GEWALT GEGEN KINDER STOPPEN: KINDER SIND UNSCHLAGBAR
Donnerstag, 4. September 2014, 17:16 Uhr
von Rudi Tarneden | 2 Kommentare

UNICEF-STUDIE ZEIGT WELTWEIT HOHES MASS AN GEWALT GEGEN KINDER

An das Brennen und an die Striemen auf meiner Wange kann ich mich gut erinnern. Auch an die Scham und die Empörung, die ich empfand, als der Lehrer mir mit der flachen Hand ins Gesicht schlug.

Das ist lange her. Heute ist die Prügelstrafe bei uns verboten und die deutschen Kinder gehören zu den wenigen weltweit, die sogar ein staatlich garantiertes Recht auf gewaltfreie Erziehung haben.

Gewalt gegen Kinder

Kinder vor Gewalt schützen
© UNICEF/NYHQ2012-2276/Markisz

Es gibt kaum jemanden, der öffentlich sagen würde, dass er häusliche Gewalt nicht schlimm findet. Die meisten Erwachsenen sagen, dass sie Schläge als Erziehungsmittel nicht gut finden und dass sie Konflikte mit ihren Kindern friedlich lösen wollen. Aber ist damit alles in Ordnung?

Versteckte Gewalt

Im vergangenen Jahr mussten in Deutschland 40.000 Kinder in Obhut genommen werden, weil ihre Entwicklung in ihren Familien gefährdet war – mit steigender Tendenz. An Schulen und im Internet werden Mädchen und Jungen gemobbt, bedrängt und bloßgestellt. Und jede Woche sterben auch bei uns drei Kinder an den Folgen von Misshandlungen und Vernachlässigung.

Der neue UNICEF-Report weist auf eine repräsentative Umfrage unter 1.000 deutschen Eltern aus dem Jahr 2007 hin. Danach sagten 13 Prozent der Befragten, dass sie ihrem Kind schon einmal eine schallende Ohrfeige gaben. Weltweit  sind bis heute drei von zehn Erwachsenen der Meinung das körperliche Schläge dazugehören, um ein Kind zu disziplinieren. Besonders verbreitet sind solche Einstellungen bei Erwachsenen, die selbst in einer schwierigen Lebenssituation leben und geringe Bildungschancen hatten. Gewalt gegen Kinder ist kein individuelles, sondern auch ein soziales und ökonomisches Problem.

25 Jahre nach der Verabschiedung der UN-Konvention über die Rechte des Kindes wird es Zeit, überall gegen Einstellungen vorzugehen, die Gewalt gegen Kinder rechtfertigen („ab und zu brauchen Kinder was hinter die Ohren, damit sie parieren lernen“), stillschweigend hinnehmen („da kann man nichts machen“) oder als nicht schädlich ansehen („das hat mir doch auch nicht geschadet“) – auch bei uns.

Gewalt gegen Kinder vorbeugen

Schweden hat 1979 als erstes Industrieland die Prügelstrafe verboten und breite Aufklärungskampagnen gestartet. Der Anteil der schwedischen Kinder, die geschlagen werden sank seither von 90 Prozent auf zehn Prozent. Erfolgreiche Programme zur Familienhilfe in benachteiligten Stadtvierteln ob in den USA wie in der Türkei, Liberia oder Kroatien zeigen ermutigende Ergebnisse. Und: das Schweigen und das Tabu, dass über dem Thema liegt wird nach und nach überwunden.

Wir alle können mithelfen, dass die Erkenntnis von Astrid Lindgren, der Erfinderin der Pipi Langstrumpf, zum Durchbruch kommt: „Man kann in Kinder nichts hineinprügeln aber vieles herausstreicheln.“

Helfen Sie mit, Kindern ein Stück Geborgenheit zu geben! UNICEF schützt Kinder vor Ausbeutung und Gewalt

KOMMENTARE

  • anonym
    28. November 2014 22:57 Uhr

    Was soll an der Ohrfeige so harmlos sein? Jeder Schlag ist gefährlich, denn
    das kann jeder Kinderarzt bestätigen.
    Wenn Eltern überfordert sind, dann kann
    ich sie verstehen.

