Kinder mit Behinderung stärken: die neunjährige Uyen aus Vietnam
© UNICEF Vietnam/2012/Dominic BlewettKinder mit Behinderung stärken: die neunjährige Uyen aus Vietnam
Pressemitteilung

UNICEF: Kinder mit Behinderungen stärken

Köln

Internationaler UNICEF-Bericht „Zur Situation der Kinder in der Welt“

UNICEF ruft dazu auf, die Diskriminierung von Kindern mit Behinderungen zu überwinden und ihre Rechte zu stärken. In Entwicklungs- und Schwellenländern leben diese Kinder und ihre Familien laut des neuen UNICEF-Berichts „Zur Situation der Kinder in der Welt“ zumeist in großer Armut. Statt bestmöglicher Förderung in der Familie und in den Gemeinden gilt in vielen Ländern nach wie vor die Unterbringung in Heimen als einzige Lösung. Tief sitzende Vorurteile und Stigmatisierungen führen dazu, dass Kinder mit Behinderungen oft als „minderwertig“ betrachtet und an den Rand gedrängt werden.

„Wenn wir zuerst die Behinderung sehen, ist das nicht nur falsch für das Kind. Diese Sichtweise enthält der Gesellschaft all das vor, was dieses Kind ausmacht“, erklärte UNICEF-Exekutivdirektor Tony Lake bei der Vorstellung des Reports Ende Mai 2013 in Vietnam. „Damit Kinder mit Behinderungen etwas zählen, müssen sie gesehen werden, bei der Geburt, in der Schule, im Leben.“

Ergebnisse des UNICEF-Berichts


Kinder mit Behinderungen und ihre Familien – so der UNICEF-Bericht – zählen weltweit zu den am stärksten benachteiligten und gefährdeten Menschen:

  • Laut Weltgesundheitsorganisation WHO haben lediglich 5 bis 15 Prozent der Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Entwicklungsländern notwendige Hilfsmittel wie zum Beispiel Rollstühle. Rund drei Viertel der Menschen in armen Ländern, die an Epilepsie leiden, verfügen nicht über die notwendigen Medikamente.
  • Weltweit gehen Kinder mit Behinderungen seltener zur Schule. Eine Untersuchung in 51 Ländern ergab, dass lediglich 42 Prozent der eingeschulten Mädchen und 51 Prozent der Jungen mit Behinderungen eine Grundschule abschloss. Der Anteil bei den nichtbehinderten Kindern lag jeweils um zehn Prozent höher.
  • Diskriminierung und Aberglaube führen dazu, dass Kinder mit Behinderungen immer wieder verfolgt werden – so zum Beispiel von Albinismus betroffene Kinder in Tansania. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung liegt dort lediglich bei rund 30 Jahren. Aus Untersuchungen in Industrieländern weiß man, dass Kinder mit Behinderungen ein drei bis viermal höheres Risiko tragen, Opfer von Gewalt zu werden.
  • In Kriegs- und Krisengebieten wie zum Beispiel in Syrien erleiden viele Kinder schwere körperliche und seelische Verletzungen. Jedes Jahr werden weltweit noch immer über 1.000 Kinder durch Minen oder Blindgänger verstümmelt oder getötet. Bei einer Befragung in 25 Ländern sagten zwei Drittel der Überlebenden, dass sie „nie“ oder „fast nie“ notwendige Hilfe erhielten.


Kaum Aufmerksamkeit für Kinder mit Behinderungen

Viele Regierungen schenken dem Thema Behinderung bislang kaum Aufmerksamkeit. So haben nur wenige Staaten umfassende Informationen darüber, wie viele Menschen mit Behinderungen in ihrer Gesellschaft leben und wie sich diese auf ihr Leben auswirken.

Dabei tragen Armut und Unterentwicklung auch zur Verbreitung von Behinderungen bei. So ist zum Beispiel fehlende und unzureichende Ernährung eine Ursache für schwere körperliche und geistige Behinderungen. Weltweit sind deshalb 165 Millionen Kinder in ihrer körperlichen und häufig auch in ihrer geistigen Entwicklung beeinträchtigt. Und zwischen 250.000 und 500.000 Kinder sind jedes Jahr von dem Erblinden bedroht, da sie an Vitamin-A-Mangel leiden.

UNICEF-Forderungen

UNICEF setzt sich dafür ein, Kinder mit Behinderungen nicht länger als passive Empfänger von Schutz und Hilfe, sondern als volle Mitglieder der Familie, Gemeinde und Gesellschaft anzuerkennen. Dazu müssen physische, kulturelle, ökonomische, kommunikative und mentale Barrieren zur Teilhabe abgebaut werden. Die Verwirklichung der Rechte von Kindern mit Behinderungen muss ein Schwerpunkt der Sozial- und Entwicklungspolitik werden. 

