Pressemitteilung

Somalia: Das Zeitfenster, um eine Hungersnot zu verhindern, schließt sich

Statement der Leiter*innen des Interagency-Standing Committee

Köln, den 6. September 2022

Somalia ist an einem kritischen Punkt angelangt. Laut den jüngsten Daten zur Ernährungssicherheit ist das Überleben von hunderttausenden Menschen unmittelbar in Gefahr. In zwei Bezirken der Bay-Region (Baidoa und Burhakaba) in Süd- und Zentralsomalia entfaltet sich eine Hungersnot (1), die wahrscheinlich bis März 2023 andauern wird, wenn die humanitäre Hilfe nicht sofort erheblich aufgestockt wird.

Weitere Millionen Menschen leiden unter akutem Hunger. Frauen, insbesondere schwangere und stillende Frauen sowie Kinder unter fünf Jahren sind besonders gefährdet. Sie benötigen dringend Hilfe, um den schlimmsten anzunehmenden Fall abzuwenden.

Menschen verhungern und sterben möglicherweise schon jetzt. Während der Hungersnot in Somalia im Jahr 2011 starb rund die Hälfte der mehr als 250.000 Menschen bereits bevor eine offizielle Hungersnot erklärt wurde – rund die Hälfte davon Kinder.

Insgesamt sind am Horn von Afrika 20,5 Millionen Menschen von einer schlimmen und völlig vermeidbaren Hungerkrise betroffen. Dies ist inakzeptabel.

Die offizielle Ausrufung einer Hungersnot sollte nicht der einzige Auslöser für sinnvolle Maßnahmen sein. Lokale Behörden, Regierungen, UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen warnen seit mehr als einem Jahr vor einer Hungerkatastrophe. Diese Warnungen wurden weitestgehend überhört und trotz globaler Verpflichtungen zur Krisenvorbeugung reichen die Mittel für diese lebensrettenden Maßnahmen nicht den erforderlichen Umfang erreicht.

Die rasche Aufstockung der humanitären Hilfe seit Anfang 2022 hat zweifelslos viele Menschenleben gerettet. Doch die explosionsartig steigenden Bedarfe übersteigen die zur Verfügung stehenden Mittel.

Wir fordern alle Akteure dringend auf, den sofortigen und sicheren Zugang für humanitäre Maßnahmen zu ermöglichen.

Wir appellieren an alle Geber, sofortige und flexible finanzielle Mittel bereitzustellen, damit die humanitären Organisationen vor Ort, insbesondere lokale und internationale Nichtregierungsorganisationen, die Hilfe rasch aufstocken und weitere Todesfälle verhindern, Lebensgrundlagen schützen und eine weitere Zuspitzung der Katastrophe abwenden können. Es ist wichtig, dass die Hilfe ländliche Gemeinden erreicht, bevor diese sich gezwungen sehen, ihr Zuhause auf der Suche nach Nahrung zu verlassen.

Wir haben schon einmal gemeinsam eine Hungersnot abgewendet. Wir können und müssen es wieder tun.

In einer Welt voll unglaublichem Wohlstand ist es nicht hinnehmbar, dass Menschen an Hunger sterben. Wir müssen jetzt dringend handeln. 

Unterzeichner*innen:

  • Martin Griffiths, Emergency Relief Coordinator and Under-Secretary-General for Humanitarian Affairs (OCHA)
  • Qu Dongyu, Director General, Food and Agriculture Organization (FAO)
  • Shahin Ashraf, International Council of Voluntary Agencies (ICVA) Chair a.i. (Head of Global Advocacy - Islamic Relief Worldwide)

  • Ignacio Packer, Executive Director, International Council of Voluntary Agencies (ICVA)

  • Samuel Worthington, Chief Executive Officer, InterAction

  • Janti Soeripto, President and Chief Executive Officer, Save the Children United States

  • Tjada D’Oyen McKenna, Chief Executive Officer, Mercy Corps

  • António Vitorino, Director General, International Organization for Migration (IOM)

  • Nada Al-Nashif, United Nations Acting High Commissioner for Human Rights (OHCHR)

  • Andrew Morley, Chair, Steering Committee for Humanitarian Response (SCHR) (President and World Vision International)

  • Sofia Sprechmann Sineiro, Vice Chair SCHR (Secretary General of CARE International)

  • Gareth Price-Jones, Executive Secretary, Steering Committee for Humanitarian Response (SCHR)

  • Cecilia Jimenez-Damary, United Nations Special Rapporteur on the Human Rights of Internally Displaced Persons (SR on HR of IDPs)

  • Achim Steiner, Administrator, United Nations Development Programme (UNDP)

  • Natalia Kanem, Executive Director, United Nations Population Fund (UNFPA)

  • Maimunah Mohd Sharif, Executive Director, United Nations Human Settlement Programme (UN-Habitat)

  • Filippo Grandi, United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR)

  • Catherine Russell, Executive Director, United Nations Children's Fund (UNICEF)

  • David Beasley, Executive Director, World Food Programme (WFP)

Christine Kahmann (UNICEF/Sebastian Bänsch)

Christine KahmannPressesprecherin - Aktuelle Themen, Nothilfe

030-275807919presse@unicef.de

(1) Grundlage für die Ausrufung einer Hungersnot ist die Einschätzung einer internationalen Arbeitsgruppe nach den sogenannten "IPC-Phasen", die hierfür umfangreiche Daten erhebt. Eine Hungersnot (engl. „Famine“), ist erreicht, wenn in einem Gebiet mindestens 20 Prozent Haushalte betroffen sind, jedes dritte Kind unter fünf Jahren an akuter Mangelernährung leidet und mindestens zwei von 10.000 Menschen täglich aufgrund von Mangel an Nahrungsmitteln oder einer Kombination von Hunger und Krankheiten sterben.