Fara Phoebe Zetsche, Deutschland

Deutschland: Der Vermüllung zu Hause ausgeliefert


Malerisch liegt die gut sanierte Gründerzeitvilla zwischen Weinbergen und Elbaue. Das Säulenportal ist verriegelt. Dahinter hat eine Großfamilie Möbel, Pappkartons, knittrige Klamotten, Kunststofftüten, ungeöffnete Verpackungen und abgegriffene Spielsachen bis unter die Decke aufgetürmt. Im Schlafzimmer führt ein schmaler Pfad zum Fernseher, vor dem sich die Kinder die Nachmittage vertreiben.

Das „Vermüllungssyndrom“ ist Element einer Zwangsstörung, bei der Menschen nicht fertig bringen sich von Gegenständen zu trennen. Oft aus Verlust- oder Existenzangst oder aus Furcht vor einer Fehlentscheidung müssen sie zwanghaft Dinge horten und behalten. Schätzungen der Selbsthilfegruppe „Anonyme Messies“ zufolge, leben in Deutschland bis zu 1,8 Millionen Menschen in solchen Verhältnissen.

Deutschland: Der Vermüllung zu Hause ausgeliefert
Bild 1 von 5 © Fara Phoebe Zetzsche, Studentin FH Hannover
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Wegen der abnormen, außergewöhnlichen Umstände werden drei von zwölf Kindern vorübergehend im Heim untergebracht. Den Eltern wird zeitweise das Sorgerecht entzogen. Das zuständige Jugendamt ist mit der Thematik überfordert. Dort fehlt das dringende Verständnis, dass der Satz: „Die sollen erstmal aufräumen“ nicht weiter hilft. Trotzdem bemüht sich die Familie im Rahmen ihrer Möglichkeiten, räumt auf, um die Kinder wieder zu kriegen. Für den regelmäßigen Gang zum Psychologen bringen sie selbst nicht das nötige Verständnis und die Kraft auf.

Die älteren Geschwister sind volljährig und versuchen ihr eigenes Leben zu meistern. Sie tun ihr Bestes für die Kleinen aber kommen nur selten nach Hause zurück.

„Wir werden nie ein normales Leben führen“ sagt der Vater. Als Kind wurde er von Heim zu Heim expediert. In der Großfamilie, in der die Mutter aufwuchs, war immer nur das Nötigste da. Die Eltern haben nie eine Berufsausbildung absolviert. Keiner der Beiden hat ein besseres Leben leben gelernt. Jetzt tragen sie alte Muster in der eigenen Familie weiter.

Biografie: Fara Phoebe Zetsche


In 2010 she made an internship as picture editor at the German newspaper Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).

Her reportage „Hoard and Clutter“ was awarded with Honorable Mentions at the New York Photo Awards (Students Category: „Social Documentary Essay“) and at the International Photography Awards (Non-Prof Categories: „Photo Essay“ and „Deeper Perspective“). In her reportages she is intrigued by the idea of showing the realities of marginalized social groups and their behavior. The camera is her ticket into the world of her protagonists whereupon taking care of always showing her own empathic experiences rather than reproducing only the known and supposed things.

Teasersammlung-Startseite-Foto-des-Jahres-2009

2. Platz: Majid Saeedi – Die bitteren Folgen von Bürgerkriegen
Der iranische Fotograf Majid Saeedi zeigt uns die Selbstverständlichkeit und das große Mitgefühl, mit denen die von Amputationen betroffenen Kinder miteinander umgehen. Ebenso hielt Majid Saeedi die spielerische Leichtigkeit, mit der unversehrte Kinder die „Körper-Ersatzteile“ handhaben, fest.
3. Platz: GMB Akash – Das älteste Gewerbe der Welt zerstört das Leben von jungen Mädchen
Von der Notlage oft blutjunger Prostituierter berichtet der in Bangladesch lebende Fotograf Akash und zeigt uns die ausweglose Situation dieser Mädchen. Sie nehmen oft täglich und über Jahre hinweg ein Steroid ein, um wohlgenährt zu wirken.
Ehrenvolle Erwähnungen
Neben den ersten drei Plätzen zeichnete die unabhängige Expertenjury sieben Fotografen mit Ehrenvollen Erwähnungen aus. Die Reportagen zeigen Kinder aus Tansania, Somalia, Deutschland,Sierra Leone, Bangladesch, Uganda und den USA.