  • anonym
    05. September 2014 15:59 Uhr

    Unicef schrieb:
    „Heute ist die Prügelstrafe bei uns verboten und die deutschen Kinder gehören zu den wenigen weltweit, die sogar ein staatlich garantiertes Recht auf gewaltfreie Erziehung haben.“

    Leider unwahr, was Unicef auch sehr genau weiss: Mit Verabschiedung des §1631d des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) hat der Gesetzgeber das staatlich garantierte Recht auf gewaltfreie Erziehung erstmals explizit aufgehoben; physische Gewalt in Form der Beschneidung allein auf Wunsch der Eltern müssen männliche Minderjährige über sich ergehen lassen! Unicef schweigt hierzu beharrlich!!!

    Und das sind die Konsequenzen solcher Gesetze:

    Viele von denen, die die Genitalverstümmelung von Jungen gutheißen und den neuen § 1631d BGB verteidigen, sind inzwischen auch dazu übergegangen, die Genitalverstümmelung von Mädchen zu rechtfertigen. Dazu gehört die Berliner Rechtswissenschaftlerin Tatjana Hörnle, die als These auf dem 70. Deutschen Juristentag (16. bis 19. September 2014 in Hannover) vertreten wird, dass nicht „alle Veränderungen an weiblichen Genitalien unter 'verstümmeln' zu fassen sind“ (http://www.djt.de/fileadmin/downloads/70/djt_70_Thesen_140804.pdf – Seite 23). Aus ihrer Sicht ist das konsequent, denn wer zulässt, dass Jungen die Vorhaut amputiert wird, darf nicht gleichzeitig die Beschneidung der Klitorisvorhaut verbieten. Aber was für ein Preis, um irgendwie die Erlaubnis zu retten, die Vorhaut von Jungen zu amputieren. Dafür werden dann auch gern mal die Genitalien von Mädchen geopfert. Warum nicht auch den Eltern der Christensekte „Zwölf Stämme“ erlauben, ihre Kinder zu schlagen, was diese selbsternannten „Züchtigungsberechtigten“ als Teil ihres bibeltreuen Erziehungskonzepts verstehen (http://www.spiegel.de/schulspiegel/zwoelf-staemme-sekte-zeigt-rtl-reporter-an-a-984059.html)? (Quelle: http://holmputzke.de/index.php/aktuelles) Das Geschacher darum, welche Formen physischer Gewalt Minderjährige zu erdulden haben, hat längst begonnen und Unicef ist daran gewiss nicht ganz unschuldig!

    Unicef schrieb:
    „25 Jahre nach der Verabschiedung der UN-Konvention über die Rechte des Kindes wird es Zeit, überall gegen Einstellungen vorzugehen, die Gewalt gegen Kinder rechtfertigen („ab und zu brauchen Kinder was hinter die Ohren, damit sie parieren lernen“), stillschweigend hinnehmen („da kann man nichts machen“) oder als nicht schädlich ansehen („das hat mir doch auch nicht geschadet“) – auch bei uns.“

    So wird auch die nicht medizinisch indizierte Beschneidung der Jungen schön geredet: Machen wir doch seit Ewigkeiten und hat mir doch auch nicht geschadet! Tut mir leid, aber solange Unicef bestimmte Ausprägungen physischer Gewalt an Minderjährige stillschweigend hinnehmt sind sämtliche Äusserungen Unicefs zu diesem Thema nicht ernst zu nehmen und dienen wohl eher der Selbstdarstellung Unicefs. Den Kindern hilft Unicef mit dieser Inkonsequenz jedenfalls nicht!

    Tobias Spengler

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