder zu Kräften zu kommen.

Südsudan: Amira isst Erdnusspaste auf dem Schoss ihrer Mutter. 

© UNICEF/UN0345071/Wilson 

Die eigentliche Behandlung findet zu Hause statt. Einas bekommt Rationen für eine ganze Woche und füttert Amira drei Mal täglich. Jede Woche kehren sie zur Fortschrittskontrolle in die Klinik zurück, bevor eine neue Ration bereitgestellt wird.

Woche 5: Die Kräfte kehren zurück

Südsudan: Amira spielt auf dem Boden mit Erdnüssen. 

© UNICEF/UN0345126/Wilson 

Vier Wochen später hat sich Amiras gesundheitlicher Zustand deutlich verbessert. Sie nimmt von Tag zu Tag zu, isst neben der Erdnusspaste auch andere Lebensmittel und ist viel aktiver geworden. Sie lächelt mehr und spielt wieder mit ihren Geschwistern und dem Hund der Familie.

Südsudan: Amira lacht herzlich mit ihrer Mutter zusammen. 

© UNICEF/UN0345130/Wilson 

So herzlich lacht die junge Mutter Einas inzwischen oft. Noch vor wenigen Wochen hatte sie nachts oft wachgelegen aus Sorge um ihre Tochter. Aber jetzt sieht sie, dass es Amira von Tag zu Tag besser geht. Amira ist viel gesprächiger geworden. "Egal was ich sie frage, ihre Antwort ist immer 'Eh'", erzählt Einas belustigt.

Südsudan: UNICEF-Mitarbeiterin Jesca hält die kleine Amira auf dem Arm. 

© UNICEF/UN0345128/Wilson 

Auch UNICEF-Mitarbeiterin Jesca ist mit Amiras Entwicklung und ihren Fortschritten sehr zufrieden. Das wöchentliche Wiegen bestätigt: Amira ist auf einem guten Weg.

Woche 8: Die Zeichen stehen auf Grün

Südsudan: Amira hilft zuhause beim Abwasch und lacht. 

© UNICEF/UN0345137/Wilson 

Amira hat mittlerweile so viel Energie, dass sie sogar im Haushalt "mithilft". Das Geschirrabwaschen im großen Wassereimer hat es ihr besonders angetan. Was für ein Unterschied zu ihrem Gesundheitszustand vor zwei Monaten!

Südsudan: Amira strahlt bei einer Kontrolluntersuchung. 

© UNICEF/UN0345143/Wilson 

Bei der letzten Kontrolluntersuchung strahlen alle drei – und das Maßband für die entscheidende Oberarmmessung zeigt endlich Grün statt Rot. Amira wiegt nun 6,5 Kilo und ihr Oberarmumfang beträgt gesunde 12,5 Zentimeter.

Südsudan: Amira und ihre Schwester umarmen sich glücklich. 

© UNICEF/UNI206916/Wilson 

Auch Amiras Schwester ist glücklich. Endlich können die zwei richtig miteinander spielen.

Südsudan: Amira macht ihre ersten Schritte. 

© UNICEF/UNI206914/Wilson 

Ein ganz besonders großer Moment für die Mutter und natürlich die Tochter selbst: Amira macht ihre ersten Schritte. "UNICEF hat uns nicht im Stich gelassen. Ich bin so glücklich und unglaublich dankbar für alles", strahlt Einas.

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KOMMENTARE

  • 21. Januar 2020 15:38 Uhr

    Es ist so schön, zu erfahren, dass Hilfe wirklich dort ankommt, wo sie am meisten gebraucht wird. Vielen Dank für die Berichte und die berührenden Bilder. Da geht einem das Herz auf.

  • 20. Januar 2020 11:27 Uhr

    Liebe Leserinnen und Leser,

    vielen Dank für Ihre zahlreichen positiven Kommentare! Wir freuen uns sehr, dass Ihnen Amiras Geschichte offenbar ebenso viel Zuversicht und Mut macht wie uns, und werden Geschichten wie diese weiter gern mit Ihnen teilen.

    Herzliche Grüße,
    Laura Sandgathe
    Online-Redaktion

  • 20. Januar 2020 09:54 Uhr

    Liebe Ina Fall,
    vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Nachfragen. Leider konnten unsere Kollegen vor Ort nicht klären, warum Amira vorher nicht richtig gegessen hat. Vielleicht war sie krank, Krankheiten wie zum Beispiel Malaria führen häufig dazu, dass die Kinder nicht mehr richtig essen und mangelernährt werden. Wir können diese Frage aber nicht abschließend beantworten.
    Wir von UNICEF verfolgen vor Ort einen ganzheitlichen Ansatz der Hilfe. Zum einen versorgen wir mangelernährte Kinder mit schneller Hilfe wie Erdnusspaste, um ihnen das Leben zu retten. Doch wir klären die Familien auch darüber auf, wie sie sich und ihre Kinder vor Mangelernährung und den Folgen schützen können. Im Südsudan etwa veranstalten wir Kurse, in denen Mütter etwas über gesunde Ernährung, Hygiene und mehr lernen. Dieses Video gibt einen guten Überblick: https://youtu.be/78UsH8-rfxM

    Herzliche Grüße,
    Laura Sandgathe
    Online-Redaktion

  • 19. Januar 2020 20:04 Uhr

    Sehr schön, dass es Amira wieder gut geht!
    Es hätte mich aber auch interessiert, warum sie, wie die Mutter angab, vorher "nicht richtig gegessen" hat und woher die Mangelernährung ursächlich kam.
    Ich mache mir Gedanken darüber, ob man die hilfesuchenden Menschen nicht zu schnell einfach nur "versorgt" ohne auch nur ein paar Fragen zu stellen und so riskiert, sie abhängig von dieser Hilfe zu machen, anstelle sie auch zu beraten und sie,wo möglich, zur Selbsthilfe anzuregen.

  • 19. Januar 2020 11:31 Uhr

    Es ist schön zu sehen, dass es Menschen gibt, die sich für andere einsetzen und Leben retten.
    Wir hier in Deutschland Leben in einer Welt des Überflusses. Jeder könnte einen kleinen Beitrag dazu leisten, einmal weniger Zigaretten, Kino, Tanzen undsoweiter und man kann ein Leben retten.
    Danke für ihren Einsatz

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