Pressemitteilung
SÜDSUDAN: 300.000 KINDER VON SCHWERER MANGELERNÄHRUNG BEDROHT
Köln
Dienstag, 6. Juli 2021, 02:01 Uhr

UNICEF-BERICHT ZUM ZEHNTEN JAHRESTAG DER STAATSGRÜNDUNG AM 9. JULI

Zehn Jahre nach seiner Gründung erlebt der Südsudan laut UNICEF die schlimmste humanitäre Krise seit seiner Unabhängigkeit. Im jüngsten Staat der Welt benötigen derzeit 8,3 Millionen Menschen humanitäre Hilfe – das sind zwei Drittel der Gesamtbevölkerung. Mehr als die Hälfte davon – 4,5 Millionen – sind Kinder.

Südsudan: UNICEF-Kinderreporterin hält Neugeborenes auf dem Arm.

Südsudan 2021: UNICEF-Jugend-Reporterin Christine (17) bei einem Außeneinsatz.
© UNICEF/UN0475185/Aldo

In dem heute veröffentlichten Bericht „Respond to our Cry“ („Reagiert auf unsere Hilferufe“) rechnet UNICEF in diesem Jahr mit der höchsten Zahl an akut mangelernährten Kinder in dem Land seit der Staatsgründung. Im Laufe des Jahres 2021 werden schätzungsweise 1,4 Millionen Kinder unter fünf Jahren akut mangelernährt sein, darunter 300.000 Kinder mit der schwersten Form. Es besteht Lebensgefahr, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird. Vor dem zehnten Jahrestag am 9. Juli ruft UNICEF dringend zur Hilfe für die Kinder im Südsudan auf.

„Die Welt darf den Kindern im Südsudan nicht den Rücken kehren. Wenn die Regierungen jetzt die Mittel für die humanitäre Hilfe oder die Stärkung der Strukturen im Land kürzen, wären die Folgen für Kinder unmittelbar und tiefgreifend. Sie würden ihr Leid noch einmal verschärfen und die Hoffnungen der Kinder auf eine friedliche Zukunft zerstören“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.

Kinderrechte-Krise im Südsudan

Der jüngste Staat der Welt wurde nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen am 9. Juli 2011 unabhängig. Doch Konflikte und Gewaltausbrüche gingen danach weiter. Durch das jüngste Friedensabkommen, das bisher nur teilweise umgesetzt wurde, wurden die Herausforderungen für Kinder bisher nicht gelindert. Unzureichende staatliche Strukturen, extreme Armut, soziale und ökonomische Krisen, die Folgen des Klimawandels und nun die Covid-19-Pandemie verstärken sich in ihren Auswirkungen auf die Bevölkerung. UNICEF konstatiert eine „Kinderrechte-Krise“ in dem Land, in dem 2,8 Millionen Mädchen und Jungen keine Schule besuchen. Durch die Pandemie hatten in den vergangenen 14 Monaten weitere zwei Millionen Kinder keinen Unterricht. Jedes zehnte Kind im Südsudan erlebt seinen fünften Geburtstag nicht.

„In unserem Land werden Kinder nicht respektiert. Das Recht, eine Schule zu besuchen, etwas zu essen zu bekommen, geschützt zu werden und das Recht darauf, in Sicherheit zu leben – so viele Rechte, die man uns vorenthält!“, sagte die 17-Jährige Christine, UNICEF-Jugend-Reporterin im Südsudan.

UNICEF und seine Partner, darunter die deutsche Bundesregierung, haben angesichts der dramatischen Ernährungsunsicherheit seit Ende 2020 die Hilfe ausgeweitet, insbesondere in den am stärksten betroffenen Bezirken. Seit Anfang des Jahres wurden beispielsweise landesweit 70.000 Kinder behandelt, die an schwerer akuter Unterernährung leiden, mit einer Heilungsrate von mehr als 95 Prozent. 

Im Jahr 2021 benötigt UNICEF für seine Hilfe im Südsudan 180 Millionen US-Dollar. Lediglich ein Drittel davon sind derzeit finanziert. Es besteht die Gefahr, dass dringend benötigte Hilfe in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene, Gesundheit und Kinderschutz nicht geleistet werden kann.

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Rudi Tarneden

RUDI TARNEDEN

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