  • Einstellungen verändern: Eine „inklusive“ Gesellschaft setzt voraus, dass Unwissenheit und Diskriminierung überwunden werden und die Fähigkeiten und Rechte der Kinder in den Mittelpunkt rücken. Zuerst muss das Kind, nicht seine Behinderung gesehen werden.
  • Barrieren abbauen: Barrieren, die die Teilhabe von Kindern mit Behinderungen in Schulen, Gesundheitseinrichtungen und im öffentlichen Leben erschweren oder verhindern, müssen abgebaut werden.
  • Institutionalisierung beenden und Familien stärken: Die verbreitete Unterbringung in Heimen muss gestoppt werden. Stattdessen müssen Familien gestärkt werden – zum Beispiel durch den Aufbau lokaler Netzwerke. Gezielte Sozialprogramme müssen die Folgen von Armut, Arbeitslosigkeit und höheren Lebenshaltungskosten mindern.
  • Rehabilitation in den Gemeinden ausbauen: Medizinische Hilfe, Schulen und soziale Unterstützung müssen für alle Kinder in den Gemeinden zugänglich sein. Frühzeitige Diagnose von Risiken sowie fachkompetente Förderung sind dabei besonders wichtig.
  • Kinder mit Behinderungen „sichtbar“ machen: Um verlässliche und vergleichbare Informationen als Grundlage für politische Maßnahmen zu erhalten, ist verstärkte weltweite Forschung notwendig.
Ausbildung für Jugendliche

Bild 1 von 8 | Afghanistan: Rahmatuallah (14) hat durch eine Landmine sein Bein verloren. In einem von UNICEF unterstützen Zentrum für Jugendliche macht er eine Ausbildung zum Elektriker. Bald bekommt er auch eine neue Prothese. „Mit einem neuen Bein und dem neuen Wissen werde ich meine Familie unterstützen können“, erzählt er stolz.

© UNICEF/Shezad Noorani
Zugang schaffen

Bild 2 von 8 | Tansania: In einer Schule für Kinder mit Behinderungen liest ein erblindeter Albino-Junge in einem Buch mit Blindenschrift. UNICEF fordert die Gemeinden auf, den Zugang zu Schulen, medizinischer Hilfe und sozialer Unterstützung für alle Kinder bereitzustellen.

© UNICEF/Giacomo Pirozzi
Ein sicherer Ort

Bild 3 von 8 | Der achtjährige Liban aus Somalia hat durch eine Bombenexplosion sein Bein verloren. In einem Ernährungszentrum erhält er Unterstützung. Jedes Jahr werden weltweit über 1.000 Kinder durch Minen oder Blindgänger verstümmelt oder getötet.

© UNICEF/Jan Grarup
Ausbildung für Lehrer

Bild 4 von 8 | In der Laroo-Grundschule in Uganda lernen behinderte und nichtbehinderte Kinder. Kinder mit Hörbeeinträchtigungen bekommen zusätzlichen Unterricht in Gebärdensprache. Die spezielle Ausbildung für die Lehrer wird von UNICEF unterstützt.

© UNICEF/Michele Sibiloni
Vorurteile abbauen

Bild 5 von 8 | Liberia: Earnest (7) lebt in einem Zentrum für Waisenkinder. Seine Familie hat den geistig behinderten Jungen verstoßen. UNICEF setzt sich für ein Umdenken in der Gesellschaft ein. Kinder müssen frühzeitig in alle Bereiche eingebunden werden, um Vorurteile ihnen gegenüber abzubauen.

© UNICEF/Shezad Noorani
Individuelle Unterstützung in Schulen
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Serbien: Der sechsjährige hörgeschädigte Nemanja (links) besucht eine der wenigen Schulen, in der behinderte und nichtbehinderte Kinder lernen. UNICEF fördert den Ausbau altersgemäßer Klassen in gemeindenahen Schulen, die zusätzliche individuelle Unterstützung anbieten.

© UNICEF/Kate Holt
Zentren für Kinder mit Behinderungen

Bild 7 von 8 | Guinea: Jungen spielen Fußball in einem Zentrum für körperbehinderte Kinder und Jugendliche. Die von UNICEF ausgebildeten Lehrer und Helfer bieten den Kindern auch Unterricht und psychosoziale Unterstützung.

© UNICEF/Olivier Asselin
Hilfsmittel für Kinder

Bild 8 von 8 | Kinder bei einem Schulfest in Bangladesch. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO haben lediglich 5 bis 15 Prozent der Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Entwicklungsländern notwendige Hilfsmittel wie zum Beispiel Rollstühle. UNICEF hilft beim Ausbau der Infrastrukturen.

© UNICEF/Siddique


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