Statement
UNICEF: KINDER KÖNNEN SICH KEIN WEITERES JAHR OHNE SCHULE LEISTEN
New York/Köln
Dienstag, 12. Januar 2021, 16:42 Uhr

Statement von UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore

“Während die Covid-19-Pandemie ins zweite Jahr geht und die Infektionszahlen auf der ganzen Welt steigen, dürfen keine Anstrengungen gescheut werden, um Schulen offen zu halten beziehungsweise ihrer Wiedereröffnung Priorität einzuräumen.

Trotz überwältigender Belege für die Auswirkungen von Schulschließungen auf Kinder und dafür, dass Schulen nicht als treibende Kraft der Pandemie gelten, haben sich zu viele Länder entschieden, die Schulen zu schließen, manche sogar fast ein ganzes Jahr lang.

Kenia: Junge sitzt über einem Schulbuch, da er nicht am Online-Unterricht teilnehmen kann.

Rafael, 11, aus Kenia studiert zu Hause seine Schulbücher. Am Online-Unterricht kann er nicht teilnehmen, da seine Familie kein Mobiltelefon besitzt.
© UNICEF/UNI362245/Everett

Auf dem Höhepunkt der Pandemie waren 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler weltweit von Schulschließungen betroffen und mehr als ein Drittel der Schulkinder hatte keinen Zugang zu alternativen Lernmöglichkeiten – mit verheerenden Folgen für die Kinder.

Wir gehen davon aus, dass die weltweite Zahl der Kinder, die gar keine Schule besuchen, nochmals um 24 Millionen ansteigen wird – auf einen Stand, den wir seit Jahren nicht mehr gesehen haben.

Die Fähigkeiten der Kinder im Lesen, Schreiben und Rechnen haben überall gelitten - und damit ihre Potenziale im Wirtschaftsleben des 21 Jahrhunderts Fuß zu fassen.

Ihre Gesundheit, Entwicklung, Sicherheit und ihr Wohlbefinden sind gefährdet. Die am meisten Benachteiligten unter ihnen sind am stärksten betroffen.

Ohne Schulmahlzeiten leiden viele Kinder Hunger und ihr Ernährungszustand verschlechtert sich. Ohne den täglichen Austausch mit Gleichaltrigen und Bewegung verringert sich ihre körperliche Leistungsfähigkeit und sie zeigen Anzeichen von psychischer Belastung. Ohne das Sicherheitsnetz, das die Schule oft bietet, steigt das Risiko von Missbrauch, Kinderheirat und Kinderarbeit.

Schulschließungen dürfen daher nur das allerletzte Mittel sein, nachdem alle anderen Alternativen in Betracht gezogen wurden.

Das lokale Infektionsgeschehen sollte ein wesentlicher Faktor bei allen Entscheidungen zum Schulbetrieb sein. Landesweite Schulschließungen müssen, wann immer möglich, vermieden werden. Wenn das lokale Infektionsgeschehen hoch ist, die Gesundheitssysteme unter extremem Druck stehen und die Schließung von Schulen als unvermeidlich eingeschätzt wird, müssen entsprechende Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Kinder, denen Gewalt droht, die auf Schulspeisungen angewiesen sind und deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, müssen weiter in der Schule lernen können.  

Im Falle eines Lockdowns müssen die Schulen als Erstes wieder öffnen, sobald die Behörden die Einschränkungen lockern. Kinder, die nicht in der Lage waren, am Fernunterricht teilzunehmen, müssen den Lernstoff in Aufholklassen nachholen können, damit sie nicht zurückgelassen werden.

Wenn Kinder mit einem weiteren Jahr Schulschließungen konfrontiert werden, werden die Auswirkungen über Generationen hinweg zu spüren sein.“

Chrisitine Kahmann, UNICEF Deutschland

CHRISTINE KAHMANN

Pressesprecherin - Aktuelle Themen, Nothilfe
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