Sport für Mädchen in Liberia

MÄDCHEN DIE HAND REICHEN

BEGEGNUNGEN IN WEST POINT, MONROVIA

In West Point sind wir schon zum dritten Mal. Die Mädchen in diesem Armenviertel sind uns wirklich ans Herz gewachsen. Es ist unvorstellbar, wie Zehntausende Menschen es hier aushalten: In stickigen Wellblechverschlägen, gerade drei mal drei Meter groß, leben zehnköpfige Familien. In der Regenzeit steht hier alles unter Wasser. Jeder Tag ist eine neue Mühsal, besonders für die Mädchen. „Viele müssen ihre Familien unterstützen und können nicht zur Schule gehen“, erzählt uns Hawa Page, Kinderschutzexpertin von UNICEF. „Aus purer Not verkaufen sie ihren Körper, für einen Teller Reis oder ein Paar Schuhe.“

Auch deshalb hat Liberia eine der höchsten Teenager-Schwangerschaftsraten der Welt. Jeder dritte Teenager hat schon ein Kind, fast immer ungeplant – denn viele Mädchen wissen nichts über Verhütung und haben allein keine Chance, „nein“ zu sagen. Mit UNICEF wollen wir das ändern! In einem kleinen, hellblauen Gemeindehaus in West Point lernen die Mädchen mit Hilfe des UNICEF-Partners Samaritans Purse Lesen und Schreiben. Sie sprechen über die Aids-Gefahr und über Gewalt zu Hause. Die Betreuer bestärken sie auch darin, selbst zu entscheiden – für viele ist das etwas ganz Neues! Insgesamt nehmen mit unserer Hilfe schon über 500 Mädchen zwischen zehn und 19 Jahren teil.

Lesen, Rechnen, Meinung sagen

Elisabeth, 15, ist behindert und eine der eifrigsten Schülerinnen. Oft kann sie kaum abwarten, bis der Unterricht beginnt. Besonders Rechnen mag sie sehr.

Im ersten Stock des kleinen Zentrums zeigen die Mädchen uns zwei Theaterstücke, die sie selbst entwickelt haben. Im ersten erfährt ein Mädchen, dass es HIV-positiv ist, es wird von allen ausgegrenzt. Dann findet sie endlich Verständnis und Hilfe. Im zweiten Stück geht es um Frühehen: Ein Mädchen wird wegen seiner ärmlichen Kleidung gehänselt. Die Mutter bedrängt sie, schnell zu heiraten, um versorgt zu sein. Doch der Vater setzt durch, dass seine Tochter die Schule abschließt. Jahre später hat sie einen guten Job, während sich die Mädchen, die sie verspottet haben, auf der Straße durchschlagen.

Mit unserer Hilfe hat sich hier in den letzten zwei Jahren viel verändert: Bei unserem letzten Besuch waren viele Mädchen sehr schüchtern – jetzt trauen sie sich, über ihre Probleme zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Sie haben sich in Clubs organisiert und tragen stolz das orangene T-Shirt der „Twins Sisters“, das grüne der „Happy Sisters“ oder das gelbe der „Girls of Hope“.

Überleben in West Point

„Aids in der Nachbarschaft“

Josephine, 14, spielt ein Mädchen, das HIV-positiv getestet wird. Zuerst beschimpft, findet sie endlich Verständnis. Nach dem Stück fordert Betreuer Eddi die Mädchen zur Diskussion auf.

Wir hören während unseres Besuchs viele erschütternde Geschichten, zum Beispiel von Jessica. Ihr Bruder wollte sie mit 13 Jahren an einen Ehemann verkaufen – für 35 US-Dollar und ein Handy. Gerade noch rechtzeitig hörte sie von dem Hilfsprogramm und schaffte es, die Ehe zu verhindern. Da ist Natascha, die mit 13 aus dem Haus geworfen wurde und sich zusammen mit einer Freundin als Prostituierte durchschlug. Dann heiratete sie einen 64-Jährigen, der sie verprügelte. Sie wirkt sehr abgekämpft und krank. Angelina fängt beim Bericht über ihren Vater, der die Familie verlassen hat, zu weinen an. Einige Mädchen haben bereits selbst Kinder, die sie versorgen müssen – dabei sind sie selbst noch fast Kinder!

Wir spüren, wie gut es den Mädchen tut, dass jemand sich für sie interessiert, ihnen zuhört, sie Teil einer Gemeinschaft sind. Für Susan und mich ist jedes Mädchen ein Erfolg, das von der Straße wegkommt, das unter den harten Bedingungen in West Point nicht in der Prostitution endet. Hazel Toe ist ein Beispiel für den Erfolg des Programms: Sie ist mittlerweile 21 und macht eine Ausbildung als Krankenschwester – ein echtes Vorbild! Liberia braucht mehr Mädchen wie sie. Darum geht es uns mit UNICEF: Den Mädchen zeigen, dass sie wertvoll sind, dass sie Armut und Gewalt nicht hilflos ausgesetzt sind – und durch Bildung später Geld verdienen und ihre Familien versorgen können!

Mutter werden? Ja, aber später

Hazel Toe hat mit Hilfe von UNICEF viel über Gesundheit und Hygiene gelernt. Heute ist sie 21, macht eine Ausbildung als Krankenschwester und wünscht sich, dass jedes Mädchen lernen kann.

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Philantropie: Lea Donalies

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E-Mail: lea.donalies(at)unicef.de


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