KAMBODSCHA - GESUNDHEITSVERSORGUNG IM ARMENVIERTEL

16. Oktober 2013 von Nina Ruge 2 Kommentare

Schlimmer geht’s nicht. Doch, es geht schlimmer: Wenn es nämlich geregnet hätte heute, was locker hätte sein können, denn es ist Regenzeit in Kambodscha. Doch wir hatten Sonne und 35 Grad. Da waren die stinkenden Kanäle zwischen den düsteren, engen, verrotteten Holz- und Blechhütten nur knietief. Wir konnten über die sinnlos dazwischen gestülpten Betonabflussrohre balancieren, ohne abzuglitschen.

Kambodscha: Müll und notdürftige Hütten im Armenviertel Andong © UNICEF DT/2013/Berger

Das Armenviertel Andong: Die Menschen leben in provisorischen Hütten inmitten von Abwässern und Müll. Gemeinsam mit Partnerorganisationen versorgt UNICEF die Kinder medizinisch.
© UNICEF DT/2013/Berger

Wir sahen geradezu apokalyptische Tristesse: dürre, nackte Kinder zwischen stinkendem Müll, alte, verfallene Menschen, die vielleicht gar nicht so alt waren, zerlumpte Erwachsene – alle zusammen auf kleinstem Raum über Wasserlöchern auf notdürftig zusammengezimmerten Plattformen hockend, von Blechdächern überwölbt, die garantiert keinem tropischen Regenguss standhalten.

Schätzungsweise 20.000 Menschen hausen so, in sieben Armenvierteln, rund 20 Kilometer vor Phnom Penh, in the middle of nowhere. Der zynische Name dieses Viertels: ANDONG, was so viel wie „Gutsein“ bedeutet.

Regelrecht hingekarrt wurden die Menschen von der Regierung, weil sie so unschön wertvolles Bauland in der City blockierten. Anstatt ihnen als Kompensation einfache, gute Wohnmöglichkeiten anzubieten, mit Wasser- und Stromanschluss und mit sanitären Anlagen, wurden sie radikal enteignet (manchen gehörten kleine Stückchen Land in Innenstadtlage) und gewaltsam auf dem platten Land angesiedelt, wo sie garantiert keine Jobs wie Tuk-Tuk-Fahrer, Schuhputzer oder Reissuppen-Verkäufer mehr ausüben konnten.

Eine Gesundheitshelferin berät eine junge Mutter © UNICEF DT/2013/Berger

In Samonn (24, r.) erwartet ihr zweites Kind. Die Gesundheitshelferin Sen Sok Lang (28, l.) erklärt anhand von Bildtafeln, wie die junge Mutter sich und ihre Kinder ausgewogen ernähren kann.
© UNICEF DT/2013/Berger

Die Folge: Die Notdurft verrichten die meisten in den Kanälen zwischen und unter den Hütten. Hygiene ist ein Fremdwort. Die Kinder leiden ständig unter Brechdurchfällen. Alle sechs Monate stirbt eines daran. Aber auch Lungenentzündung und Wurmbefall grassieren, Aids und vieles mehr. Über die Hälfte von ihnen ist mangelernährt. Das macht sie besonders krankheitsanfällig.

Doch: So wenig die Regierung für diese Menschen tut: UNICEF hilft – gemeinsam mit anderen NGOs. UNICEF teilt für hunderte Kinder Wurmmittel aus, Vitamin-A-Tabletten, sorgt für alle wichtigen Impfungen. Schwangere werden beraten, wie sie sich und später das Neugeborene mit geringsten Mitteln vernünftig ernähren können. Für Geburt und Erkrankte steht das Health Center zur Verfügung. Grundschule und Lern- und Spielzentrum werden eifrig besucht. Denn sie sind das Einzige, was in den tristen, beengten Alltag Abwechslung und vor allem … Hoffnung bringt!

REISETAGEBUCH

Tag 1: Nina Ruge in Kambodscha

Tag 2: Gesundheitsversorgung im Armenviertel

Tag 3: Sanitär und Hygiene in der Schule

Tag 4: Kampf gegen Arsen

Übersicht über alle Tage

KOMMENTARE

  • anonym
    19. Februar 2016 01:50 Uhr

    So ein Artikel wie dieser bringt mich ganz schön ins Nachdenken nicht ohne Tränen!

    Tobias Bothe

  • anonym
    19. Februar 2016 01:42 Uhr

    Als behinderter Mensch finde ich es wichtig, dass solche Vereine in Ihrer Tätigkeit unterstützt werden und erhalten bleiben. Bitte macht weiter so!

    Tobias Bothe